Bouhadouds Bärendienst

Der Anfang vom Ende: Zouhair Bouadoud wird wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt. Danach gibt Siegen das Spiel in Wattenscheid aus der Hand und muss noch das 1:1 hinnehmen.
Der Anfang vom Ende: Zouhair Bouadoud wird wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt. Danach gibt Siegen das Spiel in Wattenscheid aus der Hand und muss noch das 1:1 hinnehmen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Zouhair Bouadoud hat seiner Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Nach seiner Roten Karte (55.) wegen einer Tätlichkeit mussten die Sportfreunde das Sechs-Punkte-Spiel in Wattenscheid bei einer 1:0-Führung aus der Hand geben und kassierten noch den Ausgleich.

Wattenscheid..  Wie aus einem Vorteil schnell ein Nachteil werden kann, demonstrierten die Siegener Sportfreunde in der Wattenscheider Lohrheide. Beim 1:1 (0:1) im Kellerduell der Fußball-Regionalliga bekommen die Siegener in der 55. Minute bei glücklicher Führung am linken Strafraumrand einen berechtigten Freistoß zugesprochen. Sascha Tobor hatte Haluk Arslan zu Fall gebracht. Anstatt jetzt alles in Ruhe abzuwickeln, womöglich sogar die Chance zur höheren Führung zu nutzen, zettelt Konstantin Möllering die Rudelbildung an, reibt sich die Stirn an der des Wattenscheider Übeltäters.

Dass er dafür später die fünfte gelbe Karte sieht und am Gründonnerstag gegen Viktoria Kökln zusehen darf, ist ein Übel der Geschichte. Im Pulk der 16 Akteure plus der Unparteiischen rutscht zu allem Überfluss Heißsporn Zouhaiur Bouadoud die Hand aus und klatscht an die Wange Tobors. Konsequenz: Rot für den Siegener aus dem Elsass – schon zum zweiten Mal in dieser Saison -, mehr als eine halbe Stunde Unterzahl und die Aussicht auf ein Powerplay der Gastgeber, in dem den vielen mitgereisten Fans angst und bange wird um ihre Sportfreunde.

„Ich wollte nur schlichten“, ist sich Bouadoud am Ende der Partie keiner Schuld bewusst. Einsam und allen steht er am Eingang des Spielertunnels. Die Kollegen haben „einen Hals“. Allen voran Kapitän Mark Zeh, der lieber nichts sagen will. Dass ihm ob dieser Dummheit der Kamm schwillt, bedarf keiner Worte. „Mit elf Mann hätten wir nie ein Tor kassiert, wir machen vielleicht sogar das zweite und der Sack ist zu“, ärgert sich Serkan Dalman über die entgangene Chance, den Wattenscheidern um drei Zähler auf den Pelz zu rücken, im Kampf gegen den Abstieg ein weiteres deutliches Zeichen an die Konkurrenz zu senden. Ein Remis in dieser Situation ist nicht Fleisch, nicht Fisch.

„Es bleib alles beim alten“, versucht Trainer Michael Boris am Ende das Positive aus dem Spielausgang zu erkennen. „Wenn man 20 Punkte hat und der Gegner 26. dann weiß jeder, was ein 1:1 bedeutet“, drückt er aus, dass wieder ein Spiel weniger zu absolvieren ist und der Abstand zu den Teams über dem Strich nicht kleiner geworden ist.

Und diese Chance raubte den Siegenern Unbeherrschtheit, fehlende Disziplin einzelner. Dass es am Ende bei diesem 1:1 blieb – über die Unzufriedenheit der Wattenscheider, deren drückende Überlegengheit mit einem Mann mehr in der zweitzen Hälfte nur zum Ausgleichstreffer des starken Burak Kaplan in der 73. Minute reichte, muss man nicht lange nachdenken -, ist der aufopferungsvollen Abwehrarbeit der verbliebenen Zehn zu verdanken. Da hätten sich die Siegener Anhänger zwar ab un an mal ein bisschen Entlastung gewünscht, doch die ordnende Hand, die auch mal auf den Ball tritt, versucht, einen vernünftigen Gegenangriff einzuleiten, wurde nicht gesichtet. Den Gastgebern wurde es zu leicht gemacht, mit Mann und Maus zu stürmen. Die Siegener wurden zu Maurermeistrern, die ihren Mannschaftsbus vor bzw. in den Strafraum rollten. Lediglich die Einzelaktion von Kaplan ließen sie zu, der aus 14 Metern den Ausgleich machte.

Dass es durchaus Siegener Qualitäten zu bestaunen gab, verdeutlicht das 1:0 in der 10. Minute. Da schockt Bouadoud, der Unbeherrschte, Möllering, den Aufwiegler, auf die Reise. Er scheitert aus zwölf Metern an Keeper Tim Boss, doch Abdullah Keseroglu ist zum „Abstauben“ mitgelaufen und schiebt die Kugel über die Linie.

„Wir haben das Wattenscheider Spiel zerstört“, so Michael Boris treffend, „und dann auch eigene Impulse gesetzt.“ Bis zur 55. Minute – danach spielte nur noch der Gastgeber, der sich nach einem Kaplan-Knaller unter die Querlatte in der Anfangsphase der Partie eigentlich nur noch die Füße wund lief auf der Suche nach einer Torchance.