Mülheims stiller Skiclub

Guido Kramer, Jugend- und Sportwart des Skiclubs Mülheim, steigt die Skiwiese hinter der Luisenschule hinauf. Dies war früher Mülheims wichtigste Wintersportstrecke.
Guido Kramer, Jugend- und Sportwart des Skiclubs Mülheim, steigt die Skiwiese hinter der Luisenschule hinauf. Dies war früher Mülheims wichtigste Wintersportstrecke.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der 1954 gegründete Skiclub Mülheim ist nur den wenigsten bekannt. Dabei hat es früher sogar Stadtmeisterschaften gegeben.

Mülheim und Wintersport? So manch einer wird sich bei dieser Kombination verwundert die Augen reiben. Was nur die Insider wissen: in Mülheim gibt es sogar einen Skiclub. Und auch Stadtmeisterschaften in der Abfahrt hat es früher gegeben.

Der „Skiclub Mülheim an der Ruhr e.V.“ wurde 1954 von Zugereisten aus Bayern gegründet. Mittelpunkt des Vereinslebens ist die klubeigene Skihütte im sauerländischen Hildfeld. „Wir haben dort acht Betten zur Verfügung und jedes Vereinsmitglied bekommt kurzfristig den Schlüssel, wenn es dort Zeit verbringen möchte“, erklärt Sport- und Jugendwart Guido Kramer. Auch Nicht-Mitglieder können die Hütte für kleines Geld mieten. Eine Piste, einen Lift sowie Langlaufloipen gibt es dort direkt vor der Haustür. Winterberg ist nur ungefähr sechs Kilometer weit entfernt.

„Zuletzt haben wir viel an der Hütte gearbeitet. Sie benötigte ein neues Dach, wir haben ein neues Bad eingebaut und eine Sauna soll noch folgen“, erzählt Kramer. Regelmäßig fahren die Vereinsmitglieder mit ihren Kindern ins Sauerland zum Skitraining. Allerdings ließ das Wetter die begeisterten Wintersportler zuletzt oft im Stich. „Wir hatten nicht gerade einen Traumwinter“, so Kramer. Aus diesem Grund muss der Skiclub oft in die nahegelegenen Skihallen ausweichen. In Neuss können Mitglieder sogar ermäßigt an Kursen teilnehmen. Vorstandsmitglied Gerald Altvater ist ausgebildeter Skilehrer – sowohl für Langlauf als auch für den Alpinbereich.

Begeisterung ist ungebrochen

Der Fortbestand des kleinen Vereins zeigt: auch im Ruhrgebiet ist die Begeisterung für den Wintersport ungebrochen. „Ja, das stimmt auf jeden Fall. Unglaublich viele fahren im Winter in den Skiurlaub. Auch viele unserer Mitglieder fahren natürlich regelmäßig in die Alpen“, sagt Guido Kramer. Viele der größeren Mülheimer Vereine bieten jährlich Skifreizeiten in Süddeutschland oder Österreich an. Etliche dieser Skifreizeiten bestehen schon seit mehr als 20 Jahren und geören im jeweiligen Verein zur guten Tradition, um dem grauen Winter des Ruhrgebiets zu entfliehen.

Gibt es denn auch in Mülheim die Gelegenheit, spontan Wintersport zu betreiben, falls sich doch einmal die ein oder andere Flocken auf hiesigen Boden verirrt? Guido Kramer muss kurz lachen. „Ich weiß von unseren älteren Vereinsmitgliedern, dass sie früher immer auf der Wiese hinter der Luisenschule Ski gefahren sind. Dort hat es sogar Rennen gegeben“, erzählt Kramer.

In 14 Sekunden den Hang hinunter

In der Tat hat der Skiclub dort damals die Mülheimer Stadtmeisterschaften im alpinen Skisport ausgetragen. Unter 14 Sekunden brauchten die schnellsten Abfahrer damals für diese Strecke. Später – in den 60er und 70er Jahren – wurden die hiesigen Meisterschaften ins Sauerland verlegt. Mit etlichen Bussen fuhren die Mülheimer damals gen Winterberg, um dem Ereignis beizuwohnen. Einer der Mülheimer Stadtmeister war damals der ehemalige RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann. Lang ist’s her.

„Eine Mülheimer Stadtmeisterschaft wieder ins Leben zu rufen, das ist nun wirklich nicht unser vorrangiges Ziel“, betonte Kramer und greift damit schon einer Frage vorweg. Allerdings würde es in den Skihallen schon die Möglichkeit geben, offizielle Rennen auszutragen.“

Der Mülheimer Boden eignet sich dann doch eher zum spontanen Schlittenfahren für die Kinder, sobald die weiße Pracht auch entsprechend lange liegen bleibt. Großartiger Wintersport ist hierzulande einfach nicht möglich. „Ich habe auch eine kleine Tochter und ich würde sie nicht in Mülheim auf Skier stellen“, sagt Kramer mit einem Schmunzeln.