Feinschliff für ein großes Ziel

Uwe Schumann (li.) hat Johannes Behr (re.) zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft der Gehörlosen in seine Tennisakademie PMTR in Saarn aufgenommen.
Uwe Schumann (li.) hat Johannes Behr (re.) zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft der Gehörlosen in seine Tennisakademie PMTR in Saarn aufgenommen.
Foto: Funke Foto Services
In der Akademie PMTR bereitet sich Johannes Behr (18) seit Anfang Juliauf die Junioren-WM der Gehörlosen vor. Sein Traum ist der Weltmeistertitel

Johannes Behr (18) hat ein großes Ziel vor Augen. Er will Weltmeister werden. Im Tennis. Doch seine Gegner heißen nicht Novak Djokovic oder Roger Federer, denn der Essener ist seit seiner Geburt gehörlos. Um sein großes Ziel bei der Junioren-WM in Nottingham ab dem 21. Juli zu erreichen, bereitet sich der 18-Jährige seit Anfang Juni in der Saarner Tennisakademie PMTR an der Mintarder Straße vor.

Seit seiner Geburt ist der heute Teenager taub. „Meine Eltern haben, als ich drei Jahre alt war, endgültig festgestellt, dass ich taub bin“, erzählt er heute. Zunächst bekam er an beiden Seiten Hörgeräte, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg lieferten. Seit 2006 besitzt Johannes das sogenannte Cochlea-Implantat, eine Hörprothese für Gehörlose, deren Hörnerv noch funktioniert. Dank dieses Implantats kann er sich heute völlig normal verständigen. Auch auf dem Tennisplatz.

Angefangen hat die sportliche Karriere von Johannes Behr aber als Fußballer. Als sich sein damaliger Verein auflöste, lockte ihn sein Nachbar, der Klubwirt einer Tennisanlage war, zum „weißen Sport“. „Das hat mir echt gut gefallen und ich bin dabei geblieben“, sagt er.

Viermal deutscher Jugendmeister

Obwohl der Akteur von Blau-Weiß Bottrop erst kürzlich in die Nachwuchseliteförderung der Deutschen Sporthilfe aufgenommen wurde und zuletzt viermal in Folge deutscher Jugendmeister der Gehörlosen war, spürte er seit etwa einem halben Jahr einen Stillstand in seiner sportlichen Entwicklung. „Noah Borges hat mir dann die Anlage in Mülheim empfohlen und ich habe den Schritt auch noch nicht bereut“, erzählt Johannes Behr.

PMTR-Chef Uwe Schumann zögerte ebenfalls nicht lange, den 18-Jährigen in seiner Akademie aufzunehmen und ihn gezielt auf die Weltmeisterschaft der Junioren vorzubereiten. Schumann & Co. erstellten unter dem Namen „Projekt WM 2015“ ein speziell auf Johannes Behr zugeschnittenes, sechswöchiges Konzept, das neben Einzel- und Gruppentraining auch die Teilnahme an zwei Turnieren vorsieht. Gecoacht wird der 18-Jährige an der Mintarder Straße vor allem von Stefan Loose und Michael Schmidtmann – „Also den besten Trainern, die wir haben“, wie Schumann sagt.

Tolle Entwicklung

Mit der bisherigen Entwicklung seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit sind sowohl der Akademie-Leiter als auch der Schützling zufrieden. „Johannes ist sehr lernwillig“, lobt Schumann. Der Spieler selbst sagt: „Im taktischen Bereich habe ich mich auf jeden Fall schon verbessert.“

Bei zwei Ranglistenturnieren an den beiden kommenden Wochenenden soll Johannes Behr die nötige Spielpraxis sammeln, ehe es am 21. Juli rüber geht nach England. Vor Ort wird er von zwei Nationaltrainern betreut. Die Verantwortlichen aus Mülheim werden aber auch bei einigen Begegnungen vor Ort sein.

Für die Titelkämpfe hat sich der 18-Jährige sein persönliches Ziel längst gesteckt. „Na, Weltmeister werden! Dafür bin ich doch hier“, sagt er mit einem Strahlen im Gesicht. Als Vierter der deutschen Herrenrangliste und 60. der Weltrangliste gehört Johannes in Nottingham zumindest zum Kreis der Favoriten. „Völlig aus der Luft gegriffen ist das Ziel deshalb also nicht“, sagt Uwe Schumann, doch der PMTR-Chef weiß auch: „Er muss von Partie zu Partie gucken, von Spiel zu Spiel und von Punkt zu Punkt.“