Dynamik in drei Dimensionen

Gut ausgerüstet für den Tauchgang: Die TSC-Talente Jan Scheerer (li.) und Matthias Schiffer. Foto Umbach
Gut ausgerüstet für den Tauchgang: Die TSC-Talente Jan Scheerer (li.) und Matthias Schiffer. Foto Umbach
Foto: WAZ FotoPool

Jan Scheerer und Matthias Schiffer, Unterwasser-Rugby-Nachwuchsspieler des Tauch-Sport-Clubs (TSC) Mülheim, wurden im Oktober mit der Spielgemeinschaft Rheine/Mülheim/Duisburg Deutscher Jugendmeister.

Für den 16-jährigen Essener Jan war der Gewinn des U18-Meistertitels ein Glücksfall und der größte Erfolg in seiner jungen Unterwasserrugby-Karriere. „Ich war der jüngste und unerfahrenste Spieler des Teams“, sagte der Gymnasiast und fuhr fort: „Da ist man stolz, an einem solchen Erfolg beteiligt zu sein.“ Matthias, 18 Jahre alt, war am Sieg des U21-Teams der SG Rheine/Duisburg/Mülheim beteiligt. Auch für ihn ist der nationale Titel der bisherige Höhepunkt in seiner Laufbahn.

Wie kamen zwei junge Männer auf die Idee, eine solch exotische Sportart wie Unterwasser-Rugby zu betreiben? „Ich tauchte bereits im TSC Mülheim und nahm dann vor drei Jahren an einem Rugby-Workshop teil. Ich wollte etwas Neues ausprobieren und bin dabei geblieben“, erklärt der 18-Jährige Matthias Schiffer. Für Jan verlief der Einstieg in den körperbetonten Sport nicht so geradlinig. Sein Bruder Paul schleppte ihn einfach mit zum Training. „Beim ersten Versuch war ich vom Tauchen generell nicht begeistert. Laut meiner Mutter war ich wohl schon als Kleinkind geradezu wasserscheu.“ Ein Jahr später packte ihn dann aber doch das Unterwasserrugby-Fieber.

Ganz anders verhält es sich bei Matthias. Auf ihn übte das Medium Wasser schon immer eine große Faszination aus. Daraus entstand auch der Berufswunsch des Gesamtschülers. „Ich möchte Meeresbiologie studieren“, formuliert der Elftklässler einen klaren Zukunftsplan. Auch Jan weiß schon genau, wie es nach dem Abitur weitergehen soll. „Ich möchte Informatik studieren. Das Programmieren macht mir großen Spaß“, so der Essener, der Klasse elf besucht.

Eine Leidenschaft teilen die Vereinskollegen: Die Begeisterung für die dynamische Mannschaftssportart Unterwasserrugby. „Die völlige Bewegungsfreiheit in allen Richtungen ist schon etwas ganz besonderes“, beschreibt Jan Scheerer die Einzigartigkeit eines Spiels im dreidimensionalen Raum. Daraus resultiert eine weitere Besonderheit dieser Randsportart. „Das Spiel ist unheimlich schnell. Es ist schwer den Überblick zu behalten. Anders als beim Fußball ist nicht alles offensichtlich, man muss häufig instinktiv erahnen, wo Gegner und Ball sich gerade befinden“, beschreibt Matthias. Durch die Ausstattung mit Flossen erreichen die Athleten hohe Geschwindigkeiten und können beschleunigen.

Aufgrund der besonderen Umstände muss ein Spieler daher spezielle Anforderungen erfüllen. Reaktionsschnelligkeit und geschickter Umgang mit dem Ball sind ebenso wichtig wie Kraft und Kondition. Unter der Wasseroberfläche geht es nämlich schonungslos zur Sache. Auch Frauen, die in der Männermannschaft mitspielen dürfen, bekommen keinen Sonderbonus. „Sie sind schneller und wendiger. Daher müssen wir sie genauso hart angehen wie jeden Mann auch“, erklärt. Im Unterwasserrugby ist halt kein Platz für Gentlemen.

Die Jugendlichen werden in dieser Saison zum ersten Mal mit der Herrenmannschaft in der Bundesliga um Punkte kämpfen. Ihre Zielsetzung ist dabei sehr ähnlich. „Möglichst viel Spielzeit bekommen, Erfahrung sammeln und Spaß haben“, sagen die Talente unisono. Beide rechnen sich gute Chancen aus, im Bundesliga-Team des TSC Fuß zu fassen. Einmal wöchentlich werden sie beim Männertraining ihre Fähigkeiten verbessern und ebenfalls einmal pro Woche mit der TSC-Jugend trainieren. Kurz vor Meisterschaften stehen weitere Einheiten mit den Tauchern aus Rheine und Duisburg auf dem Programm.

Am Samstag, 6. November, wird Youngster Jan Scheerer mit dem TSC Mülheim um den „Goldenen Ball“ kämpfen. Matthias Schiffer kann beim ältesten Unterwasserrugby-Turnier in Deutschland nicht dabei sein.

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