Baden gehen, Kino und dann gewinnen
18.04.2010 | 22:38 Uhr 2010-04-18T22:38:00+0200
Siegen. Am Ende hatten sich alle richtig lieb. Emrah Uzun lief zu seinen Eltern rüber, Daniel Bogusz herzte sein Töchterchen, Hüsni Tahiri schnappte sich seinen kleinen Neffen und entführte den wackelbeinigen Dreikäsehoch gleich mit in die Kabine zu den feiernden Kollegen.
Ehrenpräsident Manfred Utsch umarmte Andrzej Rudy völlig erleichtert und gerührt und sagte zum Neu-Trainer nur drei Worte: „Danke, vielen Dank!”.
Und auch der bescheiden daherkommende Andrzej Rudy, der in der Stunde des Erfolgs viel lieber die Mannschaft glänzen lässt, musste das Glück mit der Familie teilen. Ein kurzer Wink zum Ordner, der ließ Rudys jüngste Söhne Joshua (12) und Joe (10) passieren und dann nahm der Sportfreunde-Cheftrainer die zwei mit auf die Ehrenrunde zu den Fans. Stolz sind sie wohl gewesen, auf ihren Papa, der bei seinem neuen Verein Sportfreunde Siegen in nur fünf Tagen so etwas wie ein kleines Wunder vollbracht hat. Die noch kurze Erfolgsbilanz: Zwei Spiele, zwei Tore, zwei Siege - so etwas nennt man wohl einen Einstand nach Maß.
Schlechter Aschenplatz
als beste Einstimmung
Nach seinem Siegtreffer gegen den VfB Hüls per Elfmeter war auch gestern Stürmer Emrah Uzun zur Stelle und erzielte für Siegen das Tor des Tages. Es war die 70. Spielminute: Daniel Cartus hatte im Sechzehner mit dem Rücken zum Tor gekonnt abgelegt und Uzun hielt den Schlappen drauf - der Ball lief auf einer Glücksspur durch etliche Abwehrbeine der Hammer Spielvereinigung hindurch in die Maschen. Und da stand das Stadion mit immerhin wieder 1 400 Zuschauern, die mal wieder Sommerfußball im Leimbachstadion erleben wollten, Kopf. Und der Dank von Uzun ging Richtung Tribüne, auf der schon, wie gegen Hüls, die Eltern saßen und ihrem Sohn alles Glück dieser Welt gewünscht hatten.
Als Hüsni Tahiri am vergangenen Donnerstagabend nach dem 1:0-Sieg gegen den VfB Hüls bei laufendem Radio-Interview dem Torschützen in den Nacken gesprungen war, schrie der gebürtige Plettenberger ins Mikro: „Emrah Uzun - unsere Lebensversicherung!” Und dies hätte man gestern erneut dick unterstreichen können. Denn der Sieg in Hüls war nur etwas wert, wenn die Sportfreunde gegen Hamm nachlegen und wieder gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg „Sechs Punkte” holen.
Bei den vielen Umarmungen und Herzlichkeiten, die da gestern nach dem Spiel ausgetauscht wurden, fiel immer wieder die Aussage der Spieler, „super Vorbereitung der beiden Trainer, jetzt haben wir wieder Spaß!”. Was Andrzej Rudy und sein „Co” Richard Towa anders machen als ihre Vorgänger? Scheinbar einfach: „Wir haben das Leben der Spieler auf den Kopf gestellt. Wir waren im Schwimmbad, wir waren im Kino, die Spieler brauchen positive Gefühle”, weiß der 44-Jährige, der sich als Motivationskünstler entpuppt. Und was will man sagen, wer gewinnt, der hat Recht.
Und was machte Rudy mit den Spielern noch kurz vor dem Anpfiff gegen die Hammer Spielvereinigung? Er zog mit den Jungs auf den Aschenplatz im oberen Leimbachtal. Auch wieder so eine Griff in die psychologische Trickkiste. Rudy: „Die Spieler sollten nach dem Aschenplatz auf dem schlechten Rasen das Gefühl haben, der ist ja gar nicht so schlecht!”
Hüsni Tahiri machte
über links „viel Musik”
Und der Platz war grottenschlecht. Ein gepflegtes Spiel war hier nicht zu machen. Und so ein reines Kampfspiel, das liegt den Siegenern nun wahrlich nicht. Rudy hatte der selben Startformation wie gegen Hüls vertraut. Die Sportfreunde begannen engagiert, hatten auch über die 90 Minuten wesentlich mehr vom Spiel - doch es hakte immer wieder durch Pässe ins Leere und viele Abspielfehler. Nein, den Preis für ein schönes Spiel konnten sie nicht gewinnen.
Den meisten Offensivdrang auf dem Flügel entfachte Hüsni Tahiri, der im Dauersprint gegen zwei, drei Gegenspieler mächtig Musik machte, dessen Energie aber leider auch verpuffte, weil die Flanken nicht ankamen. Der Albaner kroch zuletzt „auf den Brustwarzen”.
Die Riesenchance in der ersten Hälfte hatten aber die Gäste: Freistoß Chouliaros und den Kopfball von Balep fischte Torwart Pero Miletic aus dem Winkel. Und auch nach der Pause war Siegen feldüberlegen ohne zu glänzen, doch der Führungstreffer (70. Minute) gab den Sportfreunden keinerlei Sicherheit. Balep scheitert in Eins-zu-Eins-Situation an Miletic (73.), Balep ans Außennetz (74.) und dann bekam auch wieder Pero Miletic das Nervenflattern, als er erst im Nachfassen den Schuss von Balep unter Kontrolle brachte. In der 88. Minute rettete nach einer Ecke ein Siegener Abwehrbein für den geschlagenen Miletic – doch Siegen zitterte sich zum Sieg.
STIMMEN ZUM SPIEL
Andrzej Rudy (Trainer SF Siegen): „Wir haben gegen einen Gegner gewonnen, der sehr gut gestanden hat. Wir haben auch versucht, Fußball zu spielen, aber das war auf diesem Platz kaum möglich. Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen das Beste aus der Situation machen. Ich hatte ja schon gesagt, dass die Zuschauer jetzt hier keinen schönen Fußball erwarten können - aber möglichst einen erfolgreichen. Zauberfußball ist in unserer Situation nicht wichtig, wir haben gewonnen, wir haben das Glück erzwungen, unser Sieg war wichtig. Das ist aber noch kein Grund zum Feiern. Am Mittwoch geht es weiter. Wir haben hier noch ein hartes Stück Arbeit vor uns, Richard Towa und ich. Wir haben noch nicht einmal einen Vertrag, aber wir haben gesagt, wir machen das hier.”
Hans-Werner Moors (Trainer Hammer SpVg): „Siegen hat durch ein glückliches Tor gewonnen. Wir hatten drei, vier gute Chancen zum Ausgleich, aber unser Spiel krankt daran, dass wir keine Tore machen. Die Leistung der Mannschaft und die Laufbereitschaft war okay - aber wir müssen wieder Tore machen.”
Emrah Uzun (Torschütze): „Seit fünf Tagen ist in Siegen alles anders. Wir freuen uns wieder auf`s Training, es macht wieder richtig Spaß, Fußball zu spielen und wir sind als Mannschaft enger zusammengerückt. Es war kein schönes Spiel heute, aber das zählt nicht. Für uns zählen nur noch die Punkte, die wir bis zum Saisonende holen.”
Hüsni Tahiri (SF Siegen): „Das war wieder ein Sechs-Punkte-Spiel für uns. Wir haben uns den Sieg auf einem schwierigen Platz echt verdient. Die Trainer haben uns wieder super eingestellt und motiviert und wir haben uns ins Spiel reingearbeitet. Am Ende wurde es nochmal eng, da mussten wir zittern, aber vielleicht gelingt es uns schon am Mittwoch, mal ein 2:0 nachzulegen, um Ruhe ins Spiel zu kriegen.”
Aufstellung
SF Siegen: Pero Miletic – Kerim Arslan, Daniel Bogusz, Christian Schönwälder, Serkan Dalman – Anis Saidi – Daniel Cartus, Hüsni Tahiri (79. Marius Jung), Orhan Özkaya (71. Jorge Cerezo), Matthew Dallman – Emrah Uzun (76. Wesley Schors).
Trainer: Andrzej Rudy.
Hammer SpVg: Dominique Nowak – Michael Kaminski, Sebastian Krug, Alexander Thiele, Florian Kraus (77. Nico Schiller), Sefa Arslan (80. Magnus Gunnarsson), Marc Dyballa, K. Balep-Heteke, Andreas Chouliaros (65. Kevin Lanzendörfer), Stefan Hoffmann, Giancarlo Fiore.
Trainer: Hans-Werner Moors.
Tore
1:0 (70.) Emrah Uzun.
Schiedsrichter
Denis Magne
Zuschauer
1396
Spielplan SF Siegen
Mittwoch, 21. April 2010
SF Siegen - ETB SW Essen 19.00
Sonntag, 25. April 2010
Berg. Gladbach - SF Siegen 15.00
Sonntag, 2. Mai 2010
SF Siegen - VfB Hüls 15.00
Freitag, 7. Mai 2010
SF Siegen - MSV Duisburg 19.30
Donnerstag, 13. Mai 2010
SF Siegen - 1. FC Kleve 15.00
Montag, 24. Mai 2010
RW Essen II - SF Siegen 15.00
Sonntag, 30. Mai 2010
SF Siegen - Alem. Aachen II 15.00
NRW-LIGA
33. Spieltag
A. Aachen II - Wattenscheid 1:2
Tore: 1:0 Stehle (24.), 1:1 Ropkas (47.), 1:2 Mike Manske (57.) - Zuschauer: 266
1. FC Kleve - Fortuna Köln 0:0
Tore: Fehlanzeige - Zuschauer: 500
G. Windeck - VfB Speldorf 0:3
Tore: 0:1 Güney (14., Foulelfmeter), 0:2 Weller (31.), 0:3 Synowiecz (81., Foulelfmeter) - Zuschauer: 485
Duisburg II - ETB SW Essen 1:3
Tore: 1:0 Ferati (16.), 1:1 Schulitz (25.), 1:2 M. Zeh (65.), 1:3 Setzke (75.) - Zuschauer: 150 - Bes. Vork.: Gelb-Rote Karte für Abelski (72./Duisburg) wegen Meckerns
RW Essen II - Arm. Bielefeld II 0:2
Tore: 0:1 Santos (45.), 0:2 Studtrucker (81.) - Zuschauer: 150 - Bes. Vorkommnis: 61. Minute: Gelb-Rote Karte für Avci (Essen) wegen wiederholten Foulspiels
SSVg. Velbert - Schermbeck 0:1
Tor: 0:1 Aksoy (85.) - Zuschauer: 250
VfB Hüls - Berg. Gladbach 1:1
Tor: 0:1 Spitali (35.), 1:1 Stondzik (90.+3) - Zuschauer: 250
W. Herne - TSG Sprockhövel 0:0
Tore: Fehlanzeige - Zuschauer: 400
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