Vereine sollen mehr für sich werben

In Zeiten von knappen Kassen, Ganztagsschulen und immer weniger ehrenamtlicher Arbeit haben Sportvereine keinen leichten Stand. Umso wichtiger ist es, dass sie sich in der Öffentlichkeit möglichst gut präsentieren können. Auch den Mülheimer Klubs ist dieses Thema offenbar ein großes Anliegen. Über 40 Vereinsvertreter kamen am Montagabend zur bereits vierten Informationsveranstaltung der WAZ und NRZ ins Haus des Sports.

„Es hat sich wirklich eine tolle Resonanz entwickelt“, lobte der ehemalige Sportdezernent Wilfried Cleven, zweiter Vorsitzender des Mülheimer Sportbundes. Der komplette MSB-Vorstand war ebenso vertreten wie Martina Ellerwald, die Amtsleiterin des Mülheimer SportService. Wilfried Cleven animierte die Vereine gleich, sich und ihre Sportler möglichst offensiv zu verkaufen. „Der Sport ist das größte Jugendheim der Stadt und deswegen sollten wir unser Licht auch nicht unter den Scheffel stellen.“

Mitgliederzuwachs durch PR-Arbeit

Dieser Appell wurde von mehreren Anwesenden aufgegriffen. „Wir haben dank unserer Öffentlichkeitsarbeit im letzten Jahr 85 neue Mitglieder gewonnen“, berichtete Horst Mölders von der SV Siemens. „Machen Sie etwas“, rief er den Vertretern der anderen Vereine zu.

Da der Sport so vielschichtig aufgestellt ist, spielt er oft auch in andere Bereiche wie Politik oder Soziales mit hinein. Dies führt dazu, dass Sportthemen nicht nur im lokalen Sportteil einer Zeitung, sondern auch im Lokalteil aufgegriffen werden. Daher nahm erstmals auch Andreas Heinrich, Redaktionsleiter der Mülheimer WAZ, an der Informationsveranstaltung teil. „Sporthallenbau, Schwimmbäder, Kunstrasenplätze, Untersuchungen zum Thema Sportlichkeit – dies sind Themen, die über die normale Sportberichterstattung hinausgehen“, erläuterte er.

Gerade der zurzeit viel diskutierte Sporthallenbau und die damit einhergehende Ernennung der Luisenschule zu einer NRW-Sportschule brennt den Vereinsvertretern offensichtlich unter den Nägeln. „Auch die anderen Vereine, die nichts unmittelbar damit zu tun haben, müssen hier Dampf machen“, forderte Horst Mölders. WAZ-Redaktionsleiter Andreas Heinrich stellte hier das Beispiel des Ringlokschuppens gegenüber, für dessen Erhalt sich ein Großteil der Kulturszene in kürzester Zeit stark gemacht hatte. „Hier müsste der gesamte Mülheimer Sport noch mehr hinter der Sporthalle und der Sportschule stehen“, meinte Heinrich.

Ohne professionelle Bedingungen und ausreichende Trainingszeiten fürchten die Klubs, dass weiterhin die besten Talente aus Mülheim in die Nachbarstädte abwandern werden. Bestes Beispiel dafür ist der Schwimmer Damian Wierling, dem in Mülheim schlichtweg eine 50-Meter-Bahn fehlt und der aus diesem Grund schon seit geraumer Zeit für die SG Essen startet.

„Wechsel sind doch vernünftig“

„Auch wenn sie für andere Städte starten, müssen wir die Talente aber weiterhin verfolgen und fördern. Der Mensch steht schließlich immer im Vordergrund. Ein Wechsel wegen besseren Möglichkeiten ist doch vernünftig, deswegen sollten wir niemanden verteufeln“, betonte Wilfried Cleven.