Mülheim fährt nach Berlin

Nach dem bewegten Wochenende mit dem erfolgsgekrönten Doppelschlag bleibt die historische Dimension das sportliche Gesprächsthema in der Stadt. Was kaum einer für möglich gehalten hat, hält Hockey-Mülheim nun unweigerlich in Atem. Wenn am Wochenende in der Berliner Max-Schmeling-Halle Showtime ausgerufen wird, ist der HTC Uhlenhorst beim Final Four sowohl mit den Damen als auch mit den Herren vertreten. Was in der Stadt am Fluss natürlich für eine Reisewelle sorgen wird. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, lautet die Ansage. Die grüne Wand ist bereit, ihren Teams mit aller Leidenschaft zur Seite zu stehen.

Damen-Trainer Hanns-Peter Windfeder schwärmt aus gegebenem Anlass immer noch vom Auftritt seiner Mannschaft, die bereits am Samstag in der Metropole gastiert und mit dem staunenswerten 4:1-Sieg beim Endrunden-Gastgeber Berliner HC für die große Ernüchterung gesorgt hat. „Mit der Offensivleistung war ich gar nicht einmal so zufrieden, aber unsere Abwehr war ganz große Klasse.“ Natürlich, ein einziger Gegentreffer, dazu noch eine Strafecke. Allen voran leistete Abwehrchefin Katharina Windfeder, die 55 Minuten auf dem Spielfeld war, ganze Arbeit. Nur zu verständlich, dass die ambitionierten Berlinerinnen Trauer trugen. Weil auch die Herren gegen Rot-Weiss Köln patzten, ist Gastgeber BHC beim DM-Finale nur missmutiger Zuschauer.

Die jungen Uhlenhorsterinnen steigen am Freitagnachmittag ins das lange Wochenende ein. Um 15.30 Uhr geht es mit dem Zug in Richtung Spree, wo Windfeder anlässlich einer Tagung der Bundesligatrainer bereits Stunden zuvor eintreffen wird. Kurz nach 20 Uhr geht es zum Training in die 8.500 Zuschauer fassende Arena. „Der Belag in der Max-Schmeling-Halle ist etwas gewöhnungsbedürftig, deswegen müssen sich die Spielerinnen auf dem Hallenboden bewegen“, so der Coach. Im Anschluss bittet Betreuer Christian Windfeder zu einer Runde mit psycholgisch-mentalen Inhalten.

Nach der Besprechung wird es am Samstag um 14.15 Uhr (zuvor treffen die Favoriten UHC Hamburg und Düsseldorfer HC aufeinander) ernst: Halbfinale gegen den Harvestehuder THC, in dem die HTCU-Damen Kurs auf das Endspiel am Sonntag, 11 Uhr, nehmen wollen. Gelingt das, ist die Players Party am Abend tabu. „Ich kenne ja meine Mädchen, das sind Feiermäuse, aber diesmal wollen sie erst am Sonntag feiern“, heißt es mit einem Lächeln.

Die Mülheimer Herren machen sich am Freitag kurz nach 12 Uhr ebenfalls mit dem ICE auf den Weg und loten um 17 Uhr die Gegebenheiten der Großsporthalle aus. Der Samstagvormittag ist für die Besprechung und die Einstimmung per Video bestimmt. Um 16.30 Uhr baut sich dann vor den Uhlen die hohe Hürde Harvestehuder THC auf. Die Hanseaten sind mit blitzblanken 30 Punkten und 112 Toren förmlich durch die Bundesliga gestürmt. „Da wird unter anderem die Tagesform eine gewichtige Rolle spielen. Wir hätten uns lieber einen anderen Gegner gewünscht, aber dem HTHC geht es genauso“, blickt Horst Stralkowski auf ein Match aller Voraussicht nach auf Augenhöhe. Der Teammanager weiter: „Natürlich fahren wir nach Berlin, um das Halbfinale zu gewinnen. Sonst könnten wir da direkt in Mülheim bleiben.“

Am Sonntag fliegen beide Mannschaften im kurzen zeitlichen Abstand zurück nach Düsseldorf, wo sie abgeholt werden. Ziel ist das Klubhaus, Schauplatz der gemeinsamen Party. „Gefeiert wird. Wie auch immer, denn allein die Endrunden-Teilnahme beider Mannschaften ist eine Riesengeschichte“, so Horst Stralkowski.