Die Glücksbringer des VfB Speldorf

Vollgas im Training: In dieser Szene sprinten die F3-Kicker des VfB Speldorf um die Wette.
Vollgas im Training: In dieser Szene sprinten die F3-Kicker des VfB Speldorf um die Wette.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Anfang der Saison wurde in Speldorf eine neue F3 gegründet, die bisher 111 Tore erzielt hat . Das Beispiel zeigt: In Mülheim gibt es jede Menge Talente.

In Mülheim gibt es keine guten Fußballer? Dieses Gerücht hält sich in einer Stadt, in der die beste Männermannschaft nur in der Landesliga spielt, doch sehr hartnäckig. Dabei gibt es auch in der hiesigen Szene jede Menge Talente. Gerade in den ganz unteren Jugendklassen gehen sie ohne den großen Leistungsdruck fröhlich auf Torejagd. Die Sportredaktion hat sich einmal bei der F-Jugend des VfB Speldorf umgeschaut.

Der Klub hat erst im vergangenen Sommer eine neue F3 gegründet. Der Großteil der damals 13 Kinder waren Fußballneulinge. Mittlerweile können die beiden Trainer Kevin Rühl und Andreas Henseleit auf über 20 Nachwuchskicker zurückgreifen. Gut, dass Kevins Vater Thomas und Andreas Tochter Alina auch ständig beim Training dabei sind und die beiden Coaches unterstützen.

Der VfB geht in der sogenannten Fair-Play-Liga an den Start. Offizielle Ergebnisse gibt es nicht, hier soll der Spielspaß im Vordergrund stehen. Aber man wird ja wohl mal zählen dürfen. 111 Tore haben die Speldorfer Jungkicker in bislang elf Spielen erzielt. „Damit sind wir zumindest inoffiziell Meister geworden“, freut sich Andreas Henseleit, der bereits seit 25 Jahren eine zweite Heimat beim VfB gefunden hat.

Vom Fanbetreuer zum Jugendtrainer

Der ehemalige Fanbetreuer begleitete die Mannschaft anfangs nur wegen seines Sohnes, der als Torwart der F3 agiert. Später wurde er zum Betreuer und sprang schließlich sogar als Trainer ein. „Es macht einfach nur Spaß mit den Jungs“, strahlt der Coach und fährt fort: „Einige aus der Mannschaft können schon richtig gut Fußball spielen. Das freut einen dann natürlich besonders.“

Wie zum Beispiel Noah Candir. Der Torjäger könnte eigentlich noch bei den Bambini spielen, wäre dort aber unterfordert. „Er hat bestimmt schon 50 Tore in dieser Saison geschossen“, freut sich sein Trainer. Eine kurze Beobachtung der laufenden Trainingseinheit zeigt: der kleine Noah hat tatsächlich schon eine bemerkenswerte Schusstechnik und versenkt beinahe jeden Schuss mit traumhafter Sicherheit im oberen Winkel des Tores.

Nach den zahlreichen Erfolgserlebnissen und den über 100 Toren ist Trainer Andreas Henseleit besonders auf einen Moment gespannt: die erste Niederlage. „Ich bin wirklich gespannt, was dann passiert und wie die Jungs damit umgehen.“ Dies wird aber frühestens in der kommenden Saison passieren, wenn ein Großteil der Spieler in die F2 wechselt. Denn am letzten Spieltag hat der VfB spielfrei.

Selbstredend steht für die Nachwuchsfußballer nicht nur der sportliche Erfolg im Mittelpunkt. „Wir treffen uns auch außerhalb des Fußballs und unternehmen was mit den Jungs“, erzählt der Coach. Die Mannschaftsfahrt führt die Speldorfer nach Kalkar. „An spielfreien Wochenenden haben wir uns trotzdem ift zum Kicken getroffen.“

Außerdem treibt Henseleit mit seiner Truppe die Verschmelzung zwischen den Herren und der Jugend in Speldorf voran. Bereits zweimal in der nun abgelaufenen Saison waren die F3- und Bambini-Kicker als Einlaufkinder bei der ersten Mannschaft im Einsatz. Oliver Röder, Trainer der Landesligamannschaft, sollte die Talente vielleicht öfter als Glücksbringer „verpflichten“. Denn das Duell gegen Niederwenigern, bei dem die Kids zum ersten Mal mit den VfB-Herren einliefen, endete mit einem 3:1-Sieg für Speldorf. Am vergangenen Sonntag feierte der VfB sogar einen 4:0-Sieg gegen Rhede.