Selbstversuch: "Schießsport ist Yoga"
08.04.2009 | 07:56 Uhr 2009-04-08T07:56:00+0200Schwerte. Es ist gar nicht so leicht, in Zeiten von Winnenden, Erfurt und Emsdetten einen Einstieg zu finden in eine Geschichte über den Schießsport. Ich versuch's mal mit einer These: Das Vereinsheim des Schießsportclubs Schwerte wird niemals Ausgangspunkt eines Amoklaufs sein.
Natürlich hat man sich auch im SSC Schwerte über den Wahnsinn von Winnenden unterhalten. Natürlich hat sich auch in der Schützenstraße Trauer und Entsetzen breit gemacht. Und natürlich hat man dort auch den Ruf nach Verschärfungen der Waffengesetze gehört. „Wir haben damit nichts zu tun”, sagt Horst Weber, Pressreferent des SSC Schwerte.
Was nachvollziebar scheint. Denn im Vereinsheim gibt es zwar eine schmucke Schießanlage, auf der aber ausschließlich mit Luftgewehr und Luftpistole geschossen wird. „Mit klein- oder großkalibrigen Waffen können wir auf unserer 10m-Bahn gar nicht schießen”, erklärt der Vorsitzende Klaus Bielefeld. Entsprechende Waffen sind somit im Vereinsheim gar nicht gelagert. Und Adolf Schulze-Altendorf ist überzeugt davon, dass „so was wie in Winnenden auch passieren kann, wenn es keine Schießsportvereine geben würde”. Der Geschäftsführer ergänzt: „Unser Ziel ist das sportliche Schießen. Wir haben solide und verantwortungsbewusste Mitglieder. Ballermänner haben bei uns keine Chance”.
Trotzdem wackel ich
Dass dieses sportliche Schießen mehr ist als einfach nur anvisieren und abdrücken, merke ich am Tag meines Besuchs beim SSC schnell. Meinen Eindruck, dass entweder die Zielvorrichtung am Gewehr oder aber die Zielscheibe ganz schön wackeln, korrigiert Klaus Bielefeld. „Das sind Sie selbst”, schmunzelt er. Ja, die Tage, an denen ich mir mit ruhiger Hand bei der Bundeswehr einen Tag Sonderurlaub geschossen habe oder auf der Kirmes nach einem Volltreffer auf eine laufende Scheibe sehr zur Schadenfreude anderer mit einem kräftigen Wasserstrahl aus dem Nichts der Schießbude heraus belohnt wurde, scheinen vorbei zu sein - obwohl ich beim Schießsportclub aufgelegt anvisiere. Das darf man nämlich, wenn man über 45 ist.
Trotzdem wackel ich. „Schießen ist Yoga”, sagt Klaus Bielfeld. „Man muss völlig abschalten. Sobald dir Gedanken in den Kopf schießen, ist es aus”. Der Mann hat recht! Nachdem sich das Gewehr, das mir der Verein für ein paar Übungsschüsse zur Verfügung gestellt hat, an mich gewöhnt hat und ich mich an ihm, treffe ich dreimal hintereinander das Zentrum der Scheibe. Als schon jemand nach einem Aufnahmeantrag ruft, will ich's nochmal so gut machen, doch mit diesem Gedanken geht der nächste Schuss daneben.
Ich bin eben nicht im Training
40 Menschen sind im Moment im Schießsportclub Schwerte organisiert. 30 Prozent davon sind weiblichen Geschlechts.
„Natürlich brauchen auch wir ab und zu neue Mitglieder”, sagt Horst Weber. Um Interessenten von der Qualität des Vereins zu überzeugen, bietet der SSC kostenlose Schnupperstunden an. Luftgewehre und Luftpistolen werden gestellt. Horst Weber: „Wir helfen dabei”.
Wer sich informieren möchte, kann das montags und donnerstags jeweils ab 18 Uhr im Vereinsheim in der Schützenstraße (direkt am Schützenhof) tun.
Der Einstieg in den Schießsport ist nicht billig. Die Kosten für ein Luftgewehr belaufen sich auf 1500 bis 2800 Euro. Eine Luftpistole ist ab 1100 Euro zu haben.
Wer in Schwerte beim SSC mit dem Schießen beginnen möchte, muss mindestens zwölf Jahre alt sein. Der Verein handelt damit streng nach den Vorschriften des Deutschen Schützenbundes. Geschäftsführer Adolf Schulze-Altendorf: „Vorher lassen wir niemanden auch in Begleitung seiner Eltern nicht schießen”.
Ich bin eben nicht im Training, kann meinen Körper nicht so runterfahren wie ein Biathlet oder abschalten wie ein -, ja, wie ein Sportschütze eben. „Erfolge gibt es nur durch Fleiß”, sagt Horst Weber. „Schießen ist auch Training fürs Gehirn. Geist, Körper und die Waffe sind eine Einheit”. Das müssen in dem kleinen Verein schon viele Menschen gelernt haben. Zahlreiche Pokale sind auf meterlangen Regalbrettern an der Wand aufgereiht - ziemlich beeindruckend! Was aber noch längst nicht alles ist. „Die andere Hälfte steht bei mir zu Hause”, sagt Klaus Bielefeld.
Seine Tochter Anne verkörpert seit Jahren die jüngsten Erfolge im Schwerter Schießsport. Auch wenn sie ihre Wettkämpfe für die SG Hamm schießt, ist sie doch Mitglied im SSC Schwerte. „Als sie Vize-Europameisterin geworden ist, hat sie für uns geschossen”, erinnert sich Vater Klaus an die Juniorenzeiten seiner Tochter. Ein anderer hatte schon im vergangenen Jahrhundert seinen größten sportlichen Erfolg. Adolf Schulze-Altendorf war 1991 mit dem Lüner SV erster gesamtdeutscher Meister mit dem Luftgewehr - stehend und freihändig, zitterfrei, versteht sich. „Wir haben damals einen neuen deutschen Rekord geschossen” - so etwas bleibt hängen. Aber auch im Schießsport gilt, was auch in anderen Sportarten Gültigkeit besitzt: Die wahren Erfolge sind die persönlichen Verbesserungen, und die können manchmal eben nur marginal sein.
Als ich meine Schießübungen abgeschlossen habe, hat sich das Vereinsheim bereits gefüllt. Am Tisch Platz genommen hat auch Kurt Morr. Er war dabei, als der Verein 1956 aus der Taufe gehoben wurde und ist mit seinen fast 90 Jahren noch das einzige lebende Gründungsmitglied. „Der Kurt hat uns die Halle hier erkämpft”, weiß Adolf Schulze-Altendorf, was der SSC dem Herrn Morr zu verdanken hat. Doch die Herrschaften haben alle schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Nachwuchs? „Damit sieht's schlecht aus”, sagt die Vorstandsriege unisono. Und schiebt die Begründung hinterher: „Weil wir kein Schützenverein sind”. Im Stadtsportverband Schwerte allerdings ist der SSC Schwerte gemeinsam mit Bürgerschützenvereinen in der Fachgruppe Schießsport organisiert. Aber das ist wieder eine ganze andere Geschichte.
15:03
Mit einer Luftpistole kann man einen Menschen eher erschlagen als erschießen...
14:49
> So einfach ist es im wirklichen Leben Herr
> Lessing, alle Amokläufer haben mit Sportwaffen
> gemordet.
Also weder in Emsdetten noch in Erfurt wurden Sportwaffen verwendet.
13:47
> So einfach ist es im wirklichen Leben Herr
> Lessing, alle Amokläufer haben mit Sportwaffen
> gemordet.
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: So einfach ist es eben doch NICHT. In Deutschland werden jedes Jahr ca. 1.000 Menschen ermordet. Bei Amokläufen sterben im Schnitt 5 Menschen pro Jahr. Bei den Amokläufen mögen legale Schusswaffen eine dominante Rolle als Tatwaffe spielen, bei den restlichen 99,5% der Taten aber nicht.
> Mit Messern ist noch keinem einzelnen ein
> solches Massaker gelungen.
Ach nein? Südafrika vor einigen Wochen: Drei Tote bei einem Amoklauf mit einer Machete.
> Die haben nämlich ein solche taktischen
> Nachteil, das alle Armeen der Welt sie schon
> vor Jahrhunderten durch Schusswaffen ersetzt
> haben.
Seufz. NATÜRLICH wählt jeder (ob Soldat oder Amokläufer) die beste verfügbare Waffe. Wenn morgen Laserwaffen praktikabel wären, würden die Armeen Schusswaffen sofort ausmustern. Wären die dadurch weniger gefährlich/wirksam? Und wenn ein Amokläufer auf eine Schusswaffe Zugriff hat, wird er diese einem Messer wahrscheinlich vorziehen. Wenn nicht, dann nicht. Siehe Südafrika.
12:11
Der Schiesssport trainiert Körper und Geist, das steht für mich ausser Frage.
Wer einen Amoklauf, egal mit welcher Waffe auch immer, durchführen will, wird dieses auch tun.
Solange ich aber an jedem Bahnhof oder auf jedem Flohmarkt grosskalibrige Waffen osteuropäischer Herkunft ohne Probleme erwerben kann, nützt mir auch die strengste Kontrolle von Jägern, Schützen o.ä nichts.
11:50
Der durchgeknallte, der in Berlin 2006 24 Menschen bei einem 800m Lauf durch die City niedergestochen hat wird hier natürlich lieber vergessen.
Passt nämlich nicht in die Nur mit Schusswaffen werden Amokläufe begangen Argumentation einiger Leute, die lieber stänkern als nachdenken.
Und wer das Schießen auf einen kleinen Punkt im Mittelpunkt einer Scheibe als Tötungstraining bezeichnet beweist eigentlich nur eines: dass der größte Teil seiner grauen Zellen bereits gestorben ist (selbst getötet, mit Alkohol vielleicht???)
11:46
Zu guter Letzt: WER TÖTEN WILL, TÖTET !
Egal womit !
Ganz einfach!
11:31
ne das hatte hygenische gründe. das versaut die uniform. ein messer hat doch keinen taktischen nachteil. bis der 5 merkt das 4 erstochen sind ist man schon bei ihm.
11:24
> Eins ist Fakt, alle Amokläufe in Deutschland
> sind mit Sportwaffen verübt worden. Also
> sollte man mit den Maßnahmen da anfangen
> wo es sinnvoll ist.
So einfach ist es im wirklichen Leben Herr Lessing, alle Amokläufer haben mit Sportwaffen gemordet.
Mit Messern ist noch keinem einzelnen ein solches Massaker gelungen. Die haben nämlich ein solche taktischen Nachteil, das alle Armeen der Welt sie schon vor Jahrhunderten durch Schusswaffen ersetzt haben.
11:05
# 11 doch meine einstellung zu deiner einstellung bez. meines kommentares dafür könnte man dich schon erlegen oder ? wer lesen kann ist klar im vorteil... ich überlegs mir ! das ist meine einstellung zu solchen kommentaren.
10:48
Zu 5
Gehen Sie mal zu einem Schützenverein, nehmen Sie ein Luftgewehr in die Hand. Legen Sie freihändig an und versuchen mal ein 0,5mm grosses Ziel auf 10m zu treffen. So groß ist die Zehn nämlich.
Dann sollte man ja auch die Schießbuden auf dem Rummel verbieten!!!!
Dartclubs verbieten, denn geworfen wurde schon vor der Erfindung der Schußwaffe.