Schiri-Nachwuchs fehlt

Ein richtiger Schiedsrichter wie hier Christoph Persch in der Kreisliga A-Partie Glück Auf Sterkrade - Buschhausen ist keine Selbstverständlichkeit mehr.
Ein richtiger Schiedsrichter wie hier Christoph Persch in der Kreisliga A-Partie Glück Auf Sterkrade - Buschhausen ist keine Selbstverständlichkeit mehr.
Foto: Ulla Emig
Was wir bereits wissen
Im Kreis werden händeringend Schiedsrichter gesucht. Am Wochenende fehlten erneut viele. Lehrgang beginnt im November.

Am vergangenen Wochenende mussten wieder einmal elf Fußball-Spiele in der Kreisliga C ohne Schiedsrichter auskommen. „Begünstigt“ durch einige frühe Rückzüge von Mannschaften und dem Brand an der Concordiastraße, wodurch dort kein Spielbetrieb möglich war, kann man von „nur“ elf Spielen sprechen. So, oder meist noch ein bisschen düsterer sieht der Alltag für Thomas Drothler (Jugend) und Bernhard Althoff (Senioren) aus, die für die Schiedsrichter-Ansetzungen im Kreis verantwortlich sind.

Zehn Mannschaften mehr als im Vorjahr wurden in dieser Spielzeit gemeldet und dafür sind einfach zu wenige Schiedsrichter da. Spiele von dritten oder vierten Mannschaften sind da nahezu unmöglich zu besetzen. „Es gibt ja auch einen Haufen von Wettbewerben“, weiß Althoff. Manch ein Schiedsrichter ist am Sonntag von morgens 11 Uhr bis abends 19 Uhr auf den Plätzen. Die Folge für alle Partien ohne angesetzten Unparteiischen: Ein Betreuer pfeift und Ärger ist oft vorprogrammiert. Vereine beschweren sich beim Schiedsrichter-Ausschuss und der Spruchkammer. Doch die können immer wieder nur darauf verweisen, wann der nächste Lehrgang für Jungschiedsrichter startet, denn ohne Schiedsrichter geht es eben nicht.

Oft noch selbst aktiv

Warum aber gibt es so wenige Freunde des Fußballs, die sich dazu bereit erklären, einen Schiedsrichter-Lehrgang zu besuchen, beziehungsweise aktuell die Spiele leiten. „Da gibt es viele Gründe“, weiß auch Althoff. Als jahrelanges Mitglied des Kreisschiedsrichter-Ausschusses ist er insbesondere für die Senioren der erste Ansprechpartner. „Jung-Schiedsrichter sind meist selbst noch aktiv und teilweise jeden Tag unterwegs“, weiß er. „Dazu kommen oft die Eltern und Zuschauer, die einem den Spaß verderben können.“ Muss man für solche Zurufe also ein spezieller Typ sein? Althoff meint klar: „Nein. Du musst kein bestimmter Typ sein, du musst aber unter Umständen ein bestimmter Typ werden. Wenn du dich dafür interessierst und Spaß hast, geht das schnell.“ So ist der Neulingskurs für Schiedsrichter auch eine Persönlichkeitsschulung: „Man lernt viel, auch über sich selbst.

Der neue Kurs startet übrigens Ende Oktober und geht über drei Wochenenden. Am 28./29. Oktober, 4./5. November sowie dem 11./12. November findet am Freitagabend (19-21.30 Uhr) und Samstag (10-14 Uhr) jeweils der Lehrgang im Kreisjugendheim an der Teutoburger Straße 168 statt. „Es kann nur so gehen“, weiß auch Andreas Zimmermann, Vorsitzender der Kreisspruchkammer, der nach jedem Spieltag einen Haufen Beschwerden bearbeiten und beantworten muss, dass nur durch zahlreiche Neueinsteiger das Problem zumindest einigermaßen in den Griff zu bekommen ist. Die Gründe, warum es so wenige Schiedsrichter gibt, sind wie beschrieben vielfältig. Im Seniorenbereich kommt noch hinzu, dass viele Schiedsrichter einfach auch schon jahrelang dabei sind und nach über 20 Jahren die Pfeife an den Nagel hängen.

Die Generation, die in die Fußstapfen der lokalen Urgesteine treten soll, ist aktuell noch zu dünn besiedelt. Vereine die ihre Sünder in Schutz nehmen, gibt es ebenfalls noch zu viele. Urteile der Spruchkammer können da nur reagieren. Die Prävention muss aus den Vereinen kommen, die die Spieler für die Situation des Schiedsrichters sensibilisieren soll.

Videobeweise erlaubt

Klappt das nicht, müssen natürlich entsprechende Strafen her. Dabei helfen können seit dieser Saison auch Videobeweise. Handyvideos vom Spielfeldrand gibt es zuhauf. Gerade wenn kein geschulter Schiedsrichter am Platz ist, können diese Videos bei der Beweisführung helfen. „Im besten Fall sehen wir uns nur einmal im Jahr“, lacht Zimmermann mit Blick auf die immer noch zu häufigen Verhandlungen der Spruchkammer. Der Ruf im Kreis 10, Oberhausen/Bottrop, ist bei weitem noch nicht so schlimm wie bei einigen der Nachbarkreise. Schaffen es die Vereine aber nicht, genügend Leute aus den „eigenen Reihen“ für das Thema zu sensibilisieren, wird sich die Situation nicht bessern. Um Spielern den Job des Schiedsrichters nahe zu bringen, ist der Neulingslehrgang Ende des Monats schon einmal der richtige Anfang.