Höher, härter – weiter weg

Lukas Schattenberg (rechts) mit Henning Wegter und der Silbermedaille nach dem DVV-Pokalfinale gegen Haching in Halle.Foto:Archiv/Thorsten Lindekamp
Lukas Schattenberg (rechts) mit Henning Wegter und der Silbermedaille nach dem DVV-Pokalfinale gegen Haching in Halle.Foto:Archiv/Thorsten Lindekamp
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Die Volleyballer vom Moerser SC haben sich nach dem Bundesliga-Rückzug in alle Himmelsrichtungen verteilt. Lukas Schattenberg verschlug es in die USA.

Eben nach dem Rückzug aus dem deutschen Oberhaus. Lediglich drei ehemalige Bundesliga-Akteure haben noch direkten, aktiven Kontakt zur heutigen Regionalliga-Mannschaft. Das ist zum einen Tim Elsner, der seinen gültigen Vertrag erfüllt, zum anderen ist es der Trainer Chang Cheng Liu, dem sicherlich das Herz schwer wird, wenn er die Früchte seiner langjährigen Arbeit beim MSC ernten möchte und Lukas Schattenberg. Letzterer hat mit Sicherheit den weitesten Abflug aller „Adler“ gewagt. Er ist – wie zuvor berichtet – zum Studium in die USA gegangen. Genauer, nach Marshall, im Bundesstaat Missouri.

Doch kurz vor den Weihnachtsfeiertagen war er wieder da, spielte für die Moerser Mannschaft und bescherte dem Team den zweiten Saisonsieg im zehnten Spiel. Wäre die Anreise nicht gar so weit, würde Liu sicher gerne öfter auf „Schattis“ Unterstützung zurückgreifen. Doch der junge Spieler ist Realist, er weiß, dass es in seinem Auslandsjahr um seine Zukunft geht. Die kann im Volleyball liegen. Muss aber nicht.

„Gerne ein paar Jahre als Profi“

„Ich würde sehr gerne ein paar Jahre als Profi spielen“, sagt der 19-Jährige, dem sein Talent von Papa Martin quasi in die Wiege gelegt wurde. Der trainiert heute noch beim Moerser SC die U13 und U14, koordiniert weiterhin das Grundschulprojekt, hat zum Glück seine Finger bis zu den Ellenbogen in der MSC-Jugendabteilung, ist beim Westdeutschen Volleyball-Verband Auswahltrainer und hat Mitte der 90er-Jahre die erste Mannschaft vom Moerser SC in der Bundesliga trainiert. Bei solch einer Vita kann der Sohn eigentlich weder Profi-Fußballer noch -Golfer werden. Zumal Lukas Schattenberg neben seinem Talent auch bei 1,94 Meter über die notwendige Körperlänge verfügt.

Seinen Bundesliga-Einstand hat der 19-Jährige bereits vor knapp zwei Jahren gegeben. In der Folge kam er immer wieder zu Einsätzen in der deutschen Eliteliga. Und schließlich war er bei der knappen 2:3-Niederlage im Final-Krimi des DVV-Pokals in Halle/Westfalen gegen Haching dabei.

In den Vereinigten Staaten studiert Lukas Schattenberg mit einem Volleyball-Stipendium im medizinischen Bereich, hat einen Notendurchschnitt von 1,0 und nutzt die tollen Trainingsbedingungen. „Professioneller als das, was ich hier mitbekommen habe“, sagt er. Nur fehlt dort eben die Profi-Liga. Derzeit schätzt er das Niveau im höchstem US-Spielbetrieb „zwischen erste und zweite Bundesliga“ ein. Doch Schattenbergs College will in diesem Jahr stark rauskommen, hat eine Reihe von ausländischen Studenten im Team.

Belgische Staatsbürgerschaft

Junge Spieler sollen in den USA zu Profis aufgebaut werden, auch wenn sie danach erst einmal „im Ausland spielen müssen“, weiß der 19-jährige Moerser. Er liebäugelt nach seinem Jahr in den Vereinigten Staaten eventuell mit einem belgischen Verein. In Gent oder Leuven. Dort könnte er auch weiter studieren, da es beides Universitätsstädte sind. Schattenberg hat wegen seiner Mutter neben der deutschen immerhin auch noch die belgische Staatsbürgerschaft.

Möglich ist auch, dass er länger in den USA bleiben und dort weiter studiert. Das steht aber noch in den Sternen. Sicher ist nur, dass er gerne wieder in Moers spielen würde – sollte der MSC doch noch einmal in der Bundesliga angreifen.

Dem Regionalliga-Team konnte Lukas Schattenberg jedenfalls am 20. Dezember schon kräftig unter die Arme greifen, avancierte quasi als Matchwinner beim 3:2-Erfolg gegen Bielefeld. Sogar zahlreiche Asse servierte er in der Partie.

„Mein Vater hat gesagt, ich würde schon härter hauen und höher springen, seit dem ich in den Vereinigten Staaten trainiere“, freut er sich über die Analyse eines Kenners. Doch derzeit heißt es für den MSC: höher, härter – weiter weg. Denn am 9. Januar geht’s zurück. Der Moerser SC empfängt Düsseldorf/Ratingen einen Tag später.