Eine Lea Mersch ist zu wenig

Die Richtung ist klar: Es geht wohl eine Liga tiefer.
Die Richtung ist klar: Es geht wohl eine Liga tiefer.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach der blutleeren Vorstellung der NBO-Damen beim 53:69 in Marburg ist der Abstieg für den Bundesligisten kaum noch abzuwenden.

Marburg..  Mitleid macht eine Niederlage bekanntlich noch schlimmer. „Eigentlich wollte ich nicht für die entscheidende Niederlage von NBO mitverantwortlich sein, beim Abklatschen tat das schon weh“, meinte Birte Thimm nach dem 69:53 (34:20)-Sieg ihres neuen Teams BC Marburg gegen ihren ehemaligen Klub aus Oberhausen mit ehrlich gemeinter Anteilnahme. Denn nach der neuerlichen Pleite ist der Bundesliga-Abstieg für evo NBO wohl nur noch theoretisch abzuwenden.

Bei einigen NBO-Damen flossen nach der Partie Tränen der Enttäuschung. Aber längst nicht bei allen. Und diese fehlende Emotionalität verwunderte nicht nur die zahlreichen mitgereisten Fans, sondern war auch der Grund für die Niederlage. „Von Oberhausen kommt ja gar nichts, geht es für die nicht auch um etwas?“, fragte etwa ein Marburger Zuschauer in der Pause.

Ging es, sogar um noch mehr als für die Gastgeberinnen, die nun die Teilnahme an den Playoffs so gut wie sicher haben. Umso erschreckender, was zumindest einige der Oberhausener Damen an Einsatz und Engagement an den Tag legten. Was Monique Reid beispielsweise vor dem Seitenwechsel an den Tag legte, grenzte an Arbeitsverweigerung. Aufreizend lustlose trottete die Centerin zwischen den Körben hin und her, sichtlich egal, was da um sie herum passiert.

„Ich habe keine Ahnung, was da los war“, meinte eine angefressene Trainerin Katja Zberch, „dabei war das Training in dieser Woche richtig gut.“ Davon war im Spiel nicht viel zu sehen. Lediglich Lea Mersch zeigte die erforderliche Aggressivität auf dem Marburger Parkett. Ohne die Spielmacherin hätte es sicherlich eine noch derbere Pleite gesetzt. Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass schon nach wenigen Minuten praktisch kein Zweifel mehr am Sieger der Partie bestand.

Höchstens 20 Prozent

Zwar starteten auch die Hessinnen nervös, doch sie merkten schnell, dass sich der Widerstand beim Gegner in Grenzen hielt. „Das war kein Vergleich zu den Spielen vor der Weihnachtspause“, wunderte sich Thimm mit ihrem Team über die lasche Gegenwehr. So konnte Marburgs Finja Schaake mit immer dem selben – und vor dem Spiel besprochenen – Antritt punkten und unter dem Korb wurde Lisa Koop ebensowenig gestört. Eine aggressive Verteidigung wie zuvor von Zberch gefordert, war jedenfalls nicht zu erkennen. „Das war höchstens 20 Prozent von dem, was wir können“, so Zberch.

Auf der anderen Seite im Angriff gab es ebenfalls viel zu wenig Bewegung. Von den Außenpositionen wurde kaum Druck erzeugt und dazu schlecht getroffen unter dem Korb nahmen Reid, Mimi Hill oder auch Aline Stiller das körperlose Spiel allzu wörtlich. Das unterstreicht auch die Statistik. Zu gerade einmal sechs Fouls wurde die gesamte Marburger Mannschaft während der 40 Minuten gezwungen und NBO erhielt ganze drei Freiwurfe, was nicht an der Leistung der Schiedsrichter lag.

Nach einer lautstarken Ansage von Zberch in der Halbzeit präsentierte sich ihr Team nach dem Wechsel zumindest zeitweise verbessert. Aus der Distanz wurde besser getroffen und bis auf Reid mühten sich nun alle. Das reichte aber nicht aus, um noch einmal so etwas wie Spannung in die Partie zu bringen. Dafür agierten die Gastgeberinnen mittlerweile zu selbstbewusst und beendeten jeden noch so kleinen Lauf von NBO meist mit einem erfolgreichen Dreier. Näher als elf Punkte (61:50, 37.) kamen die Gäste so nicht heran und ließen am Ende kollektiv die Köpfe sinken.