Damen greifen nach den Sternen

Bis zum Anpfiff muss das Lampenfieber verschwunden sein. In den Stunden vor der ersten Ballberührung im Halbfinale der deutschen Hallenhockey-Meisterschaft gegen den Harvestehuder THC (Samstag, 14.15 Uhr) werden die Damen des HTC Uhlenhorst eine große Anspannung verspüren. Erstmals in der Vereinsgeschichte haben sie die Endrunde einer deutschen Meisterschaft erreicht. In der Berliner Max-Schmeling-Halle greifen sie nun nach den Sternen.

Eigentlich sind sie Außenseiterinnen und können unbeschwert aufspielen. Aber natürlich wollen die von Hanns-Peter Windfeder trainierten Mülheimerinnen noch einen Schritt weiterkommen. Im Halbfinale treffen sie auf das Team des Harvestehuder THC. Die Hamburgerinnen hat auch kaum jemand im Final Four erwartet. Es existiert also eine Chance, das Endspiel zu erreichen — gegen den Titelverteidiger UHC Hamburg oder den Westrivalen Düsseldorfer HC.

Die Harvestehuderinnen haben 2007 letztmalig die Endrunde erreicht. Damals gewannen sie das Finale gegen Rot-Weiss Köln mit 6:4 und hielten den Blauen Meisterwimpel, von dem sie jetzt wieder träumen dürfen, in den Händen. Das ist acht Jahre her. Nur noch eine Spielerin von damals zählt auch heute noch zum HTHC-Kader. Die 31-jährige Rike Sager ist das Urgestein der Hanseatinnen.

„Wir sind mega happy. Vor der Saison haben wir nicht damit gerechnet, die Endrunde zu erreichen. Meine Mädels haben sich das aber verdient. Jetzt sollen sie die Endrunde in erster Linie genießen und Spaß haben“, sagt der Hamburger Trainer André Otten. Der Coach erwartet einen heißen Tanz im Kampf um den Hallenmeister-Titel. So sagt er: „Jetzt ist alles möglich!“

Hanns-Peter Windfeder, Coach der Uhlenhorster Hockey-Damen, geht auch recht entspannt ins Final Four, denn die Mülheimerinnen haben schon weitaus mehr erreicht, als ihnen zuzutrauen war. In der Bundesligarunde haben sie keinen Geringeren als den nationalen Meister auf dem Feld, Rot-Weiss Köln, hinter sich gelassen. im Viertelfinale ging der Triumphzug am vergangenen Wochenende weiter — 4:1 beim Favoriten Berliner HC.

Und nun? „Für uns kommt die Endrunde völlig unerwartet. Vor dem Saisonbeginn haben wir davon gar nicht zu träumen gewagt. Jetzt treffen wir auf ein gegnerisches Team, das uns sehr ähnlich ist. Keine einzelnen Top-Spielerinnen, sondern vielmehr die mannschaftliche Geschlossenheit machen die Qualität der Hamburgerinnen aus“, sagt Hanna Valentin. Die Uhlenhorster Leistungsträgerin und Mitglied des erweiterten Nationalkaders fügt hinzu: „Mit dem Halbfinale Mülheim gegen Harvestehude hat ja niemand gerechnet. Wir freuen uns unbeschreiblich, dabei sein zu dürfen. Ein Traum ist schon wahr geworden. Vielleicht ist ja sogar noch mehr drin.“

Ähnlich sieht es Katharina Windfeder. Der Endrunde um die deutsche Meisterschaft folgt für die Nationalmannschafts-Debütantin in der kommenden Woche die Hallen-Weltmeisterschaft in Leipzig. Nun gilt aber zunächst die volle Konzentration auf Berlin. „Es ist noch immer nicht zu fassen, dass wir als Feld-Zweitligist unter den Top vier in der Halle sind. Wir werden alles geben und dann einmal sehen, was noch geht. Wir sind dabei! Das ist ein riesiger Erfolg! Im Spiel gegen die Hamburgerinnen sehe ich uns erneut als Außenseiter“, so Abwehrchefin Windfeder.

Außenseiter gegen Außenseiter? Der Traum von der deutschen Meisterschaft muss für die Mülheimerinnen am Samstag noch nicht vorbei sein. Sie müssen nur ein Mal mehr als der HTHC zwischen die gelben Torpfosten in der Max-Schmeling-Halle treffen.