Silber für die Damen

Deutschland -
Niederlande 1:2 nSO (1:1, 1:0)

Tore: 1:0 Katharina Otte (8., Siebenmeter), 1:1 Claire Verhage (38.)
Shootout: Kristina Hillmann verschießt, Vera Vorstenbosch verschießt, Luisa Steindor verschießt, 0:1 Laurien Leurink, Franzisca Hauke verschießt
Strafecken: GER 2 (0 Tore)/NED 3 (0 Tore)
Zuschauer: 5.500 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Frances Block (England)/Elena Eskina (Russland)

Oranje versteht es in der Disziplin Hockey (fast) immer, deutschen Glücksgefühlen im Weg zu stehen. Und wenn es über den die Akteure und Zuschauer unweigerlich in den Schwitzkasten nehmenden Umweg Penaltyschießen geht. Im denkwürdigen WM-Finale in der ausverkauften Arena Leipzig sah Titelverteidiger Deutschland bis zwei Minuten vor der Schlusssirene wie der neuerliche Titelträger aus, doch dann schlugen die Niederländerinnen zu. Im fälligen Shootout, das traditionell einem Generalangriff auf das Nervenkostüm gleichkommt, traf allein Laurien Leurink und sorgte dafür, dass die deutschen Damen vorübergegehend Trauer trugen und eine Weile brauchten, um ihre Enttäuschung in den Griff zu bekommen.

An das, was Bundestrainer Jamilon Mülders nach dem Match gesagt hatte, konnten sich schließ- lich seine Spielerinnen halten: „Es ist alles andere als ein Weltuntergang, hier Vizeweltmeister geworden zu sein.“

Es war die greifbare Spannung, die die Arena brodeln ließ. Nach einer verhaltenen Auftaktphase bekam das DHB-Team einen Siebenmeter zugesprochen, den Kapitänin Katarina Otte vom UHC Hamburg sicher verwandelte. Zu diesem frühen Zeitpunkt konnte niemand auch nur ernsthaft davon ausgehen, dass Gastgeber Deutschland damit bereits sein Pulver verschossen hatte. Im direkten Gegenzug gab es auch Siebenmeter für die Niederlande: Yvonne Frank vom UHC Hamburg hielt den Schuss von Oranje-Torjägerin Denise Admiral. Überhaupt waren die beiden Tore wie vernagelt. Bestes Beispiel: In der 18. Minute bekamen die Niederländerinnen erneut einen Versuch vom Punkt. Diesmal trat Kiki Collot d’Escury gegen Yvonne Frank an - auch sie scheiterte an der deutschen Torfrau.

Auch nach dem Seitenwechsel mussten die Standardsituationen für Torgefahr sorgen. Die brachte die erste deutsche Strafecke, die von Schlussfrau Adinda Alberts gegen Katharina Otte jedoch pariert wurde (24.). Auf der anderen Seite des Spielfelds war die allgegenwärtige Yvonne Frank bei der zweiten Strafecke auf dem Posten. Und es ging munter weiter im Ecken-Reigen. Wieder nahm Katharina Otte Maß, wieder blieb der 27-Jährigen der gewinnbringende Abschluss versagt. Oranje lief nun langsam die Zeit davon und musste kommen. Die nächste Chance resultierte aus der dritten, freilich umstrittenen Strafecke: Auch Pauline van Nes fand in der überragenden Yvonne Frank ihre Meisterin. Das war vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit. Erst in der 38. Minute schaffte es Claire Verhage, den letztlich verdienten Ausgleich zu erzielen.

Im Shootout nahm das Schicksal seinen Lauf: Kristina Hillmann (UHC Hamburg) wurde erfolgreich von Adinda Alberts gestört. Die erste niederländische Schützin, Vera Vorstenbosch, verfehlte das Tor. Luisa Steindor (Düsseldorfer HC) hatte das Tor bereits freigespielt, ihr Schuss rutschte aber neben den Pfosten. Laurien Leurink lupfte über Yvonne Frank ins Tor. Als Franzisca Hauke gegen Alberts nicht zum Abschluss kam, feierten die Akteurinnen aus dem Nachbarland den WM-Titel 2015.

„Zwei Mal Vizemeister innerhalb weniger Tage, das ist schon heftig. Jetzt muss sich erst einmal runterkommen. Eine WM im eigenen Land wird es so schnell nicht wieder geben. Ich bin glücklich, hier in Leipzig dabei gewesen zu sein“, sagte die 21-jährige Mülheimerin Katharina Windfeder nach ihrem achten Länderspiel.

Auch die Abwehrspielern hatte sich vor der Players Party in einem Leipziger Gewölbekeller wieder gefangen. „Jetzt geht es auf die Startbahn!“ Und am Montag geht es zurück in die Heimat.Um 15 Uhr ist Ankunft auf dem Duisburger Hauptbahnhof. Großer Bahnhof für die Vizeweltmeisterin!