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Irontrail

Schlimmeres verhindert

18.07.2012 | 15:35 Uhr

Extremsportler Hardy Lech schildert seine Erlebnisse aus der Schweiz.

Mit großen Erwartungen war Hardy Lech in die Schweiz aufgebrochen. Der Oberhausener hatte sich, wie berichtet, für die Erstaustragung des „Swiss Irontrail“ angemeldet, einem Extremlauf über 201 Kilometer durch die Alpen. Doch aus dem auf 56 Stunden angesetzten Lauf wurde nichts, wetterbedingt wurde zunächst der Start verschoben und als es dann doch losging, brachen die Veranstalter nach zehn Stunden ab. Hardy Lech hatte sich ein halbes Jahr auf diesen Lauf fokussiert und war entsprechend frustriert, ist sich aber bewusst, dass der Stopp eine Katastrophe verhindert hat. Der Buschhausener hat für uns die Geschehnisse aufgeschrieben.

„Als am Freitagmorgen um 7.30 Uhr alle Läufer zum verpflichtenden „Briefing“ erschienen waren (die Teilnehmerzahl war in den letzten Tagen von 450 auf knapp unter 300 geschrumpft), wurden pathetisch drei Nationalhymnen abgespielt. Die schweizerische, italienische und deutsche, da aus diesen Ländern die größten Teilnehmergruppen stammten. Nachdem das Läuferfeld, wie man es so kennt, eine positive nervöse Unruhe ausstrahlte und dem Startschuss entgegenfieberte, wurde stattdessen abrupt eine Durchsage zu einer dramatisch veränderten Wetterlage, heftigsten Gewittern vor allem im sensiblen Streckenbereich der Gletscherüberquerung, verkündet. Der Lauf sei nun gestoppt, falle möglicherweise komplett aus, eventuell eine Startverschiebung auf 21 Uhr. Das Organisationskomitee würde sich zur Beratung zurückziehen, die Läufer würden über SMS informiert.

SMS um 12 Uhr erhalten: Pastaparty von 12 bis 14 Uhr, kostenfrei, Start auf einer verkürzten Strecke über 154 km und ca. 8500 Höhenmetern. Nun denn, besser als gar nicht laufen, dachte ich.

Start dann um 16 Uhr – und zehn Stunden später schon das Ende des Laufes. Dazwischen: Eine fatale Fehlinformation zur Wetterentwicklung. Statt der angekündigten ‘nur kleineren Regenschauern’ und einer allgemeinen Wetteraufklärung kam es nach einigen Stunden im Bereich des heftigsten Anstieges auf den ‘PIZ Nair’ auf 3022 Meter zu starken Windböen und heftigen Regen-/Hagelschauern. Dem nicht genug stellte sich heraus, dass die Streckenmarkierung absolut laienhaft (in diesem Fall meines Erachtens sogar fahrlässig) war und bei den Wegemarkierungen – es war mittlerweile mitten in der Nacht – kaum ein Strecken-Fähnchen zu erkennen war. Der Höhepunkt war dann, dass Streckenabschnitte mit Fähnchen in den Schwarz-Rot-Farben des Hauptsponsors „Mammut“ gehalten waren, die in der Dunkelheit nicht einmal ein Adler hätte erkennen können. Das führte zu zahlreichen Verläufen vieler Läufer und damit zu kraftzehrenden Suchen des ‘Trails’ bei extrem fordernden Wetterbedingungen.

Ich selbst habe in dieser Phase zwei Läufer begleitet, die räumlich und psychisch desorientiert wirkten und nicht mehr hätten alleine laufen dürfen.

Ich will das Drama nicht in die Breite ziehen: Ich war auf solche Bedingungen innerlich vorbereitet, alpin erfahren und hatte passendes Equipment im Rucksack. Dies traf leider auf viel zu viele Läufer aber nicht zu. Zugspitzlauf lässt grüßen (Anm. der Redaktion: Dort hatte es vor vier Jahren bei einem ähnlichen Lauf Todesopfer gegeben).

Dass zudem ein Läufer mit Beinbruch und ein anderer stark unterkühlt jeweils mit dem Helikopter abtransportiert wurden, weist darauf hin, dass es wichtig war, den Lauf zu stoppen. Der Veranstalter hatte das ganze nicht mehr im Griff, die medizinischen Posten unterwegs hatten etwa teilweise gar keinen Funkverkehr und auch nicht ausreichendes medizinisches Notfallequipment bei sich.

Es folgte um zwei Uhr morgens eine aufwändige Aktion, die Läufer einzusammeln und zu unterschiedlichen Standorten zu bringen. Das klappte vom Ergebnis her, aber auch hier lagen zwischen Laufstopp und dem warmen Tee in einer Turnhalle zahlreiche organisatorische Pannen, Ungereimtheiten und Fahrlässigkeiten. Der Veranstalter wird mittlerweile scharf von Fachleuten aus der Trailrunningszene angegriffen ob seiner naiven Planung und dem mangelhaften Durchführungs- und Krisenmanagement. Wobei richtig ist, wenn er sagt, durch den Laufstopp Schlimmeres verhindert zu haben. Allerdings wird der Beitrag des Laufveranstalters an dieser Entwicklung verschwiegen.“

Ralf Bögeholz



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