Spannung gehört zur Rezeptur

Kaum ist das neue Jahr wenige Stunden alt, da wird für den geneigten Badminton-Freund der Tisch auch schon reich gedeckt. Dem Duell 1. BV Mülheim gegen den 1. BC Beuel hat es nie an Reizen und prickelnden Inhalten gefehlt. Am Sonntag, 14 Uhr, kommt es zur Neuauflage. Schauplatz ist das Leistungszentrum an der Südstraße. Die große Bühne nebenan ist belegt. In der RWE-Sporthalle ermitteln Mülheims Fußballer den Stadtmeister.

Aller guten Dinge sind drei, sagt sich Tabellenführer 1. BVM vor einem gewiss nicht einfachen sportlichen Start ins neue Jahr. Die Erinnerung an die letzten Begegnungen werden der internationalen Auswahl um Mannschaftsführerin Judith Meulendijks aber unweigerlich einen zusätzlichen Schub geben. Im September freuten sich die Mülheimer beim 4:2-Auswärtssieg über den perfekten Saisonstart. In der Bundeshauptstadt begann die neuerliche Erfolgsstory des deutschen Rekordmeisters. Ungleich enger, dramatischer und mitreißender war es zuvor am 1. Mai im DM-Halbfinale zugegangen. Nur aufgrund des besseren Punktverhältnisses zog der BVM in der RWE-Sporthalle ins Endspiel um die deutsche Meisterschaft ein. Die Spannung wird sich auch am Sonntag nicht verstecken. Gleich bei der ersten Gelegenheit will die Auswahl von Trainer Boris Reichel, Spitzenreiter mit 16:2-Punkten, nachlegen. Die Gäste müssen sich derweil sputen, wenn sie das Play-off-Geschehen nicht aus den Augen verlieren wollen. Mit 11:7-Punkten laufen die Bonner in der Saison nach Marc Zwiebler der Musik hinterher. Und schon am Dienstag wartet das Heimspiel gegen den Tabellendritten TV Refrath (14:4-Punkte).

Dennoch geht Teammanager Maximilian Schneider recht gelassen in die ersten Partien des Jahres. Schließlich kann er diesmal auf den gesamten Kader zurückgreifen. Alle Akteure sind gesund und einsatzbereit. Dies ist der große Unterschied zur Hinrunde, als die Beueler gegen Mülheim mit 2:4, gegen Refrath sogar mit 0:6 verloren.

Beueler Bestbesetzung bedeutet auch das Mitwirken von Nationalspielerin Birgit Michels. Die Schwägerin von BVM-Coach Boris Reichel hatte im Dezember als Wanderin zwischen den Kontinenten buchstäblich aus dem Koffer gelebt. Nach der Teilnahme an der Seite ihres langjährigen Mixedpartners Michael Fuchs am prestigeträchtigen Superseries-Finale in Dubai ging es flugs weiter nach Dänemark zum Showturnier Copenhagen Masters. Von Training konnte da nicht viel die Rede sein, aber Reichel weiß nur zu gut, was die Schwägerin mit all ihrer Routine bewegen kann. „Selbst wenn sie nicht ganz fit ist, müssen wir alles reinwerfen.“

„Beuel ist schwach gestartet, hat sich aber erholt und ist eine echte Spitzenmannschaft“, sieht der Trainer sich und die Seinen vor einer hohen Hürde. Deshalb ist es oberste Priorität, mit der Bestbesetzung aufzulaufen. Dmytro Zavadsky ist am Freitag aus der Ukraine eingetroffen, was wegen der schwierigen Flugsituation nach Neujahr gar nicht einfach zu bewerkstelligen wird, der Engländer Marcus Ellis kommt am Sonntag. Ellis und der nach langer Virusinfektion genesene Jorrit der Ruiter gelten als Favoriten gegen Chris Langridge und Andreas Heinz. „Da müssen wir uns keine Sorge machen.

Als ganz wichtigen Faktor sieht der Trainer das Damendoppel, in dem sich Judith Meulendijks und Johanna Goliszewski sowie Birgit Michels und Lauren Smith gegenüberstehen.

Im Einzel sieht Reichel die Engländerin Fontaine Mica Chapman gegen Luise Heim im Vorteil. „Allein weil sie abgeklärter.“ Leichte Favoriten sind derweil die Bonner Yan Kit Chan (gegen Zavadsky) und Erik Meijs (gegen Alexander Roovers). Beim Mixed (Marcus Ellis/Johanna Goliszewski gegen Chris Langridge/Birgit Michels) sind die Chancen bei 50:50 angesiedelt. Der Tisch ist also reich gedeckt. Und Spannung gehört unbedingt zur Rezeptur.