Furioses Finale im Sprinttempo
07.02.2012 | 18:03 Uhr 2012-02-07T18:03:00+0100Bei diesen Temperaturen ist es verständlich, dass die Ruderer ihr Training von den Gewässern in die Halle verlagert haben. Der Ruder-Ergometer ist ein Trainingsgerät, das die Belastung beim Rudern realitätsnah simulieren kann. In den Monaten, in denen die Gewässer wegen der jahreszeitlichen Bedingungen nicht genutzt werden können, verbringen die Sportler den Großteil ihrer Trainingszeit auf diesen Apparaten, die an ein Boot ohne Bug und Heck sowie mit zur Hälfte abgeschnittenen Rudern erinnern.
Die Veranstalter des NRWV-Indoor-Cups haben aus der alljährlichen Not eine Tugend gemacht. Zum 17. Mal fand am Wochenende das Finale der Deutschen Indoor Rowing Serie, der Deutschen Ruderergometer-Meisterschaft, statt und zum 14. Mal war die THG-Halle in Kettwig der Austragungsort. Aus Mülheim war die Besatzung des Achters der Renn-Ruder-Gemeinschaft (RRGM) am Start.
Wer die Halle betritt, erkennt kaum noch den klassischen Sporthallen-Charakter. Ganz unweigerlich - und ob man möchte oder nicht - drängt sich der Begriff Event auf. Im riesigen Raum ist es sehr, sehr dunkel. Die Zuschauertribüne ist dabei ebenso spärlich beleuchtet wie der Bereich vor und hinter der Bühne. Zwei in der Halle aufgestellte Leinwände erlauben es jedem der über den Tag etwa 1.100 Aktiven, Mitgereisten und Zuschauer, die Rennen auf den Ergometern live zu verfolgen. Dazu gibt es reichlich buntes Licht, dröhnende, rhythmische Musik und die frenetischen Anfeuerungsrufe der Anhänger jener, die soeben die 350 Meter-Renndistanz hinter sich bringen. Auf der in hartem Kontrast zum Rest des Raumes strahlend hell erleuchteten Bühne ist eine lange Reihe von Ruder-Ergometern aufgestellt. Es müssen mindestens 24 sein, denn als die drei angereisten Achter-Besatzungen gegeneinander antreten, findet jeder der Athleten ein eigenes Gerät vor.
Die Tatsache, dass hinter jeder Apparatur ein Helfer steht, der den Ergometer festhält, damit er sich bei der Kraft, die von den Teilnehmern freigesetzt wird, nicht von der Stelle bewegt, gestaltet die Szenerie noch eindrucksvoller: 24 Ruderer setzen über einen Zeitraum von einer knappen Minute ihre ganze Kraft frei, während je ein Helfer bemüht ist, die Auswirkungen auf das Sportgerät einigermaßen im Zaum zu halten. Aus den Leistungen der acht zu ihrem Team Gehörenden wird ein Mittelwert gebildet, der dann als Gesamtleistung in das Wettkampfergebnis einfließt. Nach nicht einmal einer Minute ist alles vorbei und die Mülheimer haben weder Grund zum Ärger noch zu überbordender Freude, denn sie sind mit einer Zeit von 56 Sekunden auf dem Mittelplatz gelandet, als sowohl Vorletzter als auch Zweiter.
Martin Tschäge ist Schlagmann und Teamleiter des Mülheimer Achters in Personalunion und mit der Veranstaltung im Allgemeinen und der Veranstaltung im Besonderen zufrieden: „Wir testen im Winter ohnehin auf 350 Meter und da kam uns dieser Wettkampf hier sehr gelegen. Im Winter sind wir für jeden Wettkampf dankbar und hinzu kommt natürlich, dass Kettwig direkt um die Ecke ist. Da fiel die Entscheidung, hier teilzunehmen, nicht schwer. In der Endabrechnung sind wir auf Platz drei gelandet“, so Tschäge. Tatsächlich erreichten die Mülheimer die drittschnellste Zeit aller Teams, die an den Veranstaltungen in Kassel, Berlin und Hanau teilgenommen haben. „Bonn und Leverkusen haben zeitgleich gewonnen“, ergänzt Tschäge. Im nächsten Jahr wird es eine Neuauflage geben und die RRGM-Crew wird sich die Teilnahme nicht nehmen lassen.
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