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Ein Schwerter im Nationalteam

22.02.2012 | 16:41 Uhr
Ein Schwerter im Nationalteam
Erst 14 Jahre, aber schon im Nationalteam: Yannik Meyer.

Schwerte.  „Ich will Europameister werden.“ Yannik Meyer, gerade einmal 14 Jahre jung, formuliert mit Nachdruck und selbstbewusst sein großes Ziel. Und ohne einen Hauch von Arroganz. Seit gut einem Monat gehört der Schwerter Kampfsportler der Taekwondo-Nationalmannschaft an.

Doch der Reihe nach. Schon mit vier Jahren entdeckte der Realschüler seine Leidenschaft für den Kampfsport, zweifellos beeinflusst durch seine Eltern. „Wir wollten, dass er kein Opferkind wird, sondern sich wehren kann“, sagt Inge Meyer. Yannik grinst bei diesen Worten und bestätigt: „Mein Eltern haben das damals entschieden. Ich sollte Selbstverteidigung lernen.“

Widerwillig tat er es allerdings nicht, fand schnell Freude an dieser Sportart und trainiert fort an unter Klaus Kröger im Schwerter Bushido-Kampfkunstzentrum. Zunächst konzentrierte sich Yannik auf Tang Soo Do, eine koreanische Kampfkunst (Form der Selbstverteidigung, mit Fauststößen, Tritten, Hebeln und Würfen), die durch den amerikanischen Action-Schauspieler Chuck Norris bekannt wurde. Erst mit sieben Jahren wechselte Yannik Meyer zum Taekwondo und nach Dortmund zu Bundestrainer Kim-Lan Ung.

Dafür opfert der 1,87 große Teenager viel Freizeit. „Mindestens 25 bis 30 Stunden trainiere ich in der Woche“, erzählt der Realschüler: „Da bleibt nicht viel Zeit für andere Hobbys.“ Meistens fährt er um 15 Uhr nach Dortmund, kehrt oft erst gegen 21.30 Uhr wieder heim. Seine Eltern haben ihm in der Garage ein kleines Trainingsstudio eingerichtet. Hier hält er sich zusätzlich fit, trainiert Kickboxen. Obendrein läuft er regelmäßig in den Ruhrauen. Kommt da nicht die Schule zu kurz? „Nein“, versichert Yannik, „ich bin ein ganz guter Schüler. Außerdem fördert Taekwondo die Konzentration.“

Trotz des enormen Trainingsaufwands betreibt Yannik Meyer mit ungebrochenem Ehrgeiz seinen Sport. „Es macht mir einfach immer noch Spaß, auch wenn es viel Durchhaltevermögen erfordert.“ Nur einmal, vor drei, vier Jahren habe er eine Phase gehabt, wo er ans Aufhören dachte. „Das war irgendwann im Sommer, als meine Freunde immer zum Schwimmen gingen.“ Ernsthaft verfolgt wurde dieser Gedanke nicht.

Und mittlerweile erntet er die ersten Lorbeeren. Im vergangenen Jahr wurde der Schwerter Deutscher Vizemeister und Stadtmeister in Castrop-Rauxel. Außerdem gewann er diverse Ranglistenturniere. Lohn dafür war die Einladung am 21. Januar nach Lünen zum Auswahltraining für die Europameisterschaften – wo schließlich die endgültige Nominierung für den Nationalkader folgte. Überrascht sei er nicht gewesen. „Ich habe gezielt darauf hin trainiert“, offenbart der Realschüler wieder sein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Das benötigt er allerdings auch, wenn er im April in Slowenien seinen nächsten Traum, den Europameistertitel, realisieren will. „Das wird schwer, die Konkurrenz ist stark und altersmäßig überlegen“, weiß Yannik Meyer, der in der Juniorenklasse (14 bis 17 Jahre) antritt: „Ein 17-Jähriger hat zwangsläufig oft mehr Kraft als ein 14-Jähriger.“ Dafür kann der Schwerter seine unübersehbaren Längenvorteile in die Waagschale werfen.

Aus seinem Sport will der Realschüler später eine Berufung machen, möchte zur Polizei oder Bundeswehr, vielleicht auch im Personenschutz arbeiten. „Ich brauche Action“, meint Yannik Meyer mit einem sympathischen Lächeln, hinter dem man eher einen Feingeist als Kampfsportler vermutet.

Helmut Muschiol

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