Mit dem Rücken zur Wand

Lea Mersch will ihr Team in Marburg wieder zurück in die Erfolgsspur führen.
Lea Mersch will ihr Team in Marburg wieder zurück in die Erfolgsspur führen.
Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die NBO-Bundesliga-Damen spielen am Samstag in Marburg um ihre vermutlich letzte Chance im Kampf um den Klassenerhalt.

An das Karnevalswochenende oder gar den Valentinstag verschwendet Katja Zberch derzeit keinen Gedanken. Für die Trainerin der Bundesliga-Basketballerinnen von evo NBO dreht sich momentan alles um das Spiel in Marburg. Um 18 Uhr treten die Oberhausenerinnen dort am Samstag an und spielen um ihre vermutlich letzte Chance, doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Bei einer Niederlage würde nicht nur der aktuelle Gegner so gut wie uneinholbar sein, auch die weitere Konkurrenz im Abstiegskampf rechnet sich an diesem Spieltag Chancen auf wichtige Punkte aus.

Ein echtes Endspiel also, was auf die NBO-Damen da zukommt. Die Voraussetzungen dafür könnten allerdings kaum schlechter sein. Seit Mitte November wartet die Mannschaft auf ein Erfolgserlebnis in der Liga. Für ein junges und emotionales Team wie das von NBO ein großes Problem.

Auch der Trainerwechsel von Stefan Mienack hin zu Katja Zberch hat noch keine Wirkung gezeigt. In Halle zeigte die Mannschaft eine kämpferisch einwandfreie Partie, war am Ende jedoch vor allem mental nicht stark genug, das enge Spiel für sich zu entscheiden.

Negativspirale

Im Spiel gegen Rhein-Main vor einer Woche spielten die Nerven dann schon nach wenigen Minuten nicht mehr mit. Eine deftige Klatsche war die Folge, die das Nervenkostüm der Spielerinnen logischerweise nicht stärkte. Eine Negativspirale, die nur schwer zu stoppen ist und die Stimmung innerhalb des Teams immer weiter anspannt. „Ein Sieg wäre mal nicht schlecht“, weiß auch Kapitänin Lea Mersch, die das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Mannschaft immer noch als gut beschreibt.

Das ist eine Voraussetzung, um im Abstiegskampf bestehen zu können, aber längst noch kein Erfolgsrezept. In Marburg steht die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand und hat praktisch nichts mehr zu verlieren. Ähnlich wie in der Vorwoche Rhein-Main in der Jürissen-Halle. Das zumindest könnte noch ein wenig Mut machen.

Allerdings trifft NBO auf einen Gegner, der zumindet in der eigenen Halle wieder starkes Selbstvertrauen geschöpft hat. Nach personellen Problemen in der Vorwoche kann Patrick Unger wieder aus dem Vollen schöpfen. Der BC-Trainer ist gut befreundet mit Zberch, doch Gastgeschenke will er ebenso wenig verteilen wie seine Kapitänin Birte Thimm, die auch nach ihrem Wechsel nach Marburg noch gute Kontakte nach Oberhausen hat.

Immerhin stehen personell alle Spielerinnen zur Verfügung. Die Grippewelle liegt hinter dem Team, nur Iva Grbas und Ronja Spießbach sind verletzungsbedingt derzeit nicht dabei. Nach anfänglicher Niedergeschlagenheit am Montag und Dienstag hat Zberch mittlerweile im Training auch wieder positivere Stimmung ausgemacht. „Vereinzelt wurde sogar gelacht“, nahm sie erfreut zur Kenntnis.

Nach dem intensiven Video-Studium des vergangenen Spiels wurde weiter an der Verteidigung im Training gearbeitet. Vor allem mit der Rückwärtsbewegung war die Trainerin nicht zufrieden. „Meiner Meinung nach haben wir dadurch das Spiel verloren“, lautet ihre Analyse. In Marburg sollen wieder schneller die Positionen eingenommen werden, um es dem Gegner so schwer wie möglich zu machen. „Jeden Korb, den Marburg erzielt, sollten sie sich hart erarbeiten“, lautet das Ziel.

Wenn dazu auch in der Offensive härter gearbeitet und sich nicht so schnell der Schneid abgekauft wird, ist in Marburg alles möglich. „Wir müssen aggressiver werden“, forderte Monique Reid nach der Rhein-Main-Pleite. Sie selber ist dabei auch gefordert. Zuletzt wurde die Amerikanerin den Ansprüchen einer wichtigen Leistungsträgerin nicht gerecht.

Aber vielleicht hilft ja auch die Tatsache, dass Marburg in dieser Saison NBO zu liegen scheint. Zumindest gelangen schon zwei Siege, Anfang Dezember im Pokal das letzte Erfolgserlebnis überhaupt.