In sechs Etappen über die Alpen

Rainer Gutsmann bei der Ankunft auf der Norbertshöhe bei Nauders
Rainer Gutsmann bei der Ankunft auf der Norbertshöhe bei Nauders
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Rainer Gutsmann vom RSV Blau-Gelb erfüllte sich einen langgehegten Traum

Oberhausen..  Mit dem Flugzeug hat Rainer Gutsmann vom RSV Blau-Gelb 1928 Oberhausen die Alpen schon häufiger überquert. Mit dem Heißluftballon war es ihm zu heikel und auf Schusters Rappen würde es zu lange dauern. So entschied er sich für die Variante mit dem Mountainbike. Gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Sascha Weil schloss er sich einem Veranstalter mit versierten Guides und weiteren Mitfahrern an, um diesen Traum zu verwirklichen.

Gestartet wurde in Schwangau unterhalb des Schlosses Neuschwanstein. Pünktlich zum Start zogen Gewitter und Regen auf. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto wartete gleich der erste Anstieg hinauf zum Schützensteig, wo die Radler eine recht anspruchsvolle Trailabfahrt zu bewältigen hatten. In Ehrwald unterhalb des Zugspitzmassivs war Mittagspause. Gut gestärkt fuhren sie hinauf zum Fernpass über den Fernsteinsee, bevor es hinunter nach Nassereith zum ersten Etappenziel in Imst ging.

Am zweiten Tag radelten die Mountainbiker auf der alten Römerstraße Via Claudia Augusta entlang des Inns nach Schönwies hinauf nach Kronburg im Tiroler Oberland. Ein kurzer Stopp an der Wallfahrtskirche und schon ging es im ständigen Auf und Ab über Landeck und Fließ zur Jausenstation in Tösens.

Mit gefüllten Speichern rollten sie hinunter an den Inn bis nach Pfunds. Nach der Kajetansbrücke stand der letzte Anstieg von Martina über elf Kehren zur Norbertshöhe auf dem Programm. Mit einem schönen Blick auf das Bergdorf Nauders wurden die Fahrer entschädigt. Die Abfahrt zum Hotel über asphaltierte Straßen war ein gemütliches Ausrollen dieser Etappe.

Der dritte Tag sollte die Radler auf den höchsten Punkt der gesamten Tour führen. Nach nächtlichem Regen wurde um 8.30 Uhr gestartet. Schon nach knapp drei Kilometern erfolgte der Einstieg in Richtung Plamort. Aufgeweichte Wege erschwerten die Auffahrt, die im Winter als Talabfahrt von Skifahrern genutzt wird. Wegen einer Baustelle kurz vor dem Gipfel mussten zusätzliche 150 Höhenmeter überwunden werden. Doch die herrliche Aussicht an den Panzersperren hinab auf den Reschensee und die schneebedeckte Ortlergruppe im Hintergrund entschädigte die Kletterer für ihren kräftezehrenden Anstieg. Über einen Trail fuhren sie hinunter an den Reschensee. Obwohl sie schon fast drei Stunden unterwegs waren, standen gerade einmal 18 Kilometer auf den Tachos.

Doch die weiteren Kilometer entlang der Etsch durch den Vinschgau rollten die Räder weitestgehend bergab. In Brugg luden die Radler ihre Akkus in einem rustikalen Lokal an einem Fischteich auf.

Auf dem asphaltierten Radweg mit permanentem Gefälle wurden selbst mit Mountainbikes Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h erreicht. Über Laas, Latsch und Naturns endete die 80 Kilometer langen Abfahrt im Herzen von Meran.

Tag vier stand im Zeichen der Regeneration, da nur knapp 1000 Höhenmeter angepeilt wurden. Vormittags fuhren die Sportler durch Obst- und Weinanbaugebiete über Lana, Nals und St. Michael über einen Trail zu den idyllisch im Wald gelegenen Montiggler Seen. Ein Bad in ca. 500 Höhenmetern bei angenehmen Wassertemperaturen ließen sich die Radsportler nicht nehmen. Anschließend erfolgte die Einkehr in einer Pizzeria zwecks Stärkung.

Bei Temperaturen von fast 30 Grad stellte die Radler die Abfahrt über den Kalterer See zum Tagesziel nach Tramin vor keine große Herausforderung mehr.

Wie schon an den Tagen zuvor ging es gleich vor den Toren von Tramin sportlich nach Oberfennberg. Auf dem Weg dorthin waren Rampen von teilweise bis zu 25 Prozent Steigung zu bewältigen. Oben angekommen entlohnte ein toller Ausblick in das Etschtal. Auf mitunter engen Schotterwegen ging es ähnlich steil ins Tal bis nach Mezzocorona in die Siesta.

Nach der Pause wartete gleich wieder die nächste Auffahrt durch schattiges Waldgebiet jenseits der 20 Prozent Steigung hinauf nach Andalo. Auf Waldwegen fuhren sie vorbei an vielen Spaziergängern hinunter an den Lago Molveno, der zum Verzehr eines italienischen Eises einlud. Das letzte Teilstück führte entlang des Seeufers bis zum Zielort Nembia.

Die letzte Etappe war die kürzeste der Alpenüberquerung. Ein letzter Anstieg vor dem Gardasee ging hinauf nach San Giovanni. Kurz dahinter erwartete die Fahrer ein herrlicher Ausblick auf das Ziel unterhalb des Monte Baldo. Ohne Pause fuhren die Mountainbiker durch malerische Dörfer und abschließend über einen steilen Trail hinunter an die Strandpromenade von Riva am Gardasee.

Hier erfolgte die TransAlp-Taufe, indem die Sportler in voller Montur in die Fluten des Gardasees sprangen. Das Fazit von Gutsmann fiel positiv aus: „Insgesamt war es eine gut organisierte Tour mit anstrengenden Steigungen, anspruchsvollen Abfahrten, drei Stürzen und einigen kleineren technischen Defekten. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass es keinen Plattfuß gab.“