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Sportler des Jahres

„Bei Borussia, das war nichts für mich“

11.01.2011 | 15:54 Uhr
„Bei Borussia, das war nichts für mich“
Die Sportler des Jahres im WR-Interview mit Florian Riesewieck (2.v.re.) und Thomas Schulzke (re.): HSG-Trainer Henning Becker, Badmintonspieler Torben Trapp und die HSG-Spielerinnen Agnetha Peters und Anna Köhler (v.li.). Fotos: Schwerte/press

Schwerte.Torben Trapp kommt als Erster. Wie sich das für einen Deutschen Meister gehört. Wenig später stoßen die Handballerinnen Anna Köhler und Agnetha Peters gemeinsam mit ihrem Trainer Henning Becker von der HSG Schwerte/Westhofen hinzu. Alle kommen frisch geduscht vom Training. Sie sind die Sportler des Jahres 2010 – und sprechen mit der WR über Teamgeist und Einzelkämpfer, sportlichen Erfolg und wichtigere Dinge.

Torben, du hast früher für Borussia Dortmund im Fußballtor gestanden. Jetzt bist du Deutscher Meister im Badminton. Was kommt als nächstes?

Torben Trapp: Ich glaube, ich bleibe erst mal beim Badminton.

Gibt es auch Sportarten, die du nie ausüben würdest?

Sportler des Jahres: Torben Trapp.

Trapp: Ja, Turnen. Das kann ich überhaupt nicht. Und Hochsprung, habe ich heute in der Schule festgestellt, kann ich auch nicht. Und Aerobic...

Anna, Badminton oder Fußball – wäre das was für dich?

Anna Köhler: Nee, das mache ich gerne mal, aber ich kann das nicht wirklich gut.

Agnetha, du spielst neben Handball noch Tennis. Was gefällt dir besser?

Agnetha Peters: Schon der Mannschaftssport. Da hat man auch jemanden, mit dem man sich freuen kann.

Wofür entscheidest du dich, wenn Tennis- und Handballspiel zeitgleich liegen?

Peters: (lacht) Natürlich für Handball. Auch wenn das beim Tennis einige nicht gerne hören. Aber ich spiele Handball halt schon viel länger. Die Mannschaft kann man nicht einfach so hängen lassen.

Becker: Wir haben auch noch viele, die Sport studieren wollen und gerade Leichtathletik machen. Oder welche, die schwimmen. Ein reiner Vorteil! Die Mädels sind topfit, sind geschult – auch, was etwa Beweglichkeit angeht.

Die Ergebnisse sprechen für sich. Der Westfalenmeistertitel mit der A-Jugend – war das die logische Konsequenz der Arbeit oder doch eine Überraschung?

Becker: In der Vorbereitung haben wir ein Turnier in Warstein gewonnen. Dann haben die Mädels die Qualifikation für die Oberliga gewonnen, ein Beachhandballturnier in Bergkamen und den Kreisjugendtag. Da zeichnete sich ab, dass es eine erfolgreiche Saison wird. Dass sie so erfolgreich wird, dass wir nicht nur Westfalenmeister, sondern auch inoffizieller Westdeutscher Meister werden, ist eine herausragende Geschichte.

Welche Ziele hatte sich die Mannschaft gesetzt?

Spielerin der Mannschaft des Jahres: Agnetha Peters.

Peters: Wir waren ganz neu zusammengewürfelt. Also erst mal, ein Team zu werden.

Wie werden 14 junge Frauen zu einem Team?

Peters: Es gibt auch außerhalb vom Sport Veranstaltungen oder sonstige Treffen.

Köhler: Gerade ganz am Anfang, als man noch keinen kannte, haben wir viele Mannschaftsabende verbracht.

Was macht man da?

Köhler: Essen... (lacht)

Peters: Der Teamgeist war auf jeden Fall ein Punkt, der uns nach oben gebracht hat.

Zwölf spielen jetzt bei den Damen. War es eine Bedingung für Ihr Engagement als Damen-Trainer, dass diese jungen Talente bleiben?

Becker: Ja, natürlich. Egal in welcher Sportart: Die jungen Leute drücken auf die Tube – ob es beim Handball, Badminton oder sonstwo ist.

Torben ist eher Einzelsportler. Hast du auch ein Team?

Trapp: Ja, wir sind schon ein Team. Wenn wir auf die Westdeutsche Meisterschaft fahren, coachen wir uns gegenseitig. Wenn wir mit dem Bus zur Deutschen Meisterschaft fahren, dann als Team NRW. Auch da ist ein starker Zusammenhalt, das hilft.

Auf dem Platz stehst du aber meist alleine. Liegt dir das mehr als mit dem Team?

Trapp: Das kommt auf die Mannschaft an. Ich hatte das Pech, dass es bei Borussia keinen Zusammenhalt gab. Jeder wollte glänzen, und da war ihm egal, wie die anderen aussahen. Das war nichts für mich.

Eine sehr erwachsene Sicht. Denkst du aber manchmal, vielleicht hättest du Profi werden können?

Trapp: Erstens kann ich vielleicht auch im Badminton Profi werden, je nachdem, wie es da weiterläuft. Und zweitens hat es in der Mannschaft einfach keinen Spaß gemacht. Wenn du da 14 Tage durchtrainierst mit Leuten, die du nicht ausstehen kannst...

Wo hattest du deine Anfänge auf dem Fußballplatz?

Trapp: Ich habe erst für Geisecke gespielt, da aber kaum im Tor. Dann ist ein Mitspieler zu Borussia gewechselt. Und dann hat sein Vater mich irgendwann angerufen: ‘Ey, wir brauchen einen Torwart. Willst du nicht mal zu uns zum Probetraining kommen?’ Ich dachte: Kann man ja mal machen. Und dann wollten die mich direkt haben.

Anna, du hättest vor der Saison auch zu Borussia wechseln können. Wie haben die dich angesprochen?

Sportlerin des Jahres: Anna Köhler.

Köhler: Gegen Bergkamen war ein Co-Trainer da. Der wusste wohl, wer meine Eltern sind und hat sich mit denen unterhalten. Ich bin nach dem Spiel hin, habe ihn aber eher ignoriert, weil ich so euphorisch war, dass wir Unentschieden gespielt hatten.

Du hättest für die 2. Mannschaft spielen, aber zum erweiterten Kader der 1. Mannschaft gehören sollen. Die spielte damals noch in der 1. Bundesliga. Was ist dir durch den Kopf gegangen?

Köhler: Ich dachte erst, die haben sich verlaufen. Ich habe mir da schon Gedanken drüber gemacht. Aber Sport ist nur schön, wenn man sich wohl fühlt und man glücklich ist mit den Leuten. Die Leute sind hier nun mal richtig toll. Und ich weiß nicht, ob man dann nicht das Sportliche ein bisschen hinten anstellt.

Die Sportler bekommen ihre Preise. Es gibt Urkunden, Bücher. Multitalent Torben Trapp bekommt ein Sportbuch in Kunstrasenoptik.

Torben, wie bist du vom Fußball zum Badminton gekommen?

Trapp: Als ich mit Fußball aufgehört habe, wusste ich: Ich muss irgendwas anderes machen, sonst langweile ich mich. Meine Mutter meinte dann: Du hast doch so viel Spaß am Badminton. Ich habe dann erst mal bei den Kleineren mittrainiert. Als mich der Trainer da gesehen hat, meinte er: Du kommst mal mit zu den Großen.

Und wie wird man in zwei Jahren Deutscher Meister?

Trapp: Wir haben sehr gutes Training beim BC Hohenlimburg, bei einem ehemaligen Bundesligaspieler. Dann bin ich in den NRW-Kader gekommen, da wurde ich gut gefördert. Dass ich Deutscher Meister werde, hätte ich vor diesem Jahr aber nie gedacht.

Wie hast du die Tage erlebt?

Trapp: In der Deutschen Rangliste waren wir im Doppel Dritter geworden. Wir dachten: Ein Finale bei der Deutschen – das wäre toll. Als wir da dann standen, haben wir uns keine Chancen ausgerechnet. Die anderen waren klar besser. Wir haben im ersten Satz richtig Haue gekriegt. Den zweiten Satz haben wir gewonnen. Im dritten lagen wir aber wieder krass hinten. 5:13. Dann stand es auf einmal 13 beide. Und wir haben keinen Fehler mehr gemacht.

Wie oft trainierst du dafür?

Trapp: Ich bin viermal die Woche in der Halle und, wenn es geht, noch zweimal im Fitnessstudio.

Wie oft trainiert die HSG?

Peters: Wir trainieren aktuell dreimal die Woche.

Der Lohn war die Westfalenmeisterschaft. Wie wurde die gefeiert?

Trainer der Mannschaft des Jahres: Henning Becker.

Becker: Sehr ausgelassen. Punkt. (lacht)

Wird man als Trainer dann irgendwann am Abend rausgeschmissen?

Becker: Da ich zweifacher Familienvater bin, klinke ich mich selbst vorzeitig aus.

Wie würdet ihr euren Trainer beurteilen?

Köhler: Wenn mal was ist, ist Henning der Erste, der einem zur Seite steht und hilft.

Und fachlich?

Köhler: Wir lernen viele technische Sachen. Wir verstehen, was er fordert. Das ist wie bei deinem Trainer (dreht sich Torben Trapp zu): Man merkt, dass da was hintersteckt.

Anna Köhler ist jetzt zur Sportlerin des Jahres gewählt worden. Gibt’s da nicht mal Zickereien innerhalb des Teams?

Becker: Das habe ich auch befürchtet. Aber nein.

Peters: Alle aus der Mannschaft gönnen das Anna auch.

...und haben fleißig für sie abgestimmt?

Peters: Ja, auf jeden Fall.

DIE WAHL
844 Stimmen

Bis einschließlich 4. Januar konnten Sie im auf www.derwesten.de über Ihre Sportler des Jahres abstimmen. Insgesamt wurden 844 Stimmen abgegeben.

Sportlerin des Jahres: 1. Anna Köhler (50,0%), 2. Marit Blömer (35,5%), 3. Neele Holzhausen (7,3%), 4. Inga Heinz-Fischer (2,0%), 5. Kirsten Sieber (1,3%).

Sportler des Jahres: 1. Torben Trapp (31,0%), 2. Anil Sezen (26,4%), 3. Oliver Manz (25,3%), 4. Robin Seib (11,5%), 5. Tobias Haschke (5,8%).

Mannschaft des Jahres: 1. HSG Schwerte/Westhofen weibliche Handball-A-Jugend (50,1%), 2. VfB Westhofen Fußball-Herren (45,9%), 3. TuS Holzen-Sommerberg Tischtennis-Herren (2,5%), 4. Behindertensportgemeinschaft Schwerte Sitzball-Herren (1,0%), 5. TuS Holzen-Sommerberg Tischtennis-Damen (0,6%).

Hat der Sportler des Jahres auch bei den Sportlerinnen abgestimmt?

Trapp: Nein.

Und die anderen...?

Peters: Nein. Ich muss aber gestehen, ich kannte Torben vorher auch noch nicht.

Becker: Ich auch nicht. Deshalb muss ich gestehen, ich habe für einen anderen Sportler gestimmt: Oliver Manz.

Abseits von Schwerte: Wer waren die Sportler 2010?

Becker: Sebastian Vettels Sieg in der Formel 1 fand ich sehr stark. Nach Michael Schumacher habe ich nicht mehr so stark geguckt. Aber jetzt habe ich die letzten zwei Rennen wieder live gesehen.

Trapp: Für mich auch Vettel. Das hat den Motorsport nach vorne gebracht.

Peters: Aber auch die Fußball-WM mit der Überraschung Thomas Müller.

Blicken wir zum Abschluss auf 2011: Was spricht gegen die Schlagzeile „HSG steigt in die Verbandsliga auf“?

Becker: Darüber haben wir vorhin beim Training noch gesprochen. Da liegt noch ein weiter Weg vor uns. Das ist die jüngste Mannschaft in der Landesliga. Mehr als 80 Prozent sind gerade 19, maximal 20. Die spielen gegen gestandene Spielerinnen, die schon Oberliga oder Verbandsliga gespielt haben.

Und Torben Trapp wird wieder Deutscher Meister?

Trapp: Das wird ganz bestimmt nichts. Ich bin jetzt 15 und spiele U17. Aber nächstes Jahr – das wäre cool.

Florian Riesewieck, Thomas Schulzke

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