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Präzision auf dem grünen Tisch

13.11.2012 | 17:12 Uhr
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Präzision auf dem grünen Tisch
Die Pool Sharks Mülheim tragen ihre Heimspiele an der Hingbergstraße aus.Foto: Fabian Strauch

Die Allermeisten kennen Billard nur aus verrauchten Kneipen, in denen Menschen mit abgegriffenen Stöcken auf lädierten Tischen um die nächste Runde spielen. Das genaue Gegenteil fand am Samstag in der Heimspielstätte des Poolbillardclubs Pool Sharks Mülheim statt. Dort empfing die erste Mannschaft den Verbandsligakonkurrenten und Aufstiegsfavoriten PBC Renaissance Gladbeck zum Vergleich in der Präzisions-Leistungssportart Billard.

Der Ort des Geschehens, die erste Etage einer ehemaligen Druckerei auf einem Hinterhof an der Hingbergstraße, präsentiert sich überraschenderweise als ein Paradies für Menschen, die gerne Sport im Fernsehen verfolgen. Der langgezogene Raum ist in zwei Hälften unterteilt. Während die vier Wettkampf-Billardtische im abgetrennten, hinteren Bereich stehen, haben sich die Zuschauer im vorderen Bereich versammelt, der wie eine Sportsbar gestaltet ist – inklusive vier Fernsehern, auf denen das Spielgeschehen live und in Farbe übertragen wird.

Vier verschiedene Varianten

Der erste deutliche Unterschied zum Kneipenbillard ist, dass hier im Rahmen eines Mannschaftsvergleich insgesamt vier verschiedene Varianten des Sports betrieben werden. Jede Begegnung besteht aus zwei Kleinserien von jeweils vier Spielen: 14/1-Endlos, 8-Ball, 9-Ball und 10-Ball. Die genauen Regeln jeder einzelnen Spielart zu erklären, würde den Rahmen sprengen – nur so viel sei erklärt: Beim 14/1-Endlos geht es darum, möglichst viele Kugeln hintereinander zu versenken. Im Extremfall beginnt der eine Spieler und der andere verliert, ohne selbst am Tisch gestanden zu haben. Wer zuerst 100 Kugeln versenkt, gewinnt. Bei den anderen Varianten geht es darum, den Tisch abzuräumen. Wem das im Rahmen der Regeln gelingt, bekommt einen Punkt – je nach Spielvariante gewinnt der den Vergleich, der sich als Erster sechs oder sieben Punkte erspielt hat.

„Es kann Ihnen passieren, dass Sie einen einzigen Fehler machen – und schon räumt Ihnen Ihr Gegner den Tisch leer und Sie können nur noch zugucken“, bringt Gerd Chwalek einen der Reize seiner Sportart auf den Punkt. Der Mann muss es wissen, denn er ist der Sportwart der Pool Sharks und selbst aktiver Wettkampfspieler. Das Niveau, auf dem Billard hier betrieben wird, lässt keinen Zweifel, dass es sich um einen Präzisionssport handelt, der höchste Konzentration erfordert. Das ist auch der Grund für die räumliche Trennung zwischen Wettkampf- und Zuschauerbereich. Wem der Blick auf die Fernseher nicht genügt, verfolgt das Geschehen auf den Tischen durch die große Scheibe in der Trennwand. Alkohol und Rauchen sind im Wettkampfbereich selbstverständlich tabu. Für ihre Billardqueues, also die Stöcke, mit denen gespielt wird, geben die Spieler auch schon ‘mal 300 bis 500 Euro aus, wobei jeder ein Sportgerät eigens für den Anstoß, also den Beginn der Partie und einen für das weitere Spiel vorhält.

Knappe Niederlage

Die Begegnung an diesem Tag endet mit der knappsten Niederlage, die in der Billard-Verbandsliga möglich ist. Die Pool Sharks unterliegen dem Aufstiegsaspiranten mit 3:5. Der Mülheimer Stefan Amlow muss dabei leidvoll erfahren, wie es beim Billard zugehen kann. Als er schon 93 der für den Sieg erforderlichen 100 Punkte erzielt hat, unterläuft ihm ein Fehler. Sein Gegner, der zu diesem Zeitpunkt 43 Punkte auf seinem Konto hat, tritt an den Tisch, versenkt fehlerlos 57 Kugeln hintereinander, reicht seinem Gegner die Hand und zieht als Sieger von dannen. „Man muss nicht schlecht spielen, um hoch zu verlieren“, erklärt Gerd Chwalek – und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Es genügt, wenn der Gegner gut ist.“ So hart kann Billard sein. „Gut Stoß!“

Alexander Waldhelm

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