Kein Grund nervös zu werden

Die Basketball Bundesliga Damen von NBO  sind ab Montag wieder im Training.
Die Basketball Bundesliga Damen von NBO sind ab Montag wieder im Training.
Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Für die Bundesliga-Basketballerinnen von evo NBO geht es am Montag mit dem Training weiter. Eine Kurz-Analyse der Hinrunde und der Spielerinnen.

Gerade einmal 15 Tage Weihnachtspause war den Basketballerinnen von evo NBO in diesem Jahr vergönnt. Schon am Montag, 29. Dezember, erwartet das Trainergespann Stefan Mienack und Katja Zberch die Bundesliga-Damen wieder zum ersten Training. Schließlich steht am kommenden Sonntag das Pokal-Viertelfinale gegen die Rhein-Main Baskets auf dem Programm. Ein Grund für uns, einen Blick auf die abgelaufene Hinrunde zu werfen und dabei „die wilde 13“, also die einzelnen Spielerinnen des Kaders, genauer unter die Lupe zu nehmen.

NBO unternahm in dieser Saison den zweiten Versuch innerhalb von drei Jahren, sich mit einem hauptamtlichen Trainer professionell aufzustellen. Anders als vor zwei Spielzeiten Predrag Lukic hatte NBO Headcoach Stefan Mienack vor dieser Saison aber alle Hände voll zu tun, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der ehemalige Bundesligacoach der Freiburger Eisvögel und Bundestrainer der U 18-Nationalmannschaft betonte schon in der spielfreien Zeit im Sommer, dass es keinen Grund zur Sorge gäbe. Er war sich sicher, eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine stellen zu können.

Keine einfache Aufgabe, denn es galt namhafte Abgänge zu verkraften. Ohne Sarah Zierhut, Birte Thimm, Sharon Beld, Christina Krick und Leonie Prudent musste ein neues Grundgerüst her. Dazu war auch klar, dass es Marie Gülich, die in den vergangenen Playoffs eine tolle Entwicklung nahm, erst einmal in die Staaten ziehen würde.

Mit Lea Mersch, Monique Reid und Ramona Tews konnte Mienack lediglich ein eingespieltes Trio an Bord halten, um die herum eine noch junge und unerfahrene, aber talentierte Mannschaft gestellt werden sollte. Viele erwarteten eine holprige Vorbereitung, doch die Mannschaft fegte ihre Gegner in regelmäßigen Abständen vom Parkett. Keine einzige Niederlage gab es in zehn Testspielen zu verzeichnen. Erwartungen keimten auf, die im Meisterschaftsbetrieb schließlich nicht erfüllt werden konnten. „Wir brauchen Zeit“, erkannte Mienack schnell und gestand und gesteht die seiner Mannschaft auch zu.

Dennoch ist ihm wichtig, dass die junge Mannschaft sich nicht hinter Monique Reid und Lea Mersch versteckt, sondern Verantwortung übernimmt und im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen kann. Das hat in einigen Spielen geklappt, in anderen weniger.

Insgesamt jedoch war in den zwölf Meisterschaftsspielen und den beiden Pokalspielen eine Entwicklung in die richtige Richtung zu sehen. Auch wenn die beiden letzten Meisterschafts-Heimspiele verloren wurden und NBO nur einen Sieg über den Abstiegsplätzen ins Neue Jahr geht. Der Kontakt zum Mittelfeld ist jedoch vorhanden, derzeit würden die Oberhausenerinnen als Achte sogar in den Playoffs stehen. Bei der genaueren Betrachtung der einzelnen Spielerinnen zeigt sich, dass vor allem in der Konstanz noch Luft nach oben ist.

Ronja Spießbach (Trikotnummer 1): 17 Jahre, Point-Guard, erstes Bundesligajahr. Das Eigengewächs sollte langsam an die Bundeslga heran geführt werden. Doch eine Handverletzung warf die Aufbauspielerin zurück. Erst fünf Mal zählte sie zum Kader und kam dabei auf 77 Sekunden Einsatzzeit. Wenn sie verletzungsfrei bleibt, sollten noch ein paar Minuten dazu kommen.

Amber Stokes (3): 24 Jahre, Shooting-Guard, erstes Bundesligajahr: Die quirlige Amerikanerin ist für die spektakulären Momente verantwortlich. Sie hat die schnellsten Hände in der Verteidigung und sorgt so immer wieder für Ballgewinne. Im Angriff kann sie an guten Tagen die gegnerische Abwehr schwindelig spielen. Die waren aber bislang zu selten. Sie passt sich der Leistung des Teams an, hat es aber bislang nicht geschafft, in schwachen Phasen dieses mitzureißen.

Lea Mersch (4): 27 Jahre, Point-Guard, siebtes Bundesligajahr: Sie ist der absolute Kopf der Mannschaft. Als verlängerter Arm des Trainers auf dem Spielfeld übernimmt sie Verantwortung und war bislang auch die konstanteste NBO-Akteurin. Mit knapp vier Assists und fünf Rebounds sowie 13 Punkten pro Spiel ist sie dazu auch sehr effektiv. Als sie gegen Chemnitz verletzungsbedingt fehlte, bot das Team nicht von ungefähr die schwächste Saisonleistung. Zum Glück stellte sich die Schulterverletzung nur als Prellung heraus.

Iva Grbas (7): 26 Jahre, Center, erstes Bundesligajahr: Die Kroatin ist zwar stilistisch nicht immer eine Augenweide, als Allrounderin aber sehr wichtig fürs Team. Sie kann sowohl unter dem Korb arbeiten als auch aus der Distanz treffen. Nach sechs Spielen verletzt, hofft man bei NBO auf eine baldige Rückkehr.

Isabell Meinhart (9): 20 Jahre, Small-Forward, zweites Bundesligajahr: Bislang noch recht unauffällig. Schaffte es bislang nicht, ihr von allen Seiten bestätigtes großes Talent aufs Parkett zu bringen. Wenn sie ihre Schüchternheit ablegt und mit mehr Selbstvertrauen agiert, kann sie eine Leistungsträgerin werden.

Ramona Tews (10): 22 Jahre, Point-Guard, fünftes Bundesligajahr: Mehr als nur ein Ersatz für Mersch. Die gebürtige Hernerin hat in dieser Saison einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und meist ein belebendes Element, wenn sie ins Spiel kommt. Ihr unwiderstehlicher Antritt und ein solider Distanzwurf sind ihre großen Stärken.

Jenny Menz (11): 23 Jahre, Small-Forward, erstes Bundesligajahr: In punkto Größe und Auftreten strahlt sie bereits eine Menge Erfahrung aus. Schnell vergessen ist jedoch, dass diese Saison mit den New Baskets ihr „Rookie-“, also erstes Jahr in der DBBL ist. Menz etablierte sich schnell in der ersten Fünf von Stefan Mienack. Ihre Vielseitigkeit rührt auch aus ihren Erfahrungen, die sie in den USA machen konnte.

Helena Dahlem (15): 18 Jahre, Power-Forward, zweites Bundesligajahr: Für das junge Eigengewächs gibt es auch im zweiten Jahr noch viel zu lernen. Ein paar ansprechenden Auftritten in der zweiten Mannschaft folgte eine Bänderverletzung, die sie zurückwarf.

Aline Stiller (20): 20 Jahre, Small-Forward, zweites Bundesligajahr: Stiller sammelte bereits in Marburg vor zwei Jahren Erfahrungen in der Bundesliga. Sie fiel in der Hinrunde durch geschickte Verteidigung, auch gegen größere Gegenspielerinnen, auf und verfügt über einen guten Wurf. Hier fehlte ihr oft noch das Selbstvertrauen.

Leonie Schiermeyer (21): 17 Jahre, Shooting-Guard, erstes Bundesligajahr: Mit einer Doppellizenz ausgestattet spielte Schiermeyer die meiste Zeit in der Regionalliga für Recklinghausen. Ihr größtes Kapital ist ihr klasse Wurf aus der Distanz.

Sandrine Gries (25): 17 Jahre, Small-Forward, erstes Bundesligajahr: Auch Gries sammelte ihre Spielpraxis in der Regionalliga. Ihre größte Stärke, die bissige Verteidigung, soll in der Zukunft zum Tragen kommen.

Mimi Hill (32): 22 Jahre, Center, erstes Bundesligajahr: Hill rückte nach der Verletzung von Grbas in die erste Fünf von Mienack. Nach einer durchwachsenen Vorbereitung mit einigen kleinen Verletzungen kommt die Centerin immer besser in Fahrt. Besonders ihr Auftritt gegen Nördlingen bestätigte den positiven Trend. Die Amerikanerin hat die beste Wurfquote bei NBO und einen guten Distanzwurf, besonders für ihre Größe von 1,90m.

Mo Reid (Nummer 33): 24 Jahre, Power-Forward, zweites Bundesligajahr: Ihre Stärke konnte Reid schon im vergangenen Jahr unter Beweis stellen. In dieser Saison tritt sie auch als Topscorerin der Mannschaft auf und steht auch im ligaweiten Vergleich auf Rang vier der erfolgreichsten Schützinnen. Ihre Kombination aus Kraft und Feingefühl ist einmalig. Besonders unter dem Korb kann sie auch schwierige Anspiele in der Regel klasse verarbeiten. Ist sie voll fokussiert, ist sie durch kaum eine Gegenspielerin zu halten. Manchmal jedoch mit einer zu lässigen Spielweise.