Ein perfekter Kaltstart

Die Aufsteigerin aus Mülheim: Katharina Windfeder (rechts) bestreitet am Mittwoch bei der Hallen-WM in Leipzig ihr erstes Länderspiel.
Die Aufsteigerin aus Mülheim: Katharina Windfeder (rechts) bestreitet am Mittwoch bei der Hallen-WM in Leipzig ihr erstes Länderspiel.
Foto: WAZ FotoPool

Das macht der jungen Dame so schnell niemand nach. Während sich die ambitionierten Spielerinnen über die diversen Nachwuchsteams des Deutschen Hockey-Bundes an die Königsklasse heranpirschen, wählte die 21-jährige Katharina Windfeder vom Bundesligisten HTC Uhlenhorst den schnurgeraden und damit den denkbar kürzesten Weg. Am Mittwoch, 11.30 Uhr, wird die Mülheimerin in der Arena Leipzig beim Start in die Gruppenphase der WM 2015 gegen Belgien ihr Länderspiel-Debüt geben, nachdem sie sich zuvor nicht ins internationale Geschehen gedrängt hatte und in keinem DHB-Team zu finden war.

„Das ist ein schöner Kaltstart“, freute sich die Mülheimerin nach der Berufung in den erweiterten Kader. „Ich war total überrascht über den Anruf, habe mich aber zugleich auch wahnsinnig gefreut, denn ich spiele noch lieber in der Halle als auf dem Feld.“ Die ganz große Überraschung setzte ein, als sie nach dem Lehrgang das WM-Ticket löste.

Der Hockey-Sport ist bei den Windfeders eine heilige Familienangelegenheit und wird ohne Wenn und Aber weitervererbt. Eine oder ein Windfeder abseits des schnellen Spiels mit Schläger und Ball? Einfach undenkbar! Papa Christian hat es vorgemacht, Onkel Hanns-Peter hat ihr als langjähriger Trainer das ABC der Disziplin vermittelt, der jüngere Bruder Lukas ist gestandener A-Nationalspieler und mit dem Ritterschlag des Champions-Trophy-Titelgewinns geadelt, Schwester Anna ist ebenfalls am Ball. „Bei den B-Mächen habe ich beim HTCU angefangen.“ Und es war klar, dass nach diesem frühen Start kein Ende abzusehen ist. Das Hockey-Fieber lässt auch dieses Mitglied des Windfeder-Clans nicht los, mittlerweile gilt die Abwehrspezialistin als gestandene Erstliga-Spielerin und hat sich das WM-Ticket im aufreibenden Nominierungsprozess redlich verdient.

Dem globalen Indoor-Reigen in der Messestadt fiebert das Uhlenhorster Urgestein, das in Düsseldorf Modemanagement studiert, entgegen. „Ich bin glücklich, dabei zu sein. Ich habe gehört, wie toll es ist, in der vollen Arena zu spielen. Ich werde ganz gewiss viele Erfahrungen sammeln und bin happy, dass ich das alles mitnehmen darf.“ Bei der Anhäufung dieses Schatzes ist sie nicht allein. Die Eltern werden ebenso vor Ort sein wie Schwester Anna und Bruder Lukas („Sonst schaue ich ihm zu, jetzt lässt er es sich natürlich nicht nehmen, mich anzufeuern.“), Freund Jan Nitschke und Onkel Hanns-Peter Windfeder. Als Trainer kennt er das große Potenzial seines Schützlings aus dem Effeff: „Sie hat das Spiel verstanden, das kann man nicht von ganz so vielen behaupten. Bei ihrer Größe ist sie sehr beweglich. Dazu kommt ihre Reichweite. An Katharina kommt fast keine gegnerische Spielerin vorbei.“

Wer mit Blick auf die Länderspiele mit einer glatten Null anreist (das geschah direkt nach dem DM-Finale von Berlin aus, während die Mitspielerinnen zurück nach Mülheim zur großen Party düsten), bedient sich schon einer gewissen Bescheidenheit. „Als fünfte Verteidigerin gehe ich nicht gerade von Rieseneinsatzzeiten aus, aber es ist allein schon ein tolles Gefühl, zu den zwölf Nationalspielerinnen zu zählen.“ Wenn sich die Aufsteigerin da nicht verrechnet. Die zurückliegenden Wochen gehörten ihr, als frischgebackene deutsche Vizemeisterin nimmt sie bei der WM daheim den Spielbetrieb auf. Und da ist noch ein ganz besonderer und verdienstvoller Vermerk auf Katharinas Visitenkarte: Eine Jury hat sie zur besten Feldspielerin der DM-Endrunde gewählt. Ehre, wem Ehre gebührt! Keine Frage, nach dem Bruder ist auch die Schwester durchgestartet.

Als Neuling hat sie im DHB-Team aus dem Stand Fuß gefasst und freut sich auf ein großes WM-Fest. „Da sind junge und ältere, kleine und große Spielerinnen. Das ist ein guter Mix, in dem es keinen Zickenkrieg geben wird.“ Vorhang auf für Katharina Windfeders WM-Debüt!