In die Welt der Härte abgetaucht

Attacke von hinten: Unterwasserrugby fordert den ganzen Mann. Foto: Olaf Fuhrmann
Attacke von hinten: Unterwasserrugby fordert den ganzen Mann. Foto: Olaf Fuhrmann
Foto: WAZ FotoPool

American Football auszuprobieren, war sehr hart. Ringen war ebenfalls sehr hart. Die Sportart, die ich heute ausprobiere, jedoch zeigt mir meine körperlichen Grenzen so deutlich auf, dass ich mich nur zum Teil ins Geschehen stürze.

Heute tauche ich in die Welt des Unterwasserrugbys ab. Holger Kempf ist Trainer der 1. Mannschaft des Tauchsportclubs Mülheim an der Ruhr e.V. und betreibt seinen Sport seit 37 Jahren. Er war Deutscher Meister, Dritter bei den Europameisterschaften und Senioren-Europameister. Wenn mir jemand einen kompetenten Einblick ins Unterwasserrugby geben kann, dann er.

Eine Mannschaft besteht aus insgesamt zwölf Spielern, wovon sechs aktiv ins Geschehen eingreifen und weitere sechs als Auswechselspieler zur Verfügung stehen oder vielmehr an der Wasseroberfläche das Treiben in der Tiefe beobachten. Der Ball ist in etwa so groß wie ein Handball und mit Salzwasser gefüllt. Er ist so schwer, dass er einerseits sofort auf den tiefen, tiefen – hier im Südbad 3,90 Meter exakt tiefen - Grund des Schwimmbeckens fällt, sobald man ihn loslässt, andererseits aber auch unter Wasser zu einem der Mitspieler gepasst werden kann.

Das Ziel des Spiels ist denkbar einfach: Der Ball muss in den am Boden des Schwimmbeckens stehenden Korb – koste es, was es wolle. Kratzen, beißen, schlagen und das Herunterreißen der Schwimmbrille ist verboten – ansonsten scheint alles erlaubt. Aus der Entfernung ist die Verbindung zum Football und Ringen nicht schwer herzustellen. Beim Unterwasserrugby darf nur der ballführende Spieler angegriffen werden und bis auf die soeben beschriebenen Aktionen darf alles getan werden, um ihm den Ball zu entreißen. Das führt dazu, dass der Spieler mit dem Ball sofort von gleich mehreren Akteuren der gegnerischen Mannschaft attackiert wird. Dabei ist nicht nur erwähnenswert, dass seine Gegenspieler versuchen, ihm den Ball abzunehmen. Angesichts des Milieus, in dem Unterwasserrugby gespielt wird, ist zu einem nicht unerheblichen Teil auch die Tatsache entscheidend, dass auch der trainierteste Spieler irgendwann den Drang verspürt, an die Oberfläche zu schwimmen, um Atemluft aufzunehmen.

Für mich beginnt das Training mit dem Anlegen der Schwimmflossen, der Taucherbrille und des Schnorchels. Die erste Übung soll sein, dass ich mich im flachen Teil des Beckens einfach auf den Boden sinken lassen. Was einfach klingt, stellt sich als nicht unkompliziert heraus. Holger Kempf verabschiedet sich von der Wasseroberfläche und gleitet laut- und bewegungslos nach unten. Was bei ihm mühelos und einfach aussieht, gelingt mir nur mit Einsatz beider Arme und der Schwimmflossen. Nur so gelange auch ich auf den Grund, der in diesem Teil des Beckens vielleicht gerade ´mal zwei Meter tief liegt. Nach dem Auftauchen erinnere ich mich ganz plötzlich daran, was mir der Trainer vor dem Abtauchen gesagt hatte: „Nach dem Auftauchen sofort den Schnorchel ausblasen!“ Auch das ist nicht so einfach, wie es klingt. Da die Atemhilfe beim Tauchgang natürlich mit Wasser vollläuft, muss es wieder ´raus, bevor man den Schnorchel wieder benutzen kann. Auch dafür benötige ich mehrere Versuche, nach denen ich zunächst erst ´mal keinen Durst mehr habe.

Nachdem also das Tauchen an sich einigermaßen funktioniert, geht es an die Fortbewegung unter Wasser. Knapp unter der Oberfläche tauchen Kempf und ich nebeneinander und einander zugewandt her. Im nächsten Schritt passen wir uns den Ball unter Wasser zu und ich bin erstaunt, wie unerwartet gut sich der Ball tatsächlich spielen lässt. Nachdem ich mit fortschreitendem Training einigermaßen mit Brille und Schnorchel klar komme und mich auch an das doch nicht unerhebliche Gewicht des Balles gewöhnt habe, wage ich den Vorstoß in bisher ungeahnte Tiefen, tauche hinab und platziere den Ball im zweiten Versuch im Korb. Danach schaffe ich es gerade noch rechtzeitig an die Wasseroberfläche. Es war sehr interessant und hat Spaß gemacht – nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich auch nur einen einzigen Gegenspieler gehabt hätte!

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