Luft anhalten und durch

Die Mannschaft, die den auf dem Beckenboden liegenden, mit Salzwasser gefüllten
Die Mannschaft, die den auf dem Beckenboden liegenden, mit Salzwasser gefüllten
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTO.DESIGN / WA

Unterwasserrugby ist ein Sport, von der die meisten Menschen wahrscheinlich noch nie gehört haben. In Mülheim hat dieser Sportexot eine langjährige Tradition, gilt die Stadt am Fluss doch als Geburtsort.

Auch das Saisonvorbereitungsturnier der „Goldene Ball“ wurde in Mülheim aus der Taufe gehoben und wird traditionell hier ausgetragen. „Es ist das älteste Unterwasserrugby-Turnier der Welt“, berichtet Christian Haack, der als 2. Vorsitzender für den TSC Mülheim verantwortlich zeichnet. Aufgeteilt ist das Turnier in einen „Jugendball“, bei dem der Nachwuchs zum Zuge kommt, den „Diamanten-Cup“, den reine Frauenmannschaften unter sich ausspielen und den klassischen „Goldenen Ball“. Eine niederländische Mannschaft aus Hilversum brachte zudem internationales Flair in das Turnier. Am Ende entschied das Team des DUC Köln den Titelkampf für sich, der TSC I belegte den siebten, den TSC II den achten Platz. Im direkten Duell trennten sich die beiden Mülheimer Mannschaften 1:1. Die Damen der FS Duisburg landeten auf dem ersten Rang.

Zwölf Minuten dauert ein Spiel beim Cup, jede Mannschaft ist mit sechs Spielern unter und bestenfalls ebenso vielen über Wasser vertreten. Das Wechselprinzip der Spieler ist von einer hohen Dynamik geprägt, erst wenn der Auszuwechselnde das Becken mit dem kompletten Körper verlassen hat, darf der Einzuwechselnde abtauchen. Damit das schnell vonstatten geht, springen die Spieler wie Robben aus dem Wasser und rollen sich am Beckenrand ab.

Für die gebotene Fairness sorgen zwei Unterwasser-Schiedsrichter, ein Unparteiischer beobachtet zusätzlich das Treiben von oben. Eine Pfeife haben die Schiedsrichter natürlich nicht im Mund, die würde schließlich keiner hören. „Die Schiedsrichter geben mit einer Autohupe ein Signal. Das Geräusch ist so laut, dass es sogar über Wasser noch gehört werden kann“, erklärt Haack.

Ob die Entscheidungen immer richtig waren oder welche Fehler eine Mannschaft gemacht hat, können sich die Teams noch einmal zu Hause ansehen. „Alle Mannschaften bekommen kurze Zeit nach dem Turnier eine geschnittene Zusammenfassung von uns zugeschickt“, so Haack. Unter Wasser sind Kameras installiert, die das Bild für die Zuschauer im Schwimmbad auf TV-Geräte zugänglich machen und auch jedes Spiel aufzeichnen.

Besonders interessiert ist Simon Berger aus Rheine, der beim „Jugendball“ am Freitag mitspielte, mit 14 Jahren aber noch zu jung für die Erwachsenen-Mannschaft ist. Im Ferienlager wurde er von den Leitern auf den Sport aufmerksam gemacht. „Mir hat es so gut gefallen, dass ich dafür mit Fußball aufgehört habe“, begründet der Nachwuchsspieler seine Passion.

Auf der Suche nach jungen Sportbegeisterten wirbt auch der 2. Vorsitzende des TSC immer um Nachwuchs: „Wer Interesse hat, darf unangemeldet zum Training kommen.“ Die Erwachsenen trainieren Dienstags und Freitags um 21 Uhr, die Jugend jeden Sonntag um 15 Uhr. Für Unterwasserrugby müsse man gut schwimmen und tauchen können. „Es geht uns nicht darum Tauchrekorde aufzustellen“, sagt Thomas Schmitz vom Organisationsteam und fügt hinzu: „Wir freuen uns natürlich auch über jeden Schwimmer, der keine Lust mehr darauf hat, Fliesen zu zählen.“

Die Faszination liegt im Raum

Die Luft anhalten müssen die Spieler aber schon können, denn der Einsatz einer Sauerstoffflasche ist den Schiedsrichtern vorbehalten. Zum Luftholen wird aufgetaucht, lediglich das Spielgerät muss sich stets in den tieferen Regionen aufhalten. Dabei eröffnet sich die entscheidende Komponente, die Unterwasserrugby auszeichnet: „Die große Faszination unseres Sports liegt im Raum. Unseren Spielern ist es vorbehalten auch über oder unter einem Gegner zu sein. Man kann einfach schwerelos durchs Spiel gleiten.“