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Mit Schwerter Flagge

20.10.2010 | 18:10 Uhr
Mit Schwerter Flagge
Das Schwerter Team mit Andreas Goetsch, Michael Werth, Marius Kreutzer, Atilla Sezen, Sonja Fabri, Marina Nass, Maximiliane Flacke, Anil Sezen, Joana Piron und Vanessa Kik feiert das Ende der Wettkämpfe.

Schwerte.Anil Sezen sammelt Titel wie andere Briefmarken. Der Rettungsschwimmer der DLRG Schwerte zählt mit erst 18 Jahren zu den Besten seiner Zunft. Bei den Weltmeisterschaften im ägyptischen Alexandria erklomm der Schüler des Schwerter Friedrich-Bährens-Gymnasiums jetzt den Gipfel seiner bisherigen sportlichen Laufbahn. Sezen kehrte am Dienstag als Weltmeister in die Ruhrstadt zurück.

„Es ist irgendwie ungewohnt, wenn ich sage, ich bin Weltmeister“, fühlt sich der 18-Jährige bisweilen wie in einem Traum, der jederzeit platzen könnte. Denn gerechnet hat er mit diesem Triumph nicht, gleichwohl ist er die logische Fortsetzung seiner Erfolgsserie bei den Europameisterschaften der Junioren am ersten September-Wochenende im belgischen Antwerpen. Dort holt er gleich vier Titel, drei mit der Nationalmannschaft, einen im Einzel mit neuem Junioren-Europarekord (55,30 Sekunden) über seine Paradedisziplin Lifesaver (50 Meter Flossen mit Gurtretter, den Gurt um die Puppe legen und die Puppe 50 Meter zurückziehen).

„Klar macht man sich Hoffnungen bei einer WM, ich habe aber nicht damit gerechnet, dass ich aufs Podest komme“, berichtet Sezen. Er schwamm zwar mit 56,6 Sekunden im Vorlauf die zweitschnellste Zeit: „Aber ich fühlte mich schon etwas schlapp vor dem Finale. Auch weil ich in den anderen Disziplinen nicht so überragend war und keine Bestzeiten ausstellen konnte.“ Offenbar machte sich nun doch die vierzehntägige Auszeit wegen eines grippalen Infektes in der Vorbereitung bemerkbar.

„Im Finale wollte ich irgendwie nur noch durchkommen“, litten die Aktiven natürlich auch unter der nordafrikanischen Sonne, die das Wasser im Freibad enorm erhitzte. Nach 50 Metern schlug der Schwerter als Vierter an, was er allerdings nicht wahrnahm. „Ich habe nur gesehen, dass rechts und links neben mir die Schwimmer eine halbe Länge vorne lagen, da wusste ich, jetzt kommt es aufs einklicken an, also den Gurt um die Puppe legen.“

Dabei machte Sezen tatsächlich den Vorsprung seiner Konkurrenten wett, war als Erster von der Wand weg. „Ich dachte mir, jetzt muss du alles geben“, zog der 18-Jährige auf den ersten Metern der Rückbahn davon. Aber der Vorsprung wurde auf den letzten zehn Metern immer kürzer. „Ich bin total eingebrochen.“ Der Schwerter schlug in 55,9 Sekunden an und wusste in diesem Moment nicht, ob es Gold war. Der Blick auf die Zeittafel ließ ihn zunächst ungläubig staunen, ehe er dann seine ganze Freude laut herausschrie.

„Ich konnte es überhaupt nicht fassen, dass ich an der Spitze stehe soll“, beschreibt Sezen seine Gefühle: „Ich war der jüngste im Lauf und plötzlich kamen die ganz Großen, wie Christian Ertel, der zur deutschen Spitze zählt. Sie gaben mir alle die Hand und gratulierten zum Sieg.“ Der Gymnasiast, der mit diesem Titel Vereinsgeschichte für die DLRG Schwerte schrieb, wurde auf der anschließenden Siegerehrung am lautesten gefeiert, „weil alle deutschen Vereine mitgejubelt haben“. Mit der Schwerter Flagge stieg Anil Sezen aufs Podest und genoss die Ovationen. Die gab es auch am Dienstagabend, als der Weltmeister am Bootshaus mit einer Sektdusche empfangen wurde. „Und das bei dieser Kälte“, schmunzelte der DLRG-Athlet.

In den nächsten Wochen bereitet sich der Schwerter auf den in vier Wochen stattfindenden Deutschlandpokal vor, kann sich dabei sogar Hoffnungen machen, für die Nationalmannschaft an den Start zu gehen. In Ägypten war er wegen seiner Schwächen in den Outdoor-Disziplinen nicht nominiert.

Helmut Muschiol

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