Verwirrspiel um den Knipser
20.06.2007 | 09:00 Uhr 2007-06-20T09:00:51+0200Bezirksliga-Kicker Oliver Nözel will zum Oberligisten SW Essen wechseln. Die Turnerbund-Verantwortlichen werfen ihm Unterschriften-Fälschung vor. Der Knackpunkt: ein nicht mehr gültiger Auflösungsvertrag
Er ist der Mann mit der eingebauten Torgarantie. Der Strafraum längst seine zweite Heimat, der Fußball seine große Leidenschaft. Oliver Nözel hat mit seinen 34 Treffern den Bezirksligist Turnerbund Oberhausen fast im Alleingang vor dem Abstieg bewahrt. Tore, die ihm vorerst nicht mehr weiterhelfen. Es gibt Streit mit den TBO-Verantwortlichen um seinen Wechsel zum Oberligisten Schwarz-Weiß Essen.
Bisher ist der Fall Nözel ein undurchsichtiges Verwirrspiel in mehreren Akten. Die Schlüsselszene, um im Theaterjargon zu bleiben, war die auf Bitten des gebürtigen Dresdners erstellte Auflösung des 2004 verfassten Amateur-Vertrags, der ursprünglich für vier Jahre gelten sollte. Der damalige Abteilungsleiter Joachim Anna bewilligte. "Ich hatte damals noch keine Grund zu wechseln, wollte aber für klassenhöhere Vereine frei sein", berichtet Nözel auf WAZ-Nachfrage. Das Personalkarussell des TBO drehte sich in den vergangenen beiden Jahren: Anna machte Platz für Volker Offermann. Die Auflösungsbescheinigung wurde damit ungültig.
Davon ahnte der Bezirksliga-Kicker jedoch nichts - und unterschrieb vor einigen Wochen in Essen. Fakt aber war: Oliver Nözel hatte keine Freigabe. "Üblich ist es, dass man bei einer Wechselabsicht den Vertrag löst und vom anderen Verein eine Ablöse erhält. Schließlich läuft sein Vertrag noch bis 2008", betont TBO-Geschäftsführer Dieter Wilms. Thorsten Möllmann, Berater und Entdecker Nözels, sieht das ganz anders: "Es ist doch traurig, wenn ein neuer Vorstand nicht zu den Beschlüssen seiner Vorgänger steht."
Nun sorgt zudem noch eine vermeintlich gefälschte Unterschrift für helle Aufregung. Aus dem sportlichen Hickhack würde schnell eine Straftat werden. Aber die Aussagen diesbezüglich driften weit auseinander. "Herr Anna war zu dem Zeitpunkt, zu dem er dieses Formular unterschrieben haben soll, gar nicht hier, sondern in München", erklärt Wilms. Der Betroffene selbst beteuert seine Unschuld: "Das einzige Schreiben, was ich in Essen eingereicht habe, war das von vor zwei Jahren."
Möllmann, der den damals vereinslosen Torjäger in einer Soccer-Halle entdeckte und zum Turnerbund lockte, versucht derzeit die Wogen zu glätten: "Beide Seiten haben sich nicht clever angestellt." Nun sei es aber an der Zeit, sich wie erwachsene Menschen an einen Tisch zu setzen, fordert Möllmann weiter. Dies geschieht zumindest im kleinen Kreis, wenn sich Nözel am Dienstag mit dem Hauptvereins-Vorsitzenden Werner Nakot treffen wird. Nötzel: "Dann weiß ich mehr."
Eins weiß der 26-jährige Knipser schon heute: "Ich spiele mein ganzes Leben lang nicht mehr für den TBO." Das Tischtuch ist also gänzlich zerrissen, ein Zurück undenkbar. Dass der Stürmer jedoch für den ETB auf Torejagd gehen wird, ist unwahrscheinlich geworden. "TBO fordert eine utopische Ablösesumme in Höhe von 5000 Euro. Manfred Rummel hat bereits signalisiert, kein Geld für Olli auszugeben, da das Budget für den Kader aufgebraucht ist", berichtet Mentor Möllmann, der dem TBO vorwirft, einem hoffnungsvollen Fußballtalent Steine in den Weg legen zu wollen. Es gibt wohl noch reichlich Klärungsbedarf, ehe der Fall Nözel zu den Akten gelegt werden kann.
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