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Arthur Woloszyn fährt zum...

Über Frankfurts Brücken muss er geh'n

01.07.2008 | 14:27 Uhr
Über Frankfurts Brücken muss er geh'n

Schwerte. Sind Sie schon einmal von Altena aus hoch zum Freibad nach Dahle gefahren? Mit dem Fahrrad? Knapp vier Kilometer den Berg rauf? Arthur Woloszyn hat das jüngst gemacht. Nicht nur einmal, sondern gleich viermal. Mit einer Geschwindigkeit von 28km/h - ein Waaahnsinn!

Info
Gerne Gast in Ergste

Arthur Woloszyn wurde am 12. April 1982 im Sternzeichen des Widders in Hindenburg geboren. Das liegt in Polen.

1988 zog er mit seiner Familie nach Deutschland; Schwerte wurde gleich die neue Heimat.

Der Triathlet ist 1,80m groß und bringt 70 bis 72 Kilogramm auf die Waage.

Seinen Ruhepuls schätzt der Ausdauersportler auf 50 Schläge pro Minute ein.

Arthur Woloszyn ist gelernter Gebäudeenergieelektroniker, möchte aber Medizintechniker werden.

Sein Hobby ist der Triathlon, aber er guckt auch gerne Fußball und ist häufig Gast der zweiten Mannschaft der SG Eintracht Ergste im Waldstadion Bürenbruch.

Nun hat der Schwerter auch kein normales Fahrrad. Er ist auch kein normaler Mensch. Arthur Woloszyn ist nämlich Triathlet, startet für die SG Eintracht Ergste. So wie zuletzt in Altena-Dahle. Einen Kilometer schwimmen, 36 Kilometer Rad fahren, neun Kilometer laufen. Kurz-Triathlon nennt sich das. Unvorstellbar! Für Arthur Woloszyn ein Lachsack. Für ihn war der zweite Verbandsliga-Auftritt der Ergster Tripple Hippos quasi die Vorspeise für Frankfurt. Dort nimmt der Ruhrstädter am Sonntag zum ersten Mal in seinem Leben an einem „Ironman” teil. Dann geht's erst richtig rund! 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer auf dem Fahrrad, zum Abschluss noch mal eben einen Marathon. Fachleute trauen ihm eine Zeit unter zehn Stunden zu, „aber das ist nicht mein Ziel”, sagt er. „Elf Stunden aber sind machbar”, glaubt Arthur Woloszyn, auf keinen Fall sollen es mehr als zwölf werden. Klein, aber fein ist das Freibad in Dahle. Am zweiten Wettkampftag in der Verbandsliga wimmelte es nur so von Menschen. Über 300 Sportler, mehr als 100 Helfer rund ums Becken und auf der Rad- bzw. Laufstrecke - so ein Triathlon muss wohl organisiert sein. Mittendrin die vier Tripple Hippos. Es ist kurz vor elf Uhr, und Arthur Woloszyn, Peter Schubert, Uwe Otte und Roland Köcher, letzterer in seinem ersten Verbandsligaeinsatz, bereiten sich langsam auf den Start vor, setzten ihre Badekappen auf und gleiten ins Wasser. Arthur Woloszyn ist an diesem Tag der Leistungsträger im Team. Er macht einen ruhigen und

Mama und Oma

fieberten mit 

Die kleine, aber feine Fangemeinde des Arthur Woloszyn

konzentrierten Eindruck, derweil Mama Cornelia und Oma Barbara weitaus nervöser erscheinen; sie fiebern mit. Cornelia Woloszyn wird auch in Frankfurt an der Strecke stehen. „Es ist wichtig, dass jemand dabei ist”, schätzt der Triathlet jede Form der Unterstützung. Unterdessen nimmt Christian Schubert, im bürgerlichen Leben Fußballer in Diensten des SC Hennen, diesmal aber „Edelfan” seines Vaters und aller anderen Hippos, die Zeit. Arthur Woloszyn will wissen, woran er ist; dieser letzte Wettkampf vor dem Ironman soll zur Standortbestimmung werden - da reicht die Kurzdistanz. Der junge Ergster, dessen Schwäche lila Nussschokolade ist (was man aber überhaupt nicht sieht), schwimmt seinen Streifen runter, hat sich quasi ins Fahrwasser seines Konkurrenten gehängt. „Sieben Minuten 21”, ruft ihm Christian Schubert auf der Hälfte der Distanz zu - Woloszyn scheint zufrieden zu sein. Als Sechster von insgesamt 64 Verbandsligastartern verlässt Arthur Woloszyn das Wasser und schwingt sich auf seine Rennmaschine. Auf der Hauptstraße geht es erst einmal rechts hoch, gut 200m bis zum Friseur Fernandez und Schreibwaren Appelhans in Dahle. Dort ist der Wendepunkt, und von da an geht's bergab, bergauf, bergab, bergauf - das ganze viermal. Es scheint, als müsse der Ergster beißen. Gut, dass er weiterhin nicht allein ist. Christian Schubert hat die Zeit im Blick, Mama und Oma stehen an der Straße und feuern an, was das Zeug hält. Ich warte derweil nach dessen erster Bergtour auf die Schussfahrt des Arthur Woloszyn, doch der Triathlet ist schon längst wieder an der Einmündung zum Dahler Freibad den Berg runter vorbei - da ist mir wohl etwas zu schnell gegangen... . Kein Wunder, denn gut und gerne 60 Stundenkilometer werden auf dem Tacho angezeigt - schneller als die Polizei erlaubt!

Schneller als die

Polizei erlaubt

Auf dem Rad sind nur vier Konkurrenten schneller als Woloszyn, der die 36 Kilometer in 58:57 Minuten absolviert - damit liegt er auf dem zweiten Platz. Doch beim abschließenden Lauf verliert er an Boden, 17 seiner Konkurrenten sind schneller. Immerhin reicht es noch zu einem phantastischen siebten Platz in der Gesamtwertung - ist Arthur Woloszyn damit zufrieden? Und ist das Laufen nicht so sein Ding? „Das war nicht meine Strecke”, sagt der Athlet, der es lieber hat, wenn es mal kurz und knackig bergauf geht als einen elendig langen Anstieg wie von Altena nach Dahle. Aber am Rad fahren lag es nicht, dass Arthur Woloszyn Plätze verloren hat. „Ich habe die erste Laufrunde total versaut, weil ich viel zu schnell angegangen bin”, erklärt er - und gesteht, dass „Laufen an und für sich doch meine schwächste Disziplin ist”. Aber er ist zufrieden mit seinem siebten Platz, und das Studium der Ergebnislisten trug auch zu einer noch besseren Positionierung bei. „In der Oberliga wäre ich mit meiner Zeit sogar Dritter geworden”. Auf jeden Fall waren die 1:52 Stunden die bislang beste Zeit, die er auf dieser Strecke hinbekommen hat. Zwei Tage nach dem Wettkampf saß Arthur Woloszyn schon wieder im Sattel. „Lass uns heute Nachmittag sprechen, ich muss jetzt aufs Rad”, sagt der Sportverrückte am Telefon, als ich mich mit ihm verabreden wollte. Einmal Möhnesee und zurück, mal eben 100 Kilometer - das sind Distanzen, da planen andere eine Übernachtung ein.

Aus der Hölle

ins Paradies

Das hätte der Schwerter früher möglicherweise auch noch gemacht. Denn so lange ist er noch kein Tripple Hippo. Arthur Woloszyn war früher Fußballer, spielte für die SG Eintracht Ergste - was seinen Knien aber missfiel. Er stieg aufs Rad, um die Muskulatur rund ums Knie zu stärken, aber auch das wurde nichts. So stieg er 2006 bei den Tripple Hippos ein und durfte erleben, wie aus der Hölle das Paradies wurde. „Bei meinem ersten Schwimmtraining sollte ich 500m durchkraulen, das war echt die Hölle”, erinnert er sich. Von da an ging's bergauf mit Arthur Woloszyn. Nicht nur in Altena. Er trainierte regelmäßig, nahm an Wettkämpfen teil und spürte von mal zu mal Verbesserungen. „Es macht Spaß, wenn man den Schub kriegt und sieht, dass es voran geht”. Erst der Volkstriathlon (500m Schwimmen, 20km Rad, 5km Laufen), dann die olympische Distanz wie in Altena, die Mitteldistanz auf der Deutschen Meisterschaft in Kulmbach und jetzt der Ironman in Frankfurt, den er übrigens nicht alleine absolviert. Die Hippos Olaf Krüger und Rainer Malchow sind ebenfalls mit von der Partie und steigern damit gemeinsam mit Arthur Woloszyn ihr persönliches Ansehen und das ihres Sports in der Öffentlichkeit. Die nimmt Notiz von den Wettkämpfen. „Man wird schon angesprochen, beim Friseur oder von den Nachbarn”, sagt Arthur Woloszyn. Ein kleines bisschen baut auch so etwas auf, aber sein Sport ist für Arthur Woloszyn nicht einfach nur Ausdauer, sondern „auch sehr viel eine Kopfsache”. Soll heißen: Der Schwerter scheut keine Trainingseinheit, allenfalls Unwetter können ihn davon abhalten. Ansonsten sitzt er im Sattel, schwimmt, läuft und tut alles dafür, dass er in seinem Sport Erfolg hat. Elf bis zwölf Stunden kommen jede Woche so zusammen, gerade jetzt, wo es auf den Ironman zugeht. Ganz entscheidend ist natürlich auch der Lebenswandel. Viel Bier, viel Schokolade - Arthur Woloszyn lacht. „Schokolade geht noch, das lasse ich mir nicht nehmen, aber Alkohol habe ich in den letzten vier Wochen gar nicht mehr konsumiert und davor sowieso nur wenig. Wenn Feiern sind, bin ich meistens der Fahrer”. Und wenn es um die Ernährung geht, kann er sich ganz auf seine Mutter verlassen. „Sie kocht ganz gut”, sagt er - und Cornelia Woloszyn weiß, was für ihren Jungen gut ist. Kohlehydrate zum Beispiel, jede Menge Kohlehydrate.

Der Main wird

zum Verbündeten 

Info
Die Kiste Gerstensaft danach

Die Tripple Hippos der SG Eintracht Ergste gibt es schon seit 1996. Die Idee zum Triathlon (Jedermann bis Ironman) wurde in der Schwimmabteilung des Vereins geboren.

Gut 20 Athleten betreiben diesen Sport aus drei Disziplinen. Intern kommt immer noch eine vierte zum Einsatz: Die Kiste Gerstensaft danach.

Ligawettkämpfe bestreiten die Tripple Hippos seit 2003. Aus der NRW-Landesliga schaffte man zweimal den Aufstieg, startete in der Oberliga, musste dann aber wieder in die Verbandsliga absteigen.

Das Motto ist sozial: Jeder darf in der Liga starten, der Spaß und nicht die Leistung steht im Vordergrund.

Weitere Informationen über die Tripple Hippos gibt es im Internet unter www.tripple-hippos.de

In Frankfurt wird er am Sonntag Freundschaft schließen mit dem Main. An diesem Fluss führt die Laufstrecke vorbei. Arthur Woloszyn muss achtmal über die Brücken, von rechts nach links und von links nach rechts. Dann wird er auch Ausschau halten nach vertrauten Gesichtern. Nicht nur seine Mutter wird in Frankfurt dabei sein, auch seine Schwester und neun Freunde werden an der Strecke stehen und den sympathischen Schwerter anfeuern. „Gerade nach hinten raus” wird sich Arthur Woloszyn über diese Unterstützung freuen. „Wenn man weiß, dass man gleich wieder an seinen Leuten vorbeikommt, versucht man schon, wieder lange Schritte zu machen und zu lächeln” - es sind ja auch nur noch 30 Kilometer bis zum Ziel. Wenn Arthur Woloszyn dann, nach knapp unter zehn oder knapp über elf Stunden die Ziellinie überqueren wird, warten herrliche Zeiten auf ihn. „Eine Woche werde ich dann erst einmal keinen Sport betreiben, sondern die Tour de France gucken” - um sich dann wieder hineinfallen zu lassen in die Gemeinschaft der Tripple Hippos, wo „alle top sind”, sagt der 26-Jährige. Und dann steht ja auch Mitte Juli schon der dritte Wettkampftag in der Verbandsliga an. Einen Kilometer schwimmen, 40 Kilometer Rad Fahren, 10 Kilometer laufen - ein Lachsack. Denn an diesem Tag ist „Atze” zum ersten Mal im Ligaalltag, zum ersten Mal in seinem Leben ein echter „iron man”. Da zeigt man doch der Konkurrenz die Hacken, oder? Übrigens: wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm.

Ingo Rous

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