Die Lauf-Maut des DLV verärgert Vereine

Die Lauf-Fans, wie hier beim Sonsbecker Brunnenlauf, müssen ab 2016 mit höheren Startgeldern rechnen.Foto:Ostermann, Olaf
Die Lauf-Fans, wie hier beim Sonsbecker Brunnenlauf, müssen ab 2016 mit höheren Startgeldern rechnen.Foto:Ostermann, Olaf

Viele Veranstalter von Volks- und Straßenläufen sind derzeit gar nicht gut auf den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu sprechen.

Ab dem 1. Januar 2016 sollen die Organisatoren für jeden erwachsenen Läufer und Walker, der die Ziellinie überquert, einen Euro zahlen.

Aktuell führen die Vereine je nach Landesverband zwischen 30 und 60 Cent pro Starter an den Verband ab – abhängig von der Größe der Veranstaltung und den Teilnehmerzahlen.

Ausgenommen sind davon bisher kommerzielle Anbieter beziehungsweise Veranstalter, die nicht Mitglied des Verbandes sind. Das möchte der DLV mit seiner jetzt aktuellen Beschlusslage ändern. Er beruft sich bei seinem Anspruch auf Zahlungen von allen Veranstaltungen auf ein Urteil des OLG Düsseldorf.

Online-Petition

Die Erhöhung wollen die Vereine nicht einfach so hinnehmen. Es gibt bereits eine Online-Petition gegen die „Lauf-Maut“. Der Alpener Theo Rous, Ehrenpräsident des DLV, hingegen findet die Anhebung der Abgabe „grundsätzlich gerechtfertigt“.

Seitens des Verbandes heißt es, dass ein großer Teil der Mehreinnahmen durch die auf einen Euro erhöhte Abgabe in die Landesverbände zurückfließen soll, „um die Infrastruktur des Laufsports“ zu fördern, wie sich DLV-Präsident Prokop auf der Internetplattform seines Verbandes zitieren lässt. Konkrete Pläne diesbezüglich gäbe es noch nicht, würden jedoch ausgearbeitet.

Im wahrsten Sinne des Wortes läuft die Szene gegen den DLV-Beschluss vom Februar dieses Jahres Sturm – auch am Niederrhein. Manfred Gehrmann vom TuS Xanten, der den Citylauf organisiert, und Wilhelm Schmitz von der LG Alpen, der den Sparkassen-Lauf in der Gemeinde veranstaltet, gehören zu den Gegnern. „Wir Vereine müssen wahrscheinlich die zusätzlichen Kosten weitergeben, indem wir die Meldegelder anheben“, sagen die beiden unisono. „Und das könnte dazu führen, dass die Teilnehmezahlen zurückgehen“, ergänzt Schmitz.

„German Road Races“ (GRR) – dahinter verbirgt sich die Interessen-Gemeinschaft der Organisatoren von Laufveranstaltungen mit Sitz in Berlin – hat die Petition „Stoppt die Laufmaut – ein Euro Finisher-Gebühr ist zu viel“ ins Leben gerufen. Rund 1900 Unterstützer haben bislang unterschrieben. Von der GRR-Initiative muss sich DLV-Präsident Clemens Prokop, der in Zusammenhang mit der „Gebührenanpassung“ von einer „großen Chance, den Laufsport in Deutschland zu fördern“ gesprochen hatte, heftige Vorwürfe gefallen lassen. „Sie machen den Laufsport kaputt und sind ein Geldgeier“, lautet einer der viele Kommentare entrüsteter Sportler.

Moderatere Töne schlägt die „Stimme des Niederrheins“ an. „Ich kann zwar auf der einen Seite verstehen, dass der Verband zusätzliche Einnahmen benötigt. Doch die Verantwortlichen haben das nötige Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Gegen eine schrittweise Erhöhung hätte wahrscheinlich niemand etwas gesagt. Aber ein Euro ist tatsächlich einfach zu viel“, sagt Laurenz Thissen, der als launiger Moderator von Volksläufen, unter anderem in Sonsbeck, weit über die Region hinaus bekannt ist.

Nicht ausreichend erläutert

Theo Rous kann die Bedenken der Vereine verstehen, macht dem DLV den Vorwurf, die Gründe für die geplante Gebührenanpassung nicht ausreichend erläutert zu haben. „Das will der Verband aber nun nachholen, um Verständnis zu wecken. Die Thematik ist recht kompliziert und der Vorwurf der Abzocke falsch. Sportverbände müssen die Möglichkeit haben, ihre Verwaltung zu refinanzieren. Die Kosten für die Laufszene sind gewaltig.“ Thissen teilt die Befürchtungen von Gehrmann und Schmitz: „Wenn die Maut kommt, bleibt den kleinen Vereinen gar nichts anderes übrig, als das Startgeld zu erhöhen. Und das führt zu sinkenden Teilnehmerzahlen. Zumal viele Läufer ohnehin schon wegen des Event-Charakters die Großveranstaltungen bevorzugen.“

Angesichts des Widerstandes, der sich an der Basis regt, hat Thissen die Hoffnung, dass der DLV einlenkt und von der drastischen Erhöhung absieht: „Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass erheblicher Rede- und Informationsbedarf besteht.“