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Präzision in geselliger Runde

21.09.2010 | 17:45 Uhr
Präzision in geselliger Runde
Das Ziel ist ausgemacht: Alexander Waldhelm (links) wird von Achim Hesse gecoacht. Foto Alexandra Umbach

Pfeil und Bogen habe ich im Rahmen dieser Reihe bereits kennengelernt. Heute wird es wieder Pfeile geben, aber keinen Bogen. Ich bin beim 1. Dart Club Mülheim an der Ruhr 1981 zu Gast, der in der Gaststätte „Zum schrägen Eck“ im Dichterviertel beheimatet ist.

Im hinteren Saal, in dem das Rauchen verboten ist, findet allwöchentlich am Mittwoch das Training der Club-Mannschaften statt. „Wir haben momentan knapp 30 Mitglieder“, erklärt Achim Hesse, der 1. Vorsitzende. Die erste Mannschaft des Clubs spielt in der zweithöchsten deutschen Klasse, der NRW-Liga, die zweite in der Bezirksklasse. Ein Team besteht aus acht bis elf Spielern. Ziel ist es, möglichst schnell von 501 Punkten auf exakt Null zu kommen. Das Besondere: Um am Ende tatsächlich zu gewinnen, muss man mit einem sogenannten „Double out“ aus machen, also auf Null kommen. All´ dies spielt sich auf der runden Dartscheibe ab. Sie ist in Felder unterteilt, deren Treffen - je nach Position - ein bis 20 Punkte zählt. Der äußere Ring kleiner Felder bedeutet die doppelte, der innere Ring kleiner Felder die dreifache Punktzahl. In der Mitte der Scheibe befindet sich ein Punkt, der von einem kleinen Kreis umgeben ist. Das sind das sogenannte „Bulls Eye“ und das „Bull“. Hier bedeutet ein Treffer 25 bzw. 50 Punkte.

Achim Hesse weist mich an einer der zahlreichen Dartscheiben in die Theorie des Spiels ein, das in Mülheim stationierte britische Soldaten so gerne spielten, dass sie 1981 den 1. DC Mülheim gründeten. So erklären sich auch die schiefen Metermaße, die Scheibe betreffend. Das Ziel des Spiels ist 2,37 Meter weit entfernt und in einer Höhe von 1,73 Meter aufgehängt. Auch bezüglich der Pfeile gibt es Vorgaben: Keines der kleinen, spitzen Sportgeräte darf länger als 36 Zentimeter sein. Das wäre aber auch völlig an der Realität vorbei. Ein Blick ins Rund offenbart mir, dass hier niemand mit Pfeilen wirft, die länger als nur 20 Zentimeter sind. Auch das Gewicht der Sportgeräte ist beschränkt: Das erlaubte Höchstgewicht sind 50 Gramm, aber auch das reizt keiner der Spieler wirklich aus: „Die Pfeile wiegen im Durchschnitt 19 bis 25 Gramm“, erklärt Hesse.

So viel zur Theorie. Dann folgt die Praxis. Der Vorsitzende drückt mich dreien seiner Vereinskameraden für ein Doppel auf´s Auge. Steffen muss mit mir spielen. So werfen wir also abwechselnd auf die Scheibe und versuchen jeweils gemeinsam zu zweit von 501 auf Null zu kommen. Der aktuelle Punktestand wird auf einer Tafel festgehalten, von der jeweils eine neben jeder Scheibe hängt. Auch geschrieben wird abwechselnd. Wer bisher nur auf elektronische Dartscheiben geworfen hat, muss sich zunächst an das deutlich höhere Gewicht der Pfeile gewöhnen. Tatsächlich landen meine ersten Versuche nur knapp ganz unten auf der Scheibe – ich treffe sie aber immerhin. Was ich verbocke, macht Steffen mit seinen Würfen wieder wett. Während ich mich ziemlich anstrengen muss, um zumindest nicht negativ aufzufallen, wirft Steffen routiniert und kommt schließlich mit einem „Double Out“ exakt auf Null. Wir führen 1:0. Der zweite Durchgang verläuft ähnlich: Ich dilettiere vor mich hin und Steffen sorgt dafür, dass wir gewinnen.

Präzision, Konzentration und Geselligkeit, das sind die beiden Hauptargumente, die ich immer wieder höre, wenn es darum geht, was die Faszination des Dartsports ausmacht. Nach meinem Ausflug in die Welt der kleinen Pfeile kann ich das sehr gut nachvollziehen. Die Mitglieder des 1. DC Mülheim kommen aus allen Altersgruppen, was aber an der Scheibe überhaupt keine Rolle spielt. Man kommt zusammen, treibt gemeinsam seinen Sport, tauscht sich untereinander aus und hat somit schlicht Spaß – sowohl am Dart als auch an dem geselligen Zusammensein. Das zielgenaue Werfen der Pfeile zwingt zudem zu Ruhe und Konzentration und zu guter Letzt lernt jeder spätestens hier das schnelle Kopfrechnen, wenn er an der Tafel stehend die Werte der Würfe addieren und vom bestehenden Punktestand subtrahieren muss. Es gibt viele gute Gründe, Dart zu spielen.

Alexander Waldhelm

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Kommentare
24.09.2010
18:33
Präzision in geselliger Runde
von waches Auge | #1

Und immer schön die Augen aufhalten...

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