Dem Fußball verbunden

Marcel Gruteser im Einsatz bei einem Jugendspiel. In naher Zukunft würde er gerne auch Senioren pfeiffen.
Marcel Gruteser im Einsatz bei einem Jugendspiel. In naher Zukunft würde er gerne auch Senioren pfeiffen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Jung-Schiedsrichter Marcel Gruteser erzählt über seine ersten Erfahrungen als Unparteiischer. Die waren nicht immer toll, aber auch nie so, dass er den Spaß verloren hätte.

Am 15. März war es auch im Fußballkreis Oberhausen/Bottrop so weit. Bei dem Spiel zwischen SF Bottrop und Adler Oberhausen in der Kreisliga B wurde der Schiedsrichter Niklas Sapountzoglou vom Bottroper Spieler Alex Martin mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. So schilderte es der Unparteiische und so richtete auch die Kreisspruchkammer.

Im Urteil wurde bekanntgegeben, dass der Spieler für zwei Jahre gesperrt und zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Euro an den Fußballverband Niederrhein (FVN) verdonnert wird. Außerdem wurde das abgebrochene Spiel mit 2:0 für Adler Oberhausen gewertet. Insgesamt 376,40 Euro Strafe folgen aus dem Zwischenfall, für den 32-jährigen war die Aktion wohl auch gleichzeitig sein unrühmliches Karriereende.

Wir unterhielten uns mit Jungschiedsrichter Marcel Gruteser auch über diesen Vorfall. Er machte beim Lehrgang im vergangenen Jahr seinen Schiedsrichterschein und pfeifft mittlerweile regelmäßig. Über die schönen und unschönen Momente, den Antrieb und wie man sich auf solche Momente am besten vorbereitet.

Wie nimmt man solche Angriffe auf Kollegen eigentlich wahr? Bekommt man davon überhaupt das erste Mal Wind?

Gruteser: Es gibt monatliche Schulungsabende, bei denen immer wieder etwas angesprochen wird. Zu dem Thema haben wir aber noch nicht großartig gesprochen, weil es bis März in unserem Kreis ja auch noch nie so ein großes Thema war. Man liest natürlich Berichte und hört auf den Fußballplätzen so einiges. In der Ausbildung zum Schiedsrichter wurden wir aber darauf vorbereitet, wie man sich eben richtig verhält. Zuviel sollte man darüber aber nicht nachdenken, bevor man das Wesentliche aus den Augen verliert

Apropos, die Konzentration kann doch sicher schon einmal nachlassen, wenn Eltern oder Trainer von draußen reinrufen, oder?

Man sollte sich da nicht von beeinflussen lassen und entwickelt auch relativ schnell eine Routine. Dann prallt das ab, damit hätte ich auch nicht gerechnet. Ich gestehe mir meine Fehler aber ein und kann sie deshalb auch schnell abhaken. Das ist dann in der nächsten Situation kein Thema mehr. Mit der Zeit und durch verschiedene Situationen ist man dann auch einfach erfahrener in jedem Moment.

Generell wird das Feedback von draußen aber nicht so positiv sein, oder? Besonders Eltern sind ja oft besonders auf ihr eigenes Kind fixiert.

Bisher hatte ich glücklicherweise noch keine Situation, in der ich wirklich geschockt gewesen wäre. Man hört am besten gar nicht hin. Wenn Spieler meckern, kann ich das nachvollziehen, das ist ja nur normal. Alle kann man eben nicht glücklich machen und die Zusammenarbeit mit den Trainern war bisher immer bestens. Ich gehe auch mit meiner eigenen Leistung kritisch um.

Wie ist denn überhaupt die Zusammenarbeit mit den Vereinen? Schiedsrichter wie Lothar Brock kennt in Oberhausen und Bottrop fast jeder, wie ist es für einen „Neuling“?

Beim ersten Spiel war ich natürlich total aufgeregt, aber die Vereine und Verantwortlichen kommen einem entgegen. Man wird nicht als Feind gesehen, viele sind auch einfach nur froh, überhaupt einen Schiedsrichter zu haben, so dass kein Betreuer pfeifen muss.

Wieso wolltest Du überhaupt Schiedsrichter werden?

Im Grunde durch die SG Kaprys. Der Verein hat gesucht und selbst mitspielen war kein Thema mehr. Beim Zuschauen habe ich dann vermehrt auf den Schiedsrichter geachtet und wollte mich der Herausforderung stellen. Immerhin steht man alleine auf dem Feld und hat Verantwortung. Ich konnte damit aber dem Verein helfen und bereue die Entscheidung nicht.

Und woher kommt der Antrieb, weiter zu machen? Spieler können sich für Meisterschaften, Tore oder tolle Paraden und Grätschen feiern lassen. Was hat ein Schiedsrichter davon?

Es ist ein nettes und interessantes Hobby und man kann sich ein kleines Taschengeld dazu verdienen. Vor allen Dingen ist das aber auch eine Persönlichkeitsschule. Man lernt sich durchzusetzen und bestimmt zu handeln, ohne arrogant aufzutreten. Ich kann so dem Fußball verbunden bleiben, treibe Sport und mit ein bisschen Glück reicht es irgendwann auch für die Bezirksliga.

Hattest du schon Momente, an denen Du hinschmeißen wolltest?

Bei strömendem Regen im Winter ein eindeutiges Spiel zu pfeifen, macht natürlich weniger Spaß, als nach einer knappen und intensiven Partie zufrieden mit sich selbst sein zu können. Auch ein paar Kuriositäten, wie vergessene Spielerpässe, dass plötzlich kein Internet mehr für den Spielbericht da war, oder ganz besondere Fälle der Regel haben ihren Reiz.

Welche Situation war das?

Ein Spieler und sein Torwart haben in der Halbzeit einfach ihr Trikot getauscht und das mit keinem Ton erwähnt. Da musste ich schon zwei Mal hinschauen und beide dann verwarnen. War aber halb so wild.

Und was würdest Du dir für die Zukunft wünschen?

Ich weiß nicht, ob ich das jetzt die nächsten 20 Jahre machen möchte, aber in naher Zukunft definitiv mal A-Jugend und Senioren pfeiffen. Ansonsten natürlich, dass alle Beteiligten auf und neben dem Platz ein bisschen reflektierter an die Sache rangehen würden. Man muss akzeptieren, dass da ein Unparteiischer steht und allein Entscheidungen trifft. Man ist als Schiedsrichter ja auch nur ein Mensch und kein Roboter.