Viel Charme und eine gute Show

Dynamo Berlin und Serienmeister? Zehnmal Fußballmeister der DDR in Folge? Kleine Fische. Was den Kickern aus dem Osten der Hauptstadt zu Zeiten der Teilung – zudem noch offenbar mit der Hilfe des Staates – gelungen ist, lässt andere nur müde lächeln. Die Wasserfreunde Spandau 04 beispielsweise – in den vergangenen 36 Jahren wurden die Berliner 33 Mal Deutscher Wasserball-Meister. Die längste Serie davon sind die 14 Titel in Folge von 1979 bis 1992. Doch selbst dieses Husarenstück droht nun zu kippen. Seit dem Titelgewinn von Blau-Weiß Iserlohn 2001 heißt der Deutsche Meister in der Kegel-Bundesliga der Disziplin Schere ununterbrochen Kegelfreunde Oberthal. Gewinnt der Abo-Meister in dieser Saison erneut, wäre es der 15. Titel in Folge.

Insofern passt der Vergleich zum Wasserball ganz gut. „Man will dabei sein, wenn diese Ära endet“, sagt Marcel Schneimann, Deutscher Meister im Einzel. „Und nicht, weil die aufgehört haben, sondern weil wir sie besiegt haben“, ergänzt André Laukmann, Weltmeister im Einzel und der wohl beste Kegler in der Bundesliga. Beide starten für die KSG Montan Holten-Duisburg – ein Verein, der, seit er in der Sportschule Wedau beheimatet ist – sich immer näher an Oberthal heranpirscht. Am Samstag steht der Play-off-Heimkampf der Duisburger an. Los geht es auf der Kegelbahn der Sportschule Wedau um 12 Uhr bei freiem Eintritt, schon am Sonntag, 10 Uhr, steht Spieltag drei in Heiligenhaus an. Im Gegensatz zu normalen Bundesliga-Begegnungen stehen sich hier gleich die vier besten Teams Deutschlands in einem Turnier gegenüber.

„Wenn man ehrlich ist, sind wir noch nicht so weit, Oberthal schon in diesem Jahr stoppen zu können“, sagt Knut Martini, Kegelurgestein und einziger Nicht-Weltmeister im Team. Das zeigt auch der erste Play-off-Spieltag in Riol. Dort wurde Oberthal vor den Gastgebern Erster; Platz drei ging an Holten/Duisburg. Das ist insofern bemerkenswert, da das Heimrecht im Kegelsport eine besondere Rolle spielt. „Jede Bahn ist anders. Es kommt darauf, wie sie ansteigt, wie sie gekehlt ist, ob sie seitlich abfällt“, erklärt Martini. „Man kann das beinahe schon mit dem Putten beim Golf vergleichen.“

Oberthal hat nun schon zweimal die volle Punktzahl für die Play-off-Wertung bekommen – die vier Bonuspunkt für den Hauptrundensieg und noch einmal vier für den ersten Play-off-Sieg. „Das wird kaum zu schlagen sein“, so Martini. Dass die KSG Montan dennoch dem Seriensieger auf die „Pelle“ rücken, hat viel mit Leidenschaft zu tun. „Als Kegler musst du schon ein bisschen verrückt sein“, sagt Laukmann. Um diese bemerkenswerte Präzision zu erreichen, ist viel Training nötig. Was ein Weltmeister in der Freizeit macht? „Ich gehe oft bowlen“, sagt er. Bowling ist wie Scherekegeln eine der vier Disziplinen im Kegel- und Bowlingsport. Was Oberthal so stark macht? Martini: „Im Saarland sind die eine große Nummer.“ So ist selbst die Ministerpräsidentin oft vor Ort. Es gibt Fördermittel. Und die Lokalprominenz von Oberthals Holger Mayer reicht aus, um das Saarland bei Stefan Raabs „Bundesvision Songcontest“ vorzustellen.

Dem wollen die Montan-Kegler Charme entgegensetzen und eine gute Show. Beim Wettkampf, der von 12 bis etwa 18.30 Uhr dauert, gibt es gegen 15 Uhr einen Auftritt von Comedian Markus Krebs.