Gäste aus allen Himmelsrichtungen

Dass das hiesige Sportpublikum abseits des karnevalistischen Treibens mit einem besonderen Leckerbissen versorgt wird, ist dem HTC Uhlenhorst zu verdanken. Der deutsche Hallenhockey-Meister vom 2014 hatte sich im vergangenen Jahr etwas getraut, als er seine Bewerbung für den Halleneuropapokal der Landesmeister auf die Reise geschickt hatte - und mit dem Zuschlag belohnt wurde. Nach der mehrmonatigen Vorbereitungsphase hält der kontinentale Hochadel der schnellen und torreichen Disziplin Einzug in die RWE-Sporthalle, die sich von Freitag bis Sonntag wieder in der internationalen Ausrichtung zeigen wird.

Die Gäste des HTCU kommen aus ziemlich nah und ganz fern. Eine vergleichsweise kurze Anreise hat der Royal Hockey. Club aus dem belgischen Namur. Mehr Zeit investieren müssen der East Grin-stead HC aus England, der HC Rotweiss Wettingen aus der Schweiz, der SV Arminen aus Österreich und der Partille SC aus dem schwedischen Göteborg. Knapp 1800 Kilometer müssen die Madrilenen des Club SV Complutense investieren, um an der Ruhr den Spielbetrieb aufzunehmen. Doch was ist das schon im Vergleich zu den weit gereisten Russen. Yekaterinburg, die Heimat des Landesmeisters Dinamo am Ural, ist rund 4200 Kilometer von Mülheim entfernt.

Für den 17-jährigen Uhlenhorster A-Kader-Nationalspieler Timm Herzbruch ist der MWB-Europacup das erste große internationale Turnier mit dem HTCU: „Das ist eine große Sache für mich. Beim Titelgewinn in der Halle in 2014 war ich noch Jugendspieler und konnte nur zuschauen und anfeuern. Und jetzt habe ich in meinem ersten Jahr als Herrenspieler gleich die Möglichkeit, mit meinem Verein einen internationalen Titel zu gewinnen – und das auch noch zuhause vor unseren Fans. Da ist die Aufregung natürlich groß, aber die Vorfreude noch viel größer!“

Dass es für den jungen Wilden an der Seite seiner Klubkollegen Thilo Stralkowski und Ferdinand Weinke am Wochenende bei der WM in Leipzig nicht für Gold, sondern „nur“ für Bronze gereicht hat, wird laut HTCU-Chef Christian Häbel den Blick auf das europäische Heimspiel nicht verdunkeln: „Die Jungs sind heiß und wollen gewinnen. Das Potenzial dazu haben sie allemal. Mit dem Gewinn des Landesmeistertitels will sich die Mannschaft den letzten Kick für die Fortsetzung der Bundesliga auf dem Feld holen.“

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. In diesem speziellen Fall kommt noch eine gravierende spieltechnische Herausforderung dazu. Gespielt wird beim MWB-Europacup im internationalen Hockey-5-Modus mit vier Feldspielern plus Torwart. In der vergangenen Hallensaison hatte auch die deutsche Bundesliga so gespielt, doch der DHB hatte sich entschieden, wieder zum alten Spielmodus mit fünf Feldspielern plus Torwart zurückzukehren. Alle anderen HockeyVerbände in Europa sind jedoch beim Hockey-5 geblieben und in dieser Spielform eingespielt. Das ist sicherlich nicht vorteilhaft für das Uhlenhorster Team, das nach der DM-Endrunde ein Berlin eiligst den Schalter umgelegt hat.

„Dies bedeutet für uns natürlich eine große Umstellung, vor allem auch in taktischer Hinsicht. Die anderen Teams haben da natürlich einen Vorteil. Aber wir haben sehr gute individuelle Spieler und sind in dem Modus ja im vergangenen Jahr auch deutscher Meister geworden. Insofern rechnen wir uns schon etwas aus. Mit Wettingen und dem East Grinstead HC warten allerdings schon in der Gruppenphase zwei ganz starke Gegner auf uns.“, so die Uhlenhorster Trainerin Tina Bachmann.