Viele der Besten spielen im Westen

Kulissenwechsel in der RWE-Sporthalle. Kaum hat sich die europäische Hallenhockey-Prominenz von Mülheim verabschiedet, kündigt sich schon der nächste große Besuch an, um der Stadt den ganz großen internationalen Anstrich zu verleihen. Bei den YONEX German Open Badminton Championships 2015 sind vom 24. Februar bis zum 1. März rund 350 Aktive aus 40 Nationen am Start. Fehlen werden allein die Topstars aus dem Reich der Mitte. Die Chinesen verfolgen einen anderen Turnierplan.

Mülheim und damit Deutschland lässt sich bei der Navigation der Asiaten nicht ausmachen. Ihre winterliche Reiseroute sieht die Swiss Open in der Baseler St. Jakobshalle und die All England Open Championships in der Barclaycard Arena in Birmingham vor. Während beim Topturnier auf der Insel die Preisgelder ohnehin nur so sprudeln, soll es bei den Eidgenossen einen zusätzlichen materiellen Anreiz geben. „Man munkelt, dass auch außerhalb des Preisgeldes gezahlt wird“, sagte Detlef Poste, Geschäftsführer des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV), beim Pressegespräch am Dienstag in der König-Pilsener-Lounge der RWE-Sporthalle. Für Boris Reichel, Werbeleiter des langjährigen Titelsponsors YONEX und Mitglied des Organisationsteams, bedeutet des Fehlen von Li Xuerui und Co. keinen so großen Wertverlust: „Da haben halt andere die große Chance, sich in den Vordergrund zu spielen.“ Poste verweist auf einen weiteren Aspekt: „Der Spannung hier bei uns in Mülheim ist das eher förderlich.“

Über einen Mangel an Weltklasse wird sich das Publikum auch diesmal nicht beklagen müssen. Die Stars der Szene werden sich beim für den DBV bedeutsamsten Turnier wieder die Klinke in die Hand geben und mit besonderen Typen aufwarten. Carolina Marin, die stolze und auch etwas exzentrische Spaniern, gehört unbedingt dazu. Im vergangenen Jahr wurde sie in Kopenhagen Weltmeisterin im Dameneinzel und ist bei der Titellese in Mülheim (wo die YONEX German Open bis zum Jahr 2017 vertraglich gesichert sind) an Position zwei gesetzt. „Sie rockt auf dem Spielfeld richtig ab. Ich hoffe, dass Carolina sich auch am Samstag und Sonntag gegen die asiatische Phalanx stellt“, hat Boris Reichel, Trainer des Bundesliga-Tabellenzweiten 1. BV Mülheim, die Dame von der Iberischen Halbinsel in sein Herz geschlossen.

Für BVM-Spielerin Johanna Goliszewski bedeutet der Auftritt vor dem heimischen Publikum immer eine besondere Herausforderung. Und in der heimischen Halle beginnt an der Seite ihrer Doppelpartnerin Carla Nelte vom TV Refrath der lange Weg zur erhofften Olympia-Teilnahme im kommenden Jahr in Rio de Janeiro. In den nächsten Monaten wird sich eine Weltreise mit Stationen auf fast allen Kontinenten anschließen. „Wir wollen viele neue Erfahrungen und möglichst viele Punkte sammeln, um in der Weltrangliste weiter nach vorne zu kommen“, so die Spitzenspielerin aus Mülheim, die am vergangenen Wochenende bei der Mixed-Team-EM mit der deutschen Mannschaft Bronze gewonnen hatte. Der lange Weg beginnt mit einem harten Los. Goliszewski/Nelte treffen im Erstrundenmatch auf die an Positionen fünf gesetzten Niederländerinnen Eefje Muskens und Selena Piek.