Zetteltipps beflügeln Keeper Kevin Peichert

Schwitten..  Es war eine Szene, die stark an das Fußball-WM-Halbfinale 2006 erinnerte. Kevin Peichert, Keeper des TV Menden-Schwitten, saß in der Halbzeit des Landesliga-Derbys auf der Bank der Kreissporthalle und erhielt vom Ex-Schwittener Keeper Klaus Schankowski einige Ratschläge.

Die waren auf einem Zettel festgehalten und enthielten Wurfbilder einiger Halinger Rückraumschützen, wie Peichert nachher zugab. Ob dies letztlich den Ausschlag gab, dass der Außenseiter den großen Favoriten aus Halingen stürzen konnte, wird wohl nie zu beweisen sein.

„Es waren wertvolle Hinweise von Klaus dabei, aber einige habe ich bewusst missachtet, das hat uns dann wohl den Sieg beschert“, schmunzelte der überragende TVS-Torhüter. Und Schankowski gab das Lob an Peichert zurück: „Ich fühle mich Schwitten immer noch verbunden, deshalb habe ich versucht zu helfen. Und Kevin hat ein fantastisches Spiel gemacht“, sprach der Coach der DJK Bösperde das aus, was alle Zuschauer dachten.

Überhaupt war es ein Spiel, das in punkto Emotionen auf einer nach oben offenen Skala stattfand. Dies lag zum einen an der beeindruckenden Kulisse, denn satte 800 Zuschauer gaben dem Hit in der Kreissporthalle einen mehr als würdigen Rahmen. „So macht Handball spielen im Stadtgebiet doch richtig Spaß“, sagte Schwittens Vorstandsmitglied Frank Schlücking.

Weniger Spaß hatte indes der Titelfavorit aus Halingen, denn der Tabellenführer ließ nur 18 Minuten erkennen, warum er die Saison bislang so eindrucksvoll dominiert hat. Die Verletzung von Regisseur Roman Warland, der nach einem unglücklichen Zweikampf mit Schwittens Abwehrrecke Benno Poth mit Verdacht auf Fingerbruch ausschied, war letztlich ein Mosaiksteinchen für die alles in allem verdiente Niederlage.

Schwache TVH-Angriffsleistung

Doch auch die Angriffsleistung in Durchgang eins war dramatisch schwach, denn nur Robert Ammelt und Dennis Bichmann strahlten überhaupt Torgefahr aus. Die Außenspieler Selle und „Lola“ Diederich waren hingegen kein Faktor und wirkten im Abschluss gehemmt. „Ich weiß nicht, ob sich einige Jungs zu viel Druck gemacht haben“, rätselte Trainer Christoph Gutzeit. So wirkte Marius Strotkötter als Ersatz von Warland schlichtweg überfordert. „Wir haben offensiv nicht die Klasse gehabt wie in vielen anderen Spielen“, haderte Coach Christoph Gutzeit.

Dass er nach der Partie fast trotzig davon sprach, „dass wir uns nun den Mund abputzen und weitermachen müssen“, war einerseits nachvollziehbar, denn nichts wäre schlimmer, als wenn seine Akteure kurz vor Saisonschluss anfangen würden, nachzudenken. Dies schien bei einigen Spielern indes schon am Freitag der Fall zu sein, denn Akteure wie Schwarz, Strotkötter oder auch Selle wirkten beeindruckt von der Kulisse und der couragierten Deckungsleistung des TVS. „Wir haben in der Abwehr klasse gearbeitet, weil wir unter der Woche seit langer Zeit endlich einmal wieder Sechs-gegen-sechs-Spielformen trainieren konnten“, nannte Schwittens Spielertrainer Knez ein Geheimnis des sensationellen Erfolges.

Fünf Gegentreffer in vier Minuten

Denn nach der Hinspielpleite und dem schnellen 2:6-Rückstand sprach eigentlich alles für Halingen. Doch die Gäste nutzten ihren Vorteil nicht, „wir hatten die Chance, auf 7:2 wegzugehen, und kriegen stattdessen in fünf Minuten vier Gegentreffer“, grantelte Gutzeit.

Dies war letztlich der Knackpunkt dieses Lokalduells. Ein weiterer, und das dürfte Gutzeit nicht verborgen geblieben sein, war, dass gerade Routiniers wie Kapitän Felix Zenka, der im Vorfeld selbstbewusst davon gesprochen hatte, man sei einfach dran sei aufzusteigen, an diesem Abend maßlos enttäuschten.

Erste TVH-Niederlage

Schwitten verstand es zudem geschickt, Torjäger Bichmann aus dem Spiel zu nehmen, zumal man mit Peichert einen überragenden Rückhalt im Kasten hinter sich wusste. Und offensiv verfügte der TVS am Freitag mit den überagenden Löbbecke und Birk über zwei Shooter, gegen die der Tabellenführer kein wirkungsvollen Mittel fand.

Die erste Halinger Niederlage in dieser Saison machte Konkurrent Hohenlimburg Mut, der nach seinem 27:25- Erfolg in Warstein plötzlich wieder Morgenluft wittert. „Wir sind nun punktgleich, haben aber den besseren direkten Vergleich und brauchen nur unsere drei Spiele gewinnen“, stellt Christoph Gutzeit klar. Der Coach forderte sein Team auf, nun Zähne zu zeigen. „Die Jungs müssen jetzt beweisen, dass sie sich von dieser Niederlage nicht aus der Bahn werfen lassen werden“.

Ob es gelingt, wird sich zeigen, denn erstmals spürt Halingen in dieser Saison den Druck, etwas verlieren zu können. Denn es wäre geradezu tragisch, nach drei Monaten auf Rang eins am Ende doch noch abgefangen zu werden. Ein erster Fingerzeig dürfte das vorletzte Heimspiel am Samstag gegen Schalksmühle II sein, dass nun zwingend gewonnen werden muss.