Abstieg ist besiegelt

Ina Kaplan vom 1. BC 89 Siegtal gewann bei den Deutschen Billard-Meisterschaften im vergangenen Jahr in Bad Wildungen drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille.
Ina Kaplan vom 1. BC 89 Siegtal gewann bei den Deutschen Billard-Meisterschaften im vergangenen Jahr in Bad Wildungen drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille.
Foto: WP
Zwei Spiele stehen für den 1. BC Siegtal in der 1. Poolbillard-Bundesliga im Mai noch auf dem Programm, doch der Abstieg in die 2. Liga steht bereits fest. Die Mannschaft konnte sich deshalb nicht halten, weil der Verein auf kostspielige Superstars der Szene, die bei den Top-Clubs spielen, verzichtet. In die Männerdomäne Billard ist die dreifache Deutsche Meisterin 2014, Ina Kaplan, eingebrochen.

Siegen..  Sie spielen zwar auf höchstem Niveau und sind Meister ihres Fachs, doch die Billard-Asse des 1. BC 89 Siegtal tun sich schwer, aus dem Schatten des allmächtigen Fußballs und der starken Lauf- und Turnszene im Siegerland herauszutreten. Immerhin spielt die Mannschaft in der 1. Bundesliga – noch, denn der Abstieg ist bereits besiegelt. In bislang zwölf Partien kam der 1. BC 89 Siegtal nur zu vier Unentschieden, zu wenig, um in der höchsten deutschen Spielklasse zu bestehen.

Ein Beinbruch ist dies für den vor 26 Jahren in Eiserfeld gegründeten Verein aber nicht. „Der Leistungsunterschied zwischen 1. und 2. Liga war für uns einfach zu groß“, sieht es erster Vorsitzender Jörn Kaplan, einer der zwei gebürtigen Siegerländer in der Bundesliga-Formation und Ehemann der dreifachen Deutschen Meisterin im Poolbillard und Zweiten der „Sportlerwahl 2014“ dieser Zeitung, Ina Kaplan, realistisch und ergänzt: „In anderen Vereinen der 1. Liga wird für die starken Spieler viel Geld bezahlt. Bei uns gibt es nichts.“

In seinem Vereinsdomizil in der Siegener Innenstadt führt der 1. BC 89 Siegtal mit seinen rund 60 Mitgliedern ein gewisses Eigenleben. Sechs Tische stehen dort auf rund 300 Quadratmetern für das Training und die Liga-Partien zur Verfügung. Zwar betreibt der 1. BC Siegtal keine Nachwuchsförderung, doch im Clubheim herrscht bisweilen drangvolle Enge. Der wichtigste Grund für die Suche nach einem neuen Standort aber ist die Miete: Ca. 1400 Euro im Monat muss der Verein alleine dafür aufbringen. „Deshalb leben wir quasi von der Hand in den Mund“, bedauert Kaplan.

Doch vielleicht ist Besserung in Sicht. Sowohl Siegens Bürgermeister Steffen Mues als auch Ottmar Haardt, erster Vorsitzender des Kreissportbundes Siegen-Wittgenstein, wollen dem Verein bei der Suche nach einer größeren, aber preiswerteren Trainingsstätte helfen. Dann wäre der Verein auch in die Lage versetzt, in Kinder- und Jugendförderung einzusteigen, sich fit für die Zukunft zu machen und sich aus eigenen Kräften dauerhaft über Wasser zu halten.

Der Illusion, Poolbillard würde in Deutschland mit seiner dank ausländischer Top-Spieler starken 1. Liga ein populärer Massensport mit Profistrukturen wie in England oder Asien gibt sich Kaplan nicht hin, denn: „Der Verband steht sich selbst im Weg.“