Freistoßspray auch bei den Amateuren?

Robert Hartmann wird in die Analen des deutschen Fußballs eingehen. Er war es nämlich, der am vergangenen Freitag in der Zweitligapartie zwischen dem VfL Bochum und Darmstadt 98 als erster Schiedsrichter in Deutschland das neue Freistoßspray offiziell einsetzte. Nach der positiven Resonanz bei der Weltmeisterschaft in Brasilien hatte sich die DFL (Deutsche Fußball-Liga) ziemlich schnell entschlossen, dem Zentimeterschinden vor der Ausführung von Freistößen per Sprühstoß ein Ende zu bereiten.

Premiere ist gelungen

Nachdem es nach einer Untersuchung des TÜV zunächst so ausgesehen hatte, als verzögere sich die Einführung des Hilfsmittels für die Schiedsrichter, ging die Premiere in den deutschen Profiligen nun doch wie geplant über die Bühne. Und es stellt sich die Frage, ob demnächst auch bei den Amateuren gesprüht wird.

Wolfgang Jades, Obmann des Fußball-Verbandes Niederrhein, kann sich durchaus vorstellen, dass das Freistoßspray in Zukunft auch unterhalb der Dritten Liga zum Einsatz kommt: „Auch den elektronischen Spielbericht gab es zuerst bei den Profis. Und er hat sich inzwischen bis ganz unten durchgesetzt. Wenn etwas sinnvoll ist, sollten alle davon profitieren.“

Doch aus Jades’ Sicht wird das noch dauern: „Wir müssen erst einmal abwarten, wie sich das bei den Profis und im DFB-Pokal bewährt. Dann werden wir frühestens Anfang nächsten Jahres in die Diskussion einsteigen, ob eine Einführung zur Saison 2015/16 auch in der Regionalliga sinnvoll ist.“

Klar ist, dass in eine solche Entscheidung auch die Schiedsrichter mit einbezogen werden müssen. Und es sollten nicht nur die Erfahrungen bei den Profis abgewartet werden, es gilt für die Verantwortlichen zudem, noch wichtige Fragen zu klären. Etwa wie mit dem Spray umgegangen werden soll, wenn Schnee liegt, und wer für die Kosten der Anschaffung aufkommt? Eine Dose schlägt aktuell mit 12,95 Euro zu Buche.

Gerade wegen der hohen Kosten hegt Michael Weiss, Schiedsrichter-Lehrwart im Fußballkreis Moers, Zweifel an der Umsetzung in den unteren Spielklassen. „So wie ich gehört habe, kann man mit einer Dose sechs, bis sieben Linien ziehen. Also würde ich pro Spiel zwei Dosen benötigen“, rechnete der Referee vor und meinte weiter: „Die Vereine wollen die Kosten bestimmt nicht übernehmen.“

Schaumlinien auf den Plätzen

Der Grundgedanke, auch in den Ober-, Landes-,. Bezirks- oder Kreisligen Schaumlinien auf die Plätze zu sprühen, sei für ihn aber sinnvoll, „um die Undiszipliniertheiten schneller zu unterbinden“. Denn auch jeder Amateurspieler von Asberg bis Xanten versucht, mit kleinen Trippelschritten den vorgeschriebenen 9,15 Meter-Abstand zur Mauer zu verkürzen.