Johanna nimmt Fahrt auf

Die Wintermonate waren lang und hart. Richtiges Wassertraining war für die Athletinnen und Athleten des Mülheimer Kanusport-Vereins (MKV) nicht möglich, zu riskant wäre es bei den Witterungsverhältnissen gewesen. Stattdessen richtete der Kanuverband NRW, Bezirk acht, eine Waldlaufserie aus. „Hauptsächlich, um fit zu bleiben, aber auch, um die Langeweile ein wenig zu vertreiben“, gibt Johanna Schimanski zu – denn auf dem Wasser fühlt sie sich um einiges wohler.

Seit 2012 fährt Johanna Kanu, seit zwei Jahren bei ihrer jetzigen Trainerin Irene Pepinghege. Anfänglich paddelte sie in der Breitensport-Gruppe, ehe Pepinghege sie entdeckte und förderte. Sechs, sieben Mal pro Woche trainiert Johanna mittlerweile. Und das zahlt sich aus. Im letzten Sommer erreichte sie bei den westdeutschen Meisterschaften Platz vier über 500 Meter, sowie Platz sieben über 200 Meter. Diese Platzierungen reichten, um bei den deutschen Meisterschaften starten zu dürfen. Auch dort konnte die 15-Jährige überzeugen, erreichte über 200 Meter Platz sechs und landete über 500 und 5000 Meter auf dem zehnten Platz. Hervorragende Ergebnisse – dennoch bleibt Johanna bescheiden. Sie ist keine, die mit ihren Erfolgen prahlt – ob trotzdem noch welche hinzukommen dürfen? „Ja klar, auf jeden Fall“, heißt es bestimmt.

Erste große Regatta in Essen

Gut also, dass die neue Saison ihre Schatten vorauswirft. Zwei Wochen nach den Osterferien steht in Essen die erste große Regatta an. Bis zu den großen Wettbewerben dauert es noch eine Weile, doch Johanna hat ihr Ziel schon fest im Blick. Bei den „Westdeutschen“ im benachbarten Duisburg will sie den A-Endlauf erreichen, um nach München fahren zu dürfen – dorthin, wo in diesem Sommer die nationalen Meisterschaften stattfinden. „Das ist auf jeden Fall mein großes Ziel für den Sommer“, erklärt sie. Dass es für sie zu schaffen ist, hat sie bereits 2014 unter Beweis gestellt, als sie sich für die Titelkämpfe in Hamburg qualifizierte und auch dort einen guten Eindruck hinterließ.

Das Erreichen der Endläufe der deutschen Meisterschaften brachte sie zudem erst im Februar nach Spanien. Anderthalb Wochen lang nahm sie in Aranjuez, knapp 50 Kilometer südlich von Madrid, am Trainingslager des Kanuverbands NRW teil. Bereits ihr zweites Trainingslager mit dem Landeskader, schon im Sommer ging es für Johanna nach Hannover. „Es war eine total coole Erfahrung und hat total viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich zurück, „es war richtig schön.“

Auf dem Niveau, auf dem Johanna mittlerweile fährt, kommt das Kanufahren der Schule ab und zu schon in die Quere. Auch zum Fototermin mit dieser Zeitung kommt sie direkt nach dem Unterricht. „Manchmal ist das schon etwas schwierig“, findet sie, „meistens kriegen wir das Lernen aber auf den Regatten unter.“

Dass es für Johanna so gut läuft, liegt auch an ihrer Trainerin. Irene Pepinghege war selbst erfolgreiche Kanutin, vielmalige Deutsche Meisterin und dreimalige Olympia-Teilnehmerin für Deutschland. Von Johanna spricht Irene Pepinghege in höchsten Tönen: „Sie hat sich in den letzten zwei Jahren enorm gesteigert, ist diszipliniert und sehr trainingsfleißig. Johanna ist sehr talentiert und arbeitet hart daran, noch besser zu werden.“ Die Wertschätzung ist beiderseitig: „Ich komme super mit ihr klar“, findet auch Johanna.

Und allmählich geht es auch auf dem Wasser wieder zur Sache. Zuletzt standen in Duisburg Testläufe für den NRW-Kader an. Über 250 und 2000 Meter fand „eine Art Sichtung“ statt, beschreibt Johanna. Es ging nicht um irgendwelche Qualifikationen, sondern darum, sich für den Kader zu präsentieren – was Johanna erneut geglückt ist. Mit Vollgas in die neue Saison! Johanna Schimanski ist auf dem Wasser derzeit eindeutig auf der Überholspur.