Michelle Hatari ist schwer zu stoppen

Frisch gebackene deutsche Vizemeisterin im Leichtgewicht: Michelle Hatari präsentiert beim Redaktionsbesuch den Pokal und die Silbermedaille.
Frisch gebackene deutsche Vizemeisterin im Leichtgewicht: Michelle Hatari präsentiert beim Redaktionsbesuch den Pokal und die Silbermedaille.
Foto: Oliver Müller
Was wir bereits wissen
16-jährige Mülheimerin wurde am Samstag deutsche Vizemeisterin. Für gute Kämpfe fährt sie mit ihren Trainern durch ganz Deutschland.

Als Michelle Hatari als Achtjährige das erste Mal zum Boxtraining des BC Mülheim-Dümpten kam, hielt es Trainer Abi Guettari für einen Scherz. Heute ist die 16-Jährige frischgebackene deutsche Vizemeisterin. Die Coaches müssen die ehrgeizige Styrumerin manchmal bremsen.

Abi Guettari machte sich am Samstag extra auf den Weg nach Wismar, um seinen Schützling im Finale der Junioren-DM zu unterstützen. „Mein Mädchen im Finale der deutschen Meisterschaft, das kann ich mir ja nicht entgehen lassen“, sagt der stolze Trainer. Am Ende sollte es nicht sein. Mit 1:2 Runden unterlag die Mülheimerin der Titelverteidigerin Emily Mauermann nach Punkten. „Ich bin gar nicht wirklich enttäuscht. Es war schon ein großer Erfolg für mich und es war ja auch sehr knapp“, sagt die 16-Jährige im Rückblick.

Angefangen hat alles vor etwa acht Jahren. Durch den ebenfalls boxenden Vater bestand schon früh eine Nähe zu der Sportart. „Ich habe schon mit sechs Jahren Kämpfe im Fernsehen geguckt“, erzählt Michelle. Da der Vater den Vereinsvorsitzenden Jürgen Teschke kannte, brachte er sie zum Boxtraining des BC Dümpten. „Das ist nicht dein Ernst“, dachte damals Trainer Abi Guettari. Doch die Meinung änderte sich schnell. „Sie wurde von Woche zu Woche besser und ehrgeiziger, sie hat richtig Biss gehabt“, sagt der Coach.

Und warum ausgerechnet Boxen? „Früher war ich beim Turnen, habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Beim Boxen lernt man viel über Disziplin, ist immer auf sich selbst gestellt und muss in jeder Sekunde wachsam sein“, erklärt die Mülheimerin.

Mit zehn Jahren hatte sie ihren ersten Kampf. In Gronau war das. „Da war ich vorher richtig nervös“, erinnert sich Michelle Hatari. Dass dieser Einstand mit einer Niederlage endete, war halb so schlimm. Erfolge stellten sich später schnell ein. Der Niederrheinmeistertitel 2013 war der erste große Erfolg. Noch immer lebt die 1,68 Meter große Boxerin von ihrem Kampfgeist. „Sie bleibt immer am Ball“, sagt Trainer Guettari. „Ich gebe nicht auf. Wenn ich mal eine Runde verloren habe, dann spornt mich das nur noch mehr an“, sagt sie selbst.

Das Problem: Wirklich viele Kämpfe auf gutem Niveau gibt es für junge Frauen nicht. Die 27 Duelle, die Michelle Hatari in ihrer Statistik stehen hat, sind schon ungewöhnlich viele. Dafür reist sie mit ihren Trainern durch ganz Deutschland – und darüber hinaus. „Dieses Jahr haben wir ein Kampfangebot von der Schweizer Meisterin bekommen“, erzählt der Trainer stolz.

Diese ganzen Strapazen scheinen für die Elftklässlerin des Duisburger Sophie-Scholl-Berufskollegs kein Problem zu sein – im Gegenteil. Freiwillige Pausen gibt es nicht. „Bei der letzten DM in Saarbrücken hat sie die Titelverteidigerin geschlagen. Danach habe ich ihr eine Woche Trainingspause verordnet und sie wollte trotzdem in die Halle gekommen“, lacht Abi Guettari.

Von ihren Trainern beim BC Dümpten – neben Guettari sind das Frank Nierhaus, Paul Weizel, René Eckermann, Guido Thielen, Janusz Kaczyka und Manfred Henn – habe sie eine Menge gelernt. Zum Beispiel, dass die Schule an erster Stelle steht. „Mit den Trainern kann man viel Spaß haben, sie können aber auch richtig streng sein. Das muss aber auch so sein“, sagt die Boxerin. Dass beim Kadertraining fast nur Jungs dabei sind, hat sie vielleicht sogar stärker gemacht. „Im Verein sind wir eine Familie.“

Aktuell trainiert Michelle dreimal pro Woche, vor wichtigen Meisterschaften sogar jeden Tag. Ihre Beweglichkeit will sie noch verbessern, um im nächsten Jahr vielleicht endlich Deutsche Meisterin zu werden.