U23 mit schwacher Rückrunde

Oberliga-Torschützenkönig Philipp Goris wechselt zum ambitionierten Liga-Konkurrenten 1. FC Bocholt.
Oberliga-Torschützenkönig Philipp Goris wechselt zum ambitionierten Liga-Konkurrenten 1. FC Bocholt.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Die Oberliga-Mannschaft von Peter Kunkel und Daniel Embers geriet dennoch nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr.

In einer Statistik lagen die Rot-Weißen in der abgelaufenen Saison ganz vorne. Philipp Goris sicherte sich mit seinen 24 Treffern souverän die Torjägerkrone der Oberliga Nordrhein. Der 20-Jährige hat damit fast die Hälfte aller Tore der U23 von RWO erzielt, die sich nach einer ordentlichen Hinrunde am Ende mit einem elften Platz zufrieden geben musste. Das am Grünen Tisch verlorene Spiel gegen Wuppertal kostete letztlich den angestrebten einstelligen Tabellenplatz.

Unter dem Strich konnte Trainer Peter Kunkel damit zufrieden sein, auch wenn er mit der Art und Weise nicht immer einverstanden war. Was den 59-Jährigen besonders wurmte, waren die regelmäßigen Punktverluste gegen die Kellerkinder der Liga. „Da haben wir uns oft selber geschlagen“, war der ehemalige Profi-Stürmer häufig der Verzweiflung nahe.

So kassierte seine Truppe gegen jeden der vier Absteiger jeweils eine Niederlage. Ein Grund für die fehlende Konstanz war sicherlich die mangelnde Erfahrung seiner Truppe. „Oft fehlten uns ein oder zwei Routiniers im Spiel, an denen sich die Jungen orientieren können“, meint Kunkel.

Auch der ständig veränderte Kader trug seinen Teil dazu bei, was aber für eine U23 normal ist. „Unsere Aufgabe ist es eben, die jungen Spieler weiter auszubilden und zu versuchen, sie an die erste Mannschaft heranzuführen“, weiß Kunkel. Dazu dient die Oberliga-Mannschaft auch, Akteuren aus dem Regionalliga-Kader Spielpraxis zu geben. Da ist es normal, dass immer wieder neue Strukturen auf dem Platz zu verteilen sind und sich Automatismen schwerer einstellen. Nicht immer ist es daher eine Verstärkung der Mannschaft, wenn ein Spieler von „oben“ zum Team stößt.

Das lässt Kunkel aber nur bedingt gelten. Gerade gegen die Teams aus der unteren Tabellenregion fehlte ihm zuweilen auch die richtige Einstellung. „Wenn wir gegen ein stärkeres Team verlieren, habe ich kein Problem damit. Wohl aber, wenn wir verlieren, nur weil der Gegner einfach mehr Einsatz und Willen gezeigt hat.“ Dass es zuweilen durchaus an der Einstellung lag, zeigten die Spiele gegen die Spitzenteams der Liga. Hier waren die Jungkleeblätter stets hellwach und boten fast durch die Bank gute Leistungen. „Das sind aber nicht die entscheidenden Spiele für uns“, weiß Kunkel.

Sorgen im Frühjahr

Nach der noch einigermaßen konstanten Hinrunde mit 28 Punkten und Platz sieben gerieten die Oberhausener dann im Frühjahr fast noch in Abstiegssorgen. Durch die lange Zeit nicht klare Anzahl an Absteigern musste Kunkel bis fast zum Schluss immer wieder warnend den Zeigefinger heben. Am Ende aber waren es trotz der wieder abgezogenen Punkte gegen den WSV acht Zähler, die die Oberhausener vor dem ersten Absteiger aus Sonsbeck trennten. Auch, weil die Spieler Charakter zeigten. Das gilt insbesondere für diejenigen, bei denen früh klar, dass sie in der kommenden Saison die Schuhe für einen anderen Klub schnüren. „Die Jungs haben bis zum Schluss alles gegeben und sich reingehängt, das war sehr in Ordnung“, freute sich der Coach.

Kunkel wäre jedoch nicht Kunkel, wenn er nicht schon früh den Blick auf die neue Saison gerichtet hätte. „Da erwartet uns eine mit Sicherheit noch schwierigere Saison“, ist er überzeugt. Denn die Qualität der Liga wird sich seiner Meinung nach vergrößern. Zwar hat sich Meister Velbert in die Regionalliga verabschiedet, doch dafür kommt mit dem KFC Uerdingen eine neue Spitzenmannschaft herunter. Gemeinsam mit dem Wuppertaler SV und dem 1. FC Bocholt haben dann mindestens drei Teams den Anspruch, aufsteigen zu wollen. Dazu sind mit dem TV Kalkum-Wittlaer, 1. FC Mönchengladbach, Spvg. Schonnebeck und Düsseldorf-West Teams aufgestiegen, die sich allesamt nicht als Kanonenfutter sehen.

Kunkels Wunsch war daher, zumindest eine Achse an erfahrenen Spielern aufzubieten. Doch darauf wird er erneut verzichten müssen. Neu ins Team rücken bislang ausnahmslos junge Spieler, während erfahrene Spieler wie Tobias Hötte, Kevin Krystofiak oder Georgios Efthimiou nicht mehr zur Verfügung stehen. Marcel Landers, Mirac Bayram und Keeper Nuri Can sind die einzig verbliebenen Routiniers.

Hinzu kommt, dass die U23 auf die Tore von Goris verzichten muss. Der wechselt bekanntlich zum 1. FC Bocholt, der sich in der kommenden Saison den Aufstieg zum Ziel gesetzt hat. Den Abgang eines Torjägers haben die Rot-Weißen in den vergangenen Jahren allerdings schon mehrfach bestens kompensiert. Bleibt die Frage, wer in die Fußstapfen von Marvin Ellmann, Fatih Candan, Gökan Lekesiz und eben Goris tritt.