„Die Chemie in der Mannschaft stimmt“

Übernahm die HTCU-Damen 2009 auf dem letzten Platz der Regionalliga: Hanns-Peter Windfeder.
Übernahm die HTCU-Damen 2009 auf dem letzten Platz der Regionalliga: Hanns-Peter Windfeder.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hanns-Peter Windfeder blickt im Interview auf die Endrunde der HTCU-Damen voraus und beschreibt die Entwicklung der Mannschaft

Mit gleich zwei Mannschaften fährt der HTC Uhlenhorst am Wochenende zur Endrunde um die deutsche Hallenhockey-Meisterschaft. Für die große Überraschung sorgten dabei die Mülheimer Damen. Vor dem FinalFour sprach HTCU Trainer Hanns-Peter Windfeder (50) mit Gerd Böttner und Marcel Dronia über die Entwicklung seines Teams.

Hand aufs Herz, haben sie vor der Saison geglaubt, dass sie mit ihren Damen im Januar zweimal nach Berlin fahren?

Um ehrlich zu sein: ich hatte für das Viertelfinale eigentlich Urlaub geplant. Wir fahren mit allen Uhlenhorstern immer in den Skiurlaub. Wenn Köln zweimal vollbesetzt gegen uns gespielt hätte, dann wäre es auch genauso gekommen, so ehrlich muss man als Trainer schon bleiben. Aber wir hatten uns schon vorgenommen, als lachender Dritter zur Stelle zu sein, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Vor der Saison haben sich mit Pia Lhotak und Darja Möllenberg zwei Führungsspielerinnen in Richtung Düsseldorf verabschiedet. Was ist dann in der Mannschaft passiert?

Sie waren eben keine Führungsspielerinnen, nur sehr gute Hockeyspielerinnen, keine Frage! Aber jetzt haben sich andere Spielerinnen herauskristallisiert, die charakterlich die Mannschaft führen – Katharina Windfeder, Antonia Zengerle oder Hanna Valentin, aber auch die etwas erfahrenren Spielerinnen wie Mirja Zöller, Daniela Terber oder Dinah Grote. Die Chemie stimmt.

Was schätzen Sie an ihrem Team besonders?

Tatsächlich diesen unglaublichen Zusammenhalt. Das gilt auf und neben dem Platz. Wir haben eine klare Rollenverteilung, jeder hat seinen Job. Fantastisch finde ich, dass die Mädels immer wieder etwas lernen und sich weiterentwickeln wollen.

Zwei deutliche Niederlagen am Ende der Vorrunde und dann das Gastspiel in Berlin vor Augen. Mal ehrlich, da muss es doch ein mulmiges Gefühl gegeben haben ...

Ehrlich gesagt nicht. Vieles spielt sich im Unterbewusstsein ab und deswegen kann man nach zwei solchen Enttäuschungen bei sich selbst automatisch auf eine Gegenreaktion hoffen. Wichtig war es, danach alles anders zu machen.

„In Berlin hatten wir kaum Wacker drin“

Ihre Mannschaft hat Sie schon oft überrascht. Wie groß war die Überraschung im Viertelfinale?

Überrascht war ich wirklich, wie diszipliniert manch eine über die Saison zugehört und es dann aufs Parkett gebracht hat. Das betrifft gerade die Abwehrarbeit. Das fand ich stark, wir hatten kaum Wackler drin.

Was bedeutet die Endrundenteilnahme für den eigentlich vom Herrenhockey geprägten HTCU?

Der ganze Klub freut sich ein Loch in den Bauch. Wir werden oft angerufen und angesprochen. Das Team ist sympathisch und unproblematisch. Wir arbeiten aber daran, dass wir noch mehr Beachtung finden, denn ein Budget für das Damenhockey gibt es eigentlich gar nicht. Dabei ist der Bereich der Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren der am größten wachsende im deutschen Hockeybund. Mein größter Wunsch wäre ein professioneller Trainer für den weiblichen Nachwuchsbereich als Pendant zu Arndt Herzbruch bei den Jungen.

Die Finalteilnahme wäre das Sahnehäubchen. Sind Sie optimistisch, dass die Hürde Harvestehude genommen werden kann?

Optimistisch wäre übertrieben. Der HTHC ist genauso schwer zu nehmen wie der BHC, aber den haben wir auch geschlagen. Die Rolle als Außenseiter liegt uns. Wir gehen die ganze Sache realistisch an, werden aber niemanden auch nur einen Centimeter schenken.

Egal wie die Enrunde ausgeht, werden auch Ihre Damen hinterher kräftig feiern. Wir das Klubhaus am Montag noch stehen?

Da haben die Uhlenhorster auch in der Generation echt was drauf, das wird wohl gentechnisch vererbt. Die Mädels sind da auch ganz vorne dabei, feiern können die richtig und ich finde das auch super.

„Ich bin einfach ein Uhlenhorster“

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit ist ja ein zeitintensives Hobby mit professionellen Ergebnissen. Was treibt Sie an, sich so einzubringen?

Erstens: ich bin einfach Uhlenhorster, die Aufgabe hat sich gestellt und dann habe ich sie im Frühjahr 2009 übernommen. Hätte es eine andere Aufgabe gegeben, hätte ich wahrscheinlich die übernommen. Und ich würde es bei keinem anderen Verein der Welt machen. Zweitens: ich mag die Mädels, es ist einfach eine tolle Mannschaft. Und drittens: so schlecht mache ich es wohl auch nicht. Wir haben schon seit der Regionalliga systematisch wie in der Bundesliga trainiert. Das ist auch mein Anspruch.

Wie würden Sie sich bezeichnen: Hockeyverliebt oder -verrückt?

Wenn man seit dem neunten Lebensjahr damit groß wird, dann ist man wohl hockeyverliebt. Ich verstehe aber jeden, der es als verrückt bezeichnet.

Wenn die Herren spielen, zählt das Damenteam zum Fanblock. Was trauen Sie dem HTCU in Berlin zu?

Ich bin ein absoluter Fan unserer Herrenmannschaft. Wir haben mit Thilo Stralkowski den meiner Meinung nach besten Hallenspieler Deutschlands in unseren Reihen. Die Mannschaft beeindruckt mich vor allem mit ihrer Psyche, wie sie mit Rückstanden umzugehen weiß und am Plan festhält.