Training statt Sommerurlaub
17.06.2008 | 20:12 Uhr 2008-06-17T20:12:00+0200Für Alicia Nti beginnen die Ferien eine Woche früher als für ihre Mitschülerinnen in der elften Klasse der Luisenschule. Die Ruderin der Renrudergemeinschaft Mülheim (RRGM) reist am Donnerstag nach Berlin, wo in Grünau die Mannschaftsbildung für die Junioren-Weltmeisterschaft ansteht.
Sommerurlaub mit Faulenzen ist bei der Reise nach Berlin allerdings nicht in Sicht. Alicia muss dort beim Kaderlehrgang jeden Tag hart trainieren. 16 Kandidatinnen für die Junioren-WM, die vom 20. bis 27. Juli im österreichischen Linz stattfindet, stehen auf der Liste des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Nur wer in dieser Saison schon mit Top-Leistungen geglänzt hat, wird bei der Sichtung in Berlin von U-18-Chefbundestrainerin Brigitte Bielich (Dresden) ins Visier genommen. Die RRGM-Ruderin zählt als zweifache Jugendmeisterin zu diesen vielversprechenden Talenten, die für einen Platz in den deutschen WM-Booten infrage kommen. Die Sportredaktion hat Alicia Nti deshalb zum Star der Woche gewählt. Beim nationalen Junioren-Championat in Köln trumpfte Alicia Nti mit ihren Mitstreiterinnen am Wochenende im Vierer ohne Steuerfrau und im Achter auf. Die beiden U-18-Meistertitel sind für die Mülheimerin, die ihre Ruderkarriere vor fünf Jahren beim Wassersportverein begann, die bisher größten Erfolge. Mit dem Rudersport kam Alicia in Berührung, weil eine Freundin sie dazu überredete, am Probetrainung teilzunehmen. „Eigentlich wollten wir ja bei den Kanuten reinschnuppern, aber dann sind wir doch bei den Ruderern gelandet”, erzählt Alicia, die in der Kinderabteilung des WSV ihre ersten Trainingsstunden absolvierte und später in den RRGM-Leistungskader kam.. Die Rennrudergemeinschaft ist vom WSV und der Mülheimer Rudergesellschaft (MRG) gegründet worden, um den besten Aktiven aus beiden Vereinen optimale Trainingsbedingungen und Startmöglichkeiten zu bieten. Inzwischen absolviert Alicia Nti sieben Trainingseinheiten pro Woche. Zum Übungspenspensum zählen 80 bis 90 Ruderkliometer, vier Stunden Krafttraining und anderthalb Stunden Lockerungsgymnastik. Die Nachwuchs-Sportlerin gibt offen zu, dass die Plackerei auf dem Wasser nicht immer Spaß macht. „Bei schlechtem Wetter muss ich mich selbest treten, damit ich zum Training gehe”, sagt Alicia, die aber auch weiß, dass die harte Arbeit durch entsprechende Erfolge im Wettkampf belohnt wird. Trainer Marc Messina, der die Leistundruderinnen und -ruderer der RRGM wieder auf Erfolgskurs gebracht hat, bescheinigt Alicia gute technische Fähigkeiten. Diese Stärke muss die 17-Jährige bei der Kadersichtung zur Mannschaftsbildung in Berlin ausspielen; denn physisch ist sie gegenüber ihren Konkurrentinnen im Nachteil, da sie nur 1,76 Meter misst. Die ideale Körpergröße für Ruderinnen beträgt 1,85 Meter. Wer Rudern als Leistungssport betreibt, träumt meistens von einem Platz im deutschen Achter. Das gilt nicht für Alicia Nti. Die Mülheimerin wünscht sich, bei der Sichtung in Berlin für den Vierer ohne nominiert zu werden. Dann hätte sie gute Chancen, mit ihren Teamkolleginnen Lisa Schmidla aus Krefeld, Kathrin Marchand aus Leverkusen und Constanze Siering vom RV Emscher-Wanne-Eickel zusammenzubleiben. „Ich könnte mich aber auch mit einem Platz im Achter anfreunden”, meint Alicia und fügt hinzu: „Aber ich möchte auf keinen Fall Ersatzfrau werden.” In diesem Punkt kann RRGM-Trainer Marc Messina seinen Schützling beruhigen. Er ist fest davon überzeugt, dass Alicia Nti viel zu gut für eine Rolle als Ruderin im Wartestand ist.
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