„Fußballer sind von Grund auf faul“

Ein Speldorfer im Fernsehen. Das gibt es nicht alle Tage. VfB-Trainer Christian Mikolajczak war am Montag – wenn auch nicht in dieser Funktion – zu Gast bei „Kicker.tv – der Talk“ auf Eurosport und sprach über das Thema, was mit Profi-Fußballern nach der Karriere passiert.

Laut der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV) haben 75 Prozent der Fußballer nach ihrer Karriere keine berufliche Qualifikation. Nur etwa zehn Prozent haben finanziell ausgesorgt. Christian Mikolajczak landete selbst zweimal im Camp, das die VDV jeden Sommer für vertragslose Spieler anbietet. Beim ersten Mal nahm ihn der SV Elversberg unter Vertrag. Beim zweiten Campbesuch wartete er vergeblich auf ein Angebot. Der letzte Versuch hieß Vietnam. „Als ich im Flieger saß, wusste ich: Deutschland ist vorbei“, erzählt der heute 35-Jährige, der 13-mal in der ersten und 152-mal in der zweiten Bundesliga aufgelaufen ist.

Warum es viele Profis nach der Karriere schwer haben, weiß Mikolajczak genau. „Fußballer sind von Grund auf faul. Solange man auf diesem Karussell sitzt, hat man wenig Lust zu lernen“, sagt er. Auch er selbst habe sich erst ganz am Ende Gedanken über die Zukunft gemacht. Allerdings hat der ehemalige Schalker früh einen Teil seiner Einkünfte zurückgelegt. „Dafür klopfe ich mir heute noch auf die Schulter“, sagt Mikolajczak. Um auch in der Zukunft ohne den Leistungssport erfolgreich zu sein, dafür sei Eigeninitiative erforderlich. „Da ist die Frage: mache ich das oder lasse ich mir alles nachtragen?“ Vor allem durch den früheren Manager Rudi Assauer sei Mikolajczak zu einer gewissen Demut erzogen worden. „Wir sollten damals nicht sofort mit dem teuren Mercedes vorfahren. Ich hatte dann ein Auto, das aussah, als würde ich die Post bringen“, erinnert sich der Ex-Schalker.

Ein Film mit Mikolajczak zeigt, was mit Fußballern nach der Karriere passieren kann. „Wir haben den Film in mehreren Nachwuchsleistungszentren gezeigt und den Jungs gesagt: glaubt an euren Traum aber vergesst nicht, was danach kommt.“ Wie der Wechsel vom Sport in den Beruf funktionieren kann, hat der 35-Jährige erlebt. Er arbeitet heute als Feuerwehrmann in Oberhausen. „Es ist vergleichbar, wir müssen auch funktionieren, wenn wir rausmüssen. Aber vor allem habe ich etwas gefunden, was mich glücklich macht.“