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Die besondere Beziehung

20.06.2007 | 09:00 Uhr

Der Absturz des Traditionsvereins SG 09 Wattenscheid erinnert nicht nur an Rot-Weiß.Er weckt auch Erinnerungen an viele Spieler, Trainer und Leichtathleten, die hin- und herwechselten

Der Absturz der SG 09 Wattenscheid, von der Fußball-Bundesliga bis in die Verbandsliga, erinnert stark an den einst steinigen Weg des SC Rot-Weiß Oberhausen. Beide Vereine zählten vier Jahre zur Eliteliga - RWO von 1970 bis 73, Wattenscheid von 1990 bis 93. Die Westfalen verstärkten sich gern mit Spielern und Trainern sowie Leichtathleten aus Oberhausen.

Ob Werner Stahl, Kalli Feldkamp, Lothar Kobluhn, Reza Adelkhani oder Piero Lussu, ob Willi Wülbeck oder Karsten und Günter Stolz - sie alle wechselten von Oberhausen ins Lohrheidestadion.

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga spielte Lothar Kobluhn noch ein Jahr für den Regionalligisten RWO - unter anderem gegen Wattenscheid. Dann folgte der Bundesliga-Torschützenkönig von 1971 mit 32 Jahren dem Ruf des Textilfabrikanten und Vereinsvorsitzenden Klaus Steilmann, wechselte zu '09.

"Lo" erlebte dort noch einmal eine schöne Zeit. Die verlängerte er sogar bei den Alten Herren und war auch als Talentspäher für den westfälischen Verein aktiv. Sponsor Klaus Steilmann finanzierte für "seine" Alten Herren nicht nur die Reisen, unter anderem nach Südamerika. Er spielte auch selbst mit, war vornehmlich bei Frei-, Straf- und Eckstößen am Ball. Kobluhn: "Das waren schon tolle Erlebnisse und Reisen. Wir alle hatten auch den Vorteil, uns in der Firma Steilmann mit Klamotten zum Einkaufspreis einzudecken."

Die ersten handfesten Kontakte von RWO nach Wattenscheid knüpfte Werner Stahl. Der Steuerrat am Finanzamt Oberhausen-Süd und nebenberufliche Trainer war auch in Westfalen gefragt. VfB Bottrop, DSC Wanne-Eickel und die SG Wattenscheid 09 waren einige seiner Stationen.

Kalli Feldkamp genoss nach gemeinsamen Jahren bei RWO die besondere Hochachtung von Stahl. Als Cheftrainer in Wattenscheid holte er seinen Schützling Feldkamp vom VfR 08 Oberhausen als Coach zu den Wattenscheider Amateuren. Damit hatte er - wie sich später herausstellte - indirekt für seine eigene vorzeitige Ablösung zu Gunsten von Feldkamp gesorgt.

Als das Duo Steilmann/Stahl nicht mehr harmonierte, wurde der 40-jährige Feldkamp Cheftrainer des Regionalligisten Wattenscheid. Das war für den Trainerneuling ein Aufstieg und zugleich eine Chance, die er nutzte. Von hier aus strahlte Feldkamps Stern über die Bundesliga bis ins internationale Trainergeschäft. Heute ist Feldkamp mit seinen 73 Jahren Trainer am Bosporus beim türkischen Traditionsklub Galatasaray.

Als ehemalige RWO-Spieler zog es auch Reza Adelkhani und Piero Lussu nach Wattenscheid. Der Perser Adelkhani war mit Dieter "Pitter" Danzberg von Bayern München zur Landwehr gekommen. Er genoss wohl trotz Revolution in seinem Land Privilegien. Denn der Iraner hatte so etwas wie einen Diplomatenstatus. Jedenfalls reiste er nach dem Sturz des Schahs wiederholt nach Deutschland. Auch kürzlich sah er im Stadion Niederrhein ein RWO-Spiel an.

Ein weiterer Oberhausener in Diensten von Wattenscheid war Piero Lussu, wie Adelkhani ein Linksfuß. Der Liricher italienischer Abstammung kam 1974 mit 24 Jahren von Armina zu den Rot-Weißen. Er spielte noch mit Torwart Dieter Ferner, Lothar Kobluhn, Werner Ohm, Hermann Wilbertz, Ditmar Jakobs, Hannes Schumacher in einer Mannschaft. Sein Weg als Trainer führte ihn unter anderem zu Adler Osterfeld und VfB Speldorf.

Das Duell RWO gegen Wattenscheid fand immer besonderes Interesse. Wenn die Westfalen ins Stadion Niederrhein kamen, hieß es "volle Hütte". Lothar Kobluhn: "Einmal war die Spannung besonders groß. Klaus Steilmann hatte kurz vorher den blonden Argentinier Carlos Babington für die zweite Liga verpflichtet. Das war damals schon sensationell. Babington spielte dann auch im Stadion beim 1:1 gegen uns."

Der Wechsel von anderen Oberhausenern bereitete der hiesigen Leichtathletik Wehklagen. In den Annalen über Weltmeister, Teilnehmer an Olympischen Spielen, Europameisterschaften und DM-Titelträger sind 800-Meter-Weltmeister Willi Wülbeck und Kugelstoßer Karsten Stolz unter TV Wattenscheid genannt. Und Vater Günter Stolz war auch als DLV-Trainer Kugelstoßen im DLV-Stützpunkt Wattenscheid aktiv.

Die Leichtathleten im Lohrheidestadion wurden natürlich auch von Klaus Steilmann gefördert, der als Bürger des Ruhrgebiets und mit dem Titel Professor Dr. für Engagement und Verdienste in Beruf und Sport geehrt wurde. Heute steht er mit 78 Jahren vor den Trümmern seines Lebenswerkes.

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