Schwerte entzaubert Unna
15.11.2009 | 11:46 Uhr 2009-11-15T11:46:00+0100Schwerte. Mit einer klasse Leistung haben die Damen der HSG Schwerte/Westhofen im Spitzenspiel der Landesliga den TV Unna entzaubert.
Gewinnen wollten sie. Unbedingt. Auf keinen Fall eine solche Schmach erleben wie in Netphen. Aber von einem derartigen Triumph im zweiten Spitzenspiel der noch jungen Saison in der Handball-Landesliga hatten die Schwerter Damen nicht einmal zu träumen gewagt. 24:13 (9:6) gegen den direkten Tabellennachbarn aus Unna – das klingt wie ein Klassenunterschied und stempelt die HSG automatisch zum ersten Verfolger von Spitzenreiter Drolshagen, dessen Coach Kharaman mit einigen Spielerinnen aufmerksamer Beobachter auf der Tribüne war.
Leider nur
70 Zuschauer
26 Minuten lang erlebten leider nur 70 Zuschauer ein Duell auf Augenhöhe, in dem wie erwartet die Abwehrreihen dominieren. Zwar legten die Gastgeberinnen gleich furios los (2:0, 3.), zogen nach 17 Minuten durch die dominante Spielmacherin Marina Pandur auf 6:3 davon, doch die Probleme auf den Halbpositionen waren unverkennbar. Auch die Versuche, die pfeilschnelle Anna Köhler steil zu schicken, schlugen fehl oder endeten mit einem Pfostenwurf. Zehn Minuten lang gelang der HSG kein Treffer mehr, bekam Unna kurzzeitig Oberwasser und glich zum 6:6 (27.) aus.
HSG: Riedel; Pandur (9/4), Köhler (5), Nickolay (3), Becker (2), Pohl (2/1), Matzat (1), Muttschall (1), Oswald (1), Peters, Liskatin, Brinkmann, Lindner.
Spielfilm: 2:0 (3.), 4:2 (12.), 6:3 (17.), 6:6 (27.), 9:6 (30.), 14:6 (38.), 16:11 (46.), 19:11 (53.), 23:12 (59.).
Das nächste Spiel: HSG Menden/Lendringsen - HSG (28.11., 15.30 Uhr).
HSG-Trainer Henning Becker (Foto): Ich bin wirklich stolz auf die Mädels, die sich überhaupt nicht haben aus der Ruhe bringen lassen, als es zu Beginn im Angriff nicht so lief. Die aggressive Abwehr war der Schlüssel zum Sieg, später haben wir auch besser kombiniert.
TVU-Trainer Mario Brößel: Am Ergebnis gibt es nichts zu deuteln, es ist sogar in dieser Höhe verdient. Schwerte hat uns mit seiner leidenschaftlichen Abwehrarbeit den Schneid abgekauft, uns ist im Angriff zu wenig eingefallen. Wir haben es nie geschafft, in Kontersituationen zu kommen.
Prompt nahm der stets positiv anspornende Trainer Henning Becker eine Auszeit, redete mit ganz ruhiger, ja sogar gedämpfter Stimme auf seine angespannten Schützlinge ein. Die Wirkung hätte nicht eindrucksvoller sein können. Noch bis zum Seitenwechsel legten Pandur und die endlich treffende Köhler (2) einen Dreierpack hin, und auch im zweiten Abschnitt dominierten die Schwerterinnen in verblüffender Weise. Die neu eingewechselten Sandra Becker und Melissa Muttschall steuerten gleich Treffer bei, hinzu kamen Siebenmetertore der ansonsten pausierenden Pandur, die nach nur 36 Minuten auf 14:6 erhöhte.
Bewegliche Abwehr
war das Glanzstück
Glanzstück des nun alleinigen Tabellenzweiten war aber nicht der Angriff, sondern eine bewegliche und aggressive 6:0-Abwehr, hinter der Torfrau Mareike Riedel mit glänzenden Paraden brillierte und eigentlich nur von Lude (6/2) einige Male überlistet werden konnte. Jetzt griff auch Unnas Coach Mario Brößel zum Aufputschmittel Auszeit, schaffte es tatsächlich, den HSG-Spielfluss ein wenig zu bremsen, doch dass die HSG in den folgenden 14 Minuten nur noch zwei Treffer erzielen konnte, in kurzer Folge zwei Zeitstrafen aufgebrummt bekam und Pandur einen Siebenmeter weit über den Kasten setzte, spielte keine wesentliche Rolle, weil die Deckung weiterhin Beton anrührte und den Gast noch näher als auf 16:11 herankommen ließ.
Schlussphase
als Triumphzug
Die Schlussphase wurde zum reinen Triumphzug der Ruhrstädterinnen, die nun auch spielerische Akzente setzten und den resignierenden TVU regelrecht abschoss und sich in der Liga einordnete.
13:17
Schön, dass es wenigstens noch eine Schwerter Handballmannschaft gibt, die versteht, dass ein Handballspiel in der Deckung gewonnen wird und es nicht darauf ankommt, wieviele Tore man werfen kann. Schade nur, dass sich dies noch nicht im restlichen Verein herumgesprochen hat. Solange regelmäßig mehr als 30 Tore kassiert werden, wird die erste Herrenmannschaft wohl große Schwierigkeiten kriegen, die Liga zu halten.