RWO-Fan Jochen König trägt das Kleeblatt im Herzen

Die außerordentliche Mitgliederversammlung war für Jochen König (r.) eine echte Pflichtveranstaltung.
Die außerordentliche Mitgliederversammlung war für Jochen König (r.) eine echte Pflichtveranstaltung.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Jochen König ist seit dem 6. September 1969 Fan der Rot-Weißen. Er wuchs aber nicht in Lirich oder Sterkrade auf, sondern in Baden-Württemberg.

Oberhausen.. Es muss ein magischer Fernsehabend gewesen sein, der sich am 6. September 1969 im Elternhaus von Jochen König ereignete: Gebannt starrte der junge Mann nämlich auf den Bildschirm, in dem gerade in der Sportschau die Spieltagszusammenfassung der Bundesliga zu sehen war. Doch nicht Netzer, Beckenbauer oder Müller waren es, die sein Herz höher schlagen ließen. Nein, die unbekümmerte Spielweise des rot-weißen Aufsteigers aus Oberhausen beim 4:0-Auswärtssieg in Braunschweig war es, die ihn faszinierte. „An diesem Samstag wurde RWO Tabellenführer. Seit diesem Zeitpunkt bin ich Fan“, berichtet Jochen König, inzwischen 52 Jahre alt. Das Besondere dabei: König wuchs nicht etwa in Lirich, Osterfeld oder Sterkrade auf – sondern in Buchen-Bödigheim, einem 900 Seelen Dörfchen im nördlichen Baden-Württemberg.

Vorher kein großer Fußballfan

„Ich war vorher eigentlich gar kein so großer Fußballfan“, erzählt er am Rande der außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der er extra aus Eberbach angereist ist – sein heutiger Wohnort ist eine Kleinstadt im Drei-Länder-Eck Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. „Aber was ich dann da von RWO gesehen habe, hat mich begeistert. Die Mannschaft um Kobluhn und Co. war richtig klasse.“ Beim Bolzen auf der Straße oder der Wiese eiferte der junge Jochen König schließlich auch immer dem torgefährlichen Mittelfeldspieler Lothar Kobluhn nach. „Die anderen wollten Netzer oder Müller sein, ich aber eben Kobluhn oder später Krauthausen.“ Zudem deckte sich König mit RWO-Kaugummi-Bildern ein.

„Ich wurde eigentlich nie belächelt für meine Zuneigung zu Oberhausen“, erklärt er, kurz bevor in der Sponsorenkantine an der Lindner-straße die entscheidende Diskussion über die Ausgliederung der ersten Mannschaft startet. „Bei uns gab es viele Bayern- oder Gladbachfans. RWO wurde wohl nie als ernsthafte Gefahr gesehen.“ Die ersten Spiele der Kleeblätter, die er live im Stadion erlebte, waren für die Oberhausener Auswärtsspiele – „ich war in Karlsruhe oder in Offenbach dabei, das waren für mich keine so langen Fahrten“.

Es sollte jedoch bis in die 80er-Jahre dauern, ehe König zum ersten Mal das Stadion Niederrhein betrat. „Das war damals der 34. Spieltag, Burgsmüller und Kleff standen auf dem Feld und fuhren einen Sieg gegen den OFC ein, der den Klassenerhalt mit sich brachte.“

Für König war dieser Ausflug zugleich die erste Begegnung mit dem Ruhrgebiet. „Das kannte ich ehrlich gesagt nur aus dem Fernsehen.“ Schlote, Stahlwerke und Zechen, dieses weit verbreitete Klischeebild empfand er jedoch als nicht ganz zutreffend. „Die Fahrten nach Oberhausen habe ich auch oft mit dem Besuch von Verwandten verbunden, die in Geldern am Niederrhein wohnen.“ Ebenso nutzte König die Gelegenheit, mit seiner Familie Urlaub in den nahen Niederlanden zu verbringen. Vier bis fünf Mal im Jahr versucht Jochen König Heimspiele der Kleeblätter zu besuchen. „Meine Familie, allen voran meine Frau, hat sehr großes Verständnis. Ich will das jedoch nicht überstrapazieren und deswegen beschränke ich das etwas.“ Pflichttermin ist jedoch in jedem Fall das Derby gegen Rot-Weiss Essen. „Das ist bereits dick im Kalender vorgemerkt.“

Liveticker, Videotext und SMS

Doch wie verfolgt ein badischer RWO-Fan die Spiele seines Herzensvereins? „Zu Auswärtsspielen in der Nähe bin ich natürlich hingefahren, etwa in Karlsruhe, Offenbach oder bei den Stuttgarter Kickers. Ich hatte in der 2. Bundesliga auch noch ein Sky-Abo, das habe ich nach dem Abstieg aber sofort gekündigt.“ Sonst greift König auf Liveticker und den Videotext zurück. „Manchmal bekomme ich Infos per SMS von RWO-Fans, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe.“

Jochen König, seit 1986 Mitglied des Vereins, hofft inständig, die Rot-Weißen noch einmal in einer höheren Liga Fußball spielen zu sehen. „Der Grundstock ist da. Wenn die Mannschaft so zusammen bleibt, können wir das schaffen.“ Ob der Aufstieg noch in dieser Saison klappe, sei ungewiss. „Vielleicht wird es auch erst etwas in ein oder zwei Jahren.“ Die außerordentliche Mitgliederversammlung habe ihn jedoch zuversichtlich gestimmt. „Wenn ich sehe, wie viele RWO-Fans hier zusammengekommen sind, ist das eine schöne Sache.“ Das sei zu anderen Zeiten ein reines Wunschdenken gewesen, dass so viele Menschen zusammenkommen, die das Kleeblatt im Herzen tragen.