Von Moers aus mit Vollgas in die Formel 3

Formel-Masters-Pilot Fabian Schiller trifft „Mr. Boxengasse“ Kai Ebel (links).
Formel-Masters-Pilot Fabian Schiller trifft „Mr. Boxengasse“ Kai Ebel (links).

Mit deutlich mehr als 200 PS startet der ehemalige ADAC-Formel Masters-Pilot Fabian Schiller in die Motorsport-Saison 2015.

Und das bedeutet fast doppelt so viel Leistung wie im Vorjahr.

Der 17-jährige Nachwuchs-Rennfahrer hat im Winter bei dem britischen Team West-Tec angeheuert und wird in diesem Jahr einen Dallara-Mercedes in der FIA Formel 3-Europameisterschaft pilotieren. Damit ist der Sohn des Ex-Sportwagenfahrers und Le Mans-Teamchefs Leonhard „Hardy“ Schiller einer von nur fünf deutschen Rennfahrern, welche sich der extrem großen Konkurrenz in der Formelserie stellen, die als direktes Sprungbrett in die Königsklasse des Motorsports, die Formel 1 gilt.

Und eines der ersten Sprungbretter auf dem Weg dorthin stand immerhin in Moers (wir berichteten).

Im vergangenen Juli war es, als die Rennfahrer von Morgen beim Persönlichkeits- und Medientraining der Deutsche Post Speed Academy (DPSA) in der ehemaligen Grafenstadt geschult und auf ihre kommenden Aufgaben vorbereitet wurden. Unter anderem von RTL-Reporter Kai Ebel, der auf den Grand-Prix-Strecken und in den -Boxen der Welt, sowie bei den Rennstars zu Hause ist. Der 50-jährige Mönchengladbacher engagiert sich nämlich auch in der Nachwuchsarbeit, gibt als Fachjury-Mitglied der Deutsche Post Speed Academy (DPSA) sein Wissen an die Rennfahrer von Morgen weiter. Fabian Schiller und seine Kollegen hatten so die Chance, von der Erfahrung des TV-Journalisten zu profitieren.

Ein abgeschiedenes, altes Speichergebäude umgebaut zur Schulungs-Location, hatte die DPSA als idealen Ort ausgewählt, um ihren Förderkandidaten Nachhilfe im Umgang mit den Medien zu geben. Denn der Weg in den Top-Motorsport ist kein leichter, und schnelles Autofahren alleine reicht schon lange nicht mehr aus, um es bis ganz an die Spitze zu schaffen. „Eine stimmige und glaubwürdige Präsenz in den Medien ist heute ein absolutes Muss“, erklärte damals Kai Ebel. „Sie dient nicht nur zur Selbstdarstellung. Mindestens genau so wichtig ist, dass jeder Sportler ja auch Repräsentant seiner Sponsoren ist.“

Vor laufender Kamera bat „Mr. Boxengasse“ dann auch Fabian Schiller zum Interview und machte dem jungen Rheinländer in mehreren Runden klar, wie man sich professionell, aber trotzdem authentisch darstellt und wie man auf unangenehme oder überraschende Fragen richtig reagiert.

Der damals 16-jährige Förderkandidat des ADAC-Nordrhein war hinterher restlos begeistert von seinem Intensivkurs mit dem PR-Profi. Und nun hat der 17-Jährige einen weiteren, wichtigen Sprung auf der Karriereleiter getan.

Saison mit 35 Fahrern

Nicht weniger als 35 Fahrer sind für die Formel 3-Saison 2015 mit ihren elf Rennwochenenden gemeldet. Die Herkunft der Piloten erstreckt sich dabei mit insgesamt 17 verschiedenen Ländern über die ganze Welt: Europa ist genauso vertreten wie die USA, Kanada, Kolumbien, China, Malaysia, Indien, Hongkong, Thailand, Brasilien und Ecuador. Das 2015er Feld beweist damit erneut den Erfolg des vom Weltmotorsportverband FIA konzipierten Plans, den besten jungen Rennfahrern mit der FIA Formel 3-Europameisterschaft eine internationale Plattform zu bieten, auf der sie auf dem Weg in die Top-Klassen des Motorsports an ihren Fähigkeiten feilen können. Wie erfolgreich dieses Konzept ist, haben unter anderem Lewis Hamilton und Sebastian Vettel eindrucksvoll bewiesen.

„Jahr für Jahr bietet die Formel 3-EM den Fans eine großartige Show“, sagt der Kölner Walter Mertes, Ex-DTM-Pilot und Promoter der Serie. „Der unterschiedliche Background der Fahrer wird der diesjährigen Meisterschaft einen speziellen Reiz verschaffen und so dürfen sich die Motorsport-Fans auf Spannung und enge Rennen über die ganze Saison hinweg freuen.“ Kein Wunder, dass Fabian Schiller, der von der Deutsche Post Speed Academy sowie dem ADAC-Nordrhein unterstützt wird, keinen Augenblick zögerte, als ihm diese Chance geboten wurde. „Paul South vom Team West-Tec, der bereits im Formel Masters mein Renningenieur war, hat den Kontakt hergestellt und mir die Chance zu einem Formel 3-Test vermittelt. Der ist offenbar sehr gut verlaufen, denn danach waren wir uns recht schnell einig.“

Obwohl Schiller bewusst ist, dass 2015 für ihn ein Lehrjahr sein wird, in dem er sich als Rookie zunächst einmal gegen die teilweise wesentlich erfahreneren Mitbewerber beweisen muss, konnte der gebürtige Bonner bei den offiziellen Testfahrten der Formel 3-Europameisterschaft bereits ein erstes Ausrufezeichen setzen. Auf dem Circuit Ricardo Tormo im spanischen Valencia zeigte er besonders auf nasser Piste sein außergewöhnliches Talent und erzielte am Vormittag des zweiten Testtages die drittbeste Trainingszeit.

Auftakt in Silverstone

Gleich zum Auftakt steht am kommenden Wochenende ein Lauf im Rahmen der Sportwagen-WM im britischen Silverstone auf dem Programm, gefolgt vom ersten deutschen Gastspiel in Hockenheim. Anschließend startet die Serie im französischen Pau, wo sie beim Formel 3-Grandprix sogar die Rolle des Hauptdarstellers einnimmt.

Zwei zusätzliche Rennwochenenden auf den Formel 1-Kursen in Monza und in Spa runden die erste Saisonhälfte ab. Die gesamte zweite Saisonhälfte wird die Nachwuchsserie im Rahmen der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) starten, mit der die Formel 3-EM im Oktober erneut auf dem Hockenheimring zum Saisonfinale antritt.