Die Wilden Kerle vom Knappenmarkt

Markus Tonder ausnahmsweise mal mittendrin. Normalerweise lässt er die Jungs vor allem eines: spielen!
Markus Tonder ausnahmsweise mal mittendrin. Normalerweise lässt er die Jungs vor allem eines: spielen!
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Markus Tonder hat eine einfache und gute Idee für Kinder: weg vom Computer, miteinander spielen.

Maximilian (11) stellt sich vor: „Ich bin der Manager.“ Jason (11) ist Vizekapitän, Justin (13) führt als Co-Trainer durch das Aufwärmprogramm. Es geht um Straßenfußball am Knappenmarkt. Es geht aber auch darum, Verantwortung zu übernehmen und das Miteinander zu lernen. Auf dem Ascheplatz hat sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen gefunden, die abseits vom Vereinssport kicken und spielen will. Die wollen eigentlich immer nur spielen, die wilden Kerle vom Knappenmarkt. Fernab vom starren Vereinswesen, dafür aber mit Spaß in der bunten Gemeinschaft. Ausgedacht hat sich das Markus Tonder.

Der 40-Jährige hat als Tagespfleger mit seiner Frau Katharina beruflich mit einem kleinen Kindergarten von null bis drei Jahre in der Tagespflege zu tun. Nach Feierabend geht es mit älteren Kindern von sechs bis 13 Jahren auf dem Sportplatz weiter. „Active Gamepad“ hat er seine Idee von einem Straßenfußballprojekt getauft, mit dem Kinder und Jugendliche weg vom Computer und hin zu mehr Bewegung geführt werden sollen. Dass dabei Gemeinschaft gefördert wird, interessiert und freut Eltern. Die Kinder verschwenden darauf keine Gedanken, die machen einfach.

Das ehrenamtliche und kostenlose Angebot kommt prima an. 15 bis 20 Kinder treffen sich jeden Montag und Mittwoch von 17 bis 20 Uhr, um auf dem Platz des SC 20 Fußball zu spielen. Wobei es nicht immer nur um Bälle geht, Ausflüge in Hallen-Spielplätze oder auf Skateranlagen gehören auch zum Programm von des zweifachen Vaters.

Das bestreitet er aus eigener Tasche, doch erste Unterstützer hat er gefunden. So schaute er einfach bei Marc Bechtel in dem gleichnamigen Sportgeschäft vorbei, begleitet von seinen wilden Kerlen. Bechtel gefällt die Idee, er hilft ebenso wie Mitbewerber Behnert. Das tut auch der SC 20 mit Jugendleiter Dirk Bleckmann, Vater des eingangs erwähnten „Team-Managers“ Maximilian. „Wir lassen die Jungs gern hier spielen“, gibt er dem vereinslosen Treiben grünes Licht. Beim TBO, wo Tonder angefangen hatte, sah das anders aus, Dort schickte man die potenziellen Neumitglieder aus „versicherungstechnischen“ Gründen von der Anlage. Da gibt sich der SC 20 unkomplizierter und deutlich weitsichtiger und unterstützt die Jungs ohne Palaver. Tonder will auch in Osterfeld und Sterkrade Straßenfußballteams aufbauen, um auch mal Spiele zu organisieren.

Beim Spielclub organisieren sich die Jungs vor allem selbst. „Jeder hat Verantwortung bekommen und nimmt die an“, sagt Tonder über sein (sehr diskretes) Steuern der Gruppe. Die Kinder bekommen damit das Gefühl, dass sie vieles selbst regen. Das steigert das Selbstbewusstsein und hat bei einigen auch dazu geführt, dass die Leistungen in der Schule besser geworden sind. Das Austoben hat zu deutlich weniger Computerkonsum geführt, dazu bei vielen zu deutlich besserer körperlicher Verfassung. Aggressionen werden so spielerisch abgebaut. Die meisten Jungs sind zwar auch in einem Verein am Ball, genießen die beiden Tage ohne Leistungsdruck dafür aber umso mehr.

Nun hofft Tonder auf Anerkennung seiner Initiative, auf Unterstützung und will mit dem SC 20 auch für einen Kunstrasenplatz kämpfen. Denn der würde nicht nur den wilden Kerlen, sondern auch dem Verein Zulauf bringen.

Tonder freut sich über neue Mitspieler und jede Form der Hilfe: 01578/2 78 82 93 oder E-Mail: markustonder51@gmail.com.