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Serie: Die stillen Helden

Werner Weiß und sein Credo: Anpacken, damit der Laden läuft

22.01.2015 | 12:15 Uhr
Werner Weiß und sein Credo: Anpacken, damit der Laden läuft
Das Reich von Werner Weiß: Am Düsterloh-Sportplatz des TuS Langenholthausen kümmert sich der Platzkassierer nicht nur um die Eintrittsgelder, sondern um viele Dinge, die bei jedem Heimspieltag oder im Laufe der Woche anfallen.Foto: Miriam Kind

Langenholthausen. Sonntagnachmittag am Düsterloh. Heimspiel des TuS Langenholthausen. Werner Weiß nickt wie immer freundlich, winkt den Vertreter der schreibenden Zunft durch und sagt augenzwinkernd: „Die Westfalenpost ist da.“

Werner Weiß kennt sie alle, die zum TuS kommen und mit dem Verein sympathisieren. Er ist Platzkassierer beim Fußball-Bezirksligisten. Seit acht Jahren. „Ich habe hier schon einiges erlebt“, sagt der 58-Jährige. Schöne sportliche Momente, aber auch traurige.

Der gebürtige Balver kam 1990 über Arbeitskollegen zum Klub vom Düsterloh, kickte ein wenig bei den Alten Herren und wurde irgendwann von seiner Frau, die Schatzmeisterin ist, überredet, beim TuS auch einen Posten zu übernehmen.

Alles in Ordnung bringen

„Wir sind im Vorstand ein gutes Team“, sagt Werner Weiß, der sich beim Dorfklub pudelwohl fühlt. „Alles nette Leute, jeder hat seine Aufgabe und es läuft gut.“

Seinen Job macht er gern – und gründlich. Sein Credo: Entweder machen oder sein lassen. Dazwischen gibt es nichts. Und noch etwas ist wichtig – anpacken, damit der Laden läuft. „Einmal in der Woche bin ich mindestens am Düsterloh“, sagt Weiß. Nachschauen, kontrollieren, Missstände beseitigen. „Ich räume auf oder kümmere mich, dass unerledigte Sachen in Ordnung kommen.“

Im November vergangenen Jahres erlebte er allerdings eine böse Überraschung – Einbruch ins Umkleidegebäude. Die Langfinger fanden nicht viel, allerdings klauten sie Bleche vom Gebäude, verursachten einen nicht unerheblichen Schaden. „Sehr ärgerlich, viel Aufwand und Lauferei“, so Weiß, der sich sogleich um die versicherungstechnischen Dinge kümmerte.

Dass bei seinem Engagement für den TuS einiges an Freizeit drauf geht, nimmt Weiß gern in Kauf. Er macht es für den Verein. „Es ist selbstverständlich, dass man da ist und hilft“, unterstreicht Weiß, dass er sich jederzeit in den Dienst der grün-weißen Gemeinschaft stellt. So wie kürzlich bei den Stadtmeisterschaften, die der TuS am Balver Krumpaul ausrichtete. Elf Stunden „ackerte“ Weiß rund um die Titelkämpfe, ehe er sein Belohnungsbier trinken durfte.

„Mädchen für alles“

Und am Wochenende, wenn ein Heimspieltag ansteht, ist er natürlich auch am Düsterloh – bei Sonne, Wind und Regen. Immer vor allen anderen, damit er in Ruhe das aufbauen kann, was aufzubauen ist. Er sorgt dafür, dass der Bratwurststand steht, das genügend Getränke vorhanden sind. „Dinge, die man so nicht sieht“, erklärt Weiß, der sich selbst als „Mädchen für alles“ bezeichnet.

Und dann verrichtet er noch seinen „Job“ als Kassierer. Zunächst mit Kollegen an der Kasse am Eingang des Sportplatzes. Und später rund um den Düsterloh. Denn die Angewohnheit vieler „Kiebitze“, die sich den Eintritt sparen wollen und außerhalb des Sportgeländes im parkenden Auto das Geschehen verfolgen, hat Werner Weiß längst durchschaut. Auch diesen Zuschauern knöpft er das Eintrittsgeld ab. Schließlich sollen alle gleich behandelt werden. Wer den TuS sehen will, muss zahlen.

Wie lange er dem Klub zur Verfügung stehen wird, lässt Weiß offen. „Ich bin noch für ein Jahr gewählt und im Moment macht es noch richtig Spaß“, sagt er. Aber ohne ihn könnte man sich den TuS gar nicht vorstellen. Das sagen auch die, die ständig mit ihm tun haben.

„Er ist immer da, aber man sieht ihn selten“, sagt Mario Droste, aktuell noch Co-Trainer und sportlicher Leiter am Düsterloh, und gibt das wider, was auch TuS-Präsident Charly Grote über ihn denkt. „Er ist eine absolut treue Seele, ein stiller Arbeiter im Hintergrund. Und für den Verein sicherlich einer der wichtigsten Mitarbeiter. Er sieht Dinge, die viele nicht sehen. Und ihm entgeht nichts.“

Meisterschaft feiern

Siehe oben bei der Platzkassierung. Oder wie ein weiteres Beispiel beweist: Als Mario Droste in der Hinrunde nach einem Heimsieg eine Kiste Bier bei Werner Weiß orderte, aber eine spätere Begleichung vereinbarte, erinnerte der TuS-Funktionär Droste beim nächsten Heimspiel an die Bezahlung. „Wenn es solche Leute nicht mehr gibt, dann können die kleinen Vereine zumachen“, sagt Droste.

Ein Ritterschlag für jemanden, der stets bescheiden bleibt und kein großes Aufheben um seine Arbeit macht.

Eine riesengroße Freude könnte man Weiß mit einer ganz besonderen Sache bereiten. „Ich würde gern mit meinen Kumpels die Deutsche Meisterschaft vom FC Schalke 04 feiern“, sagt Weiß.

Ein Wunsch, der nicht so leicht zu realisieren ist. Aber manchmal gehen Wünsche ja überraschend in Erfüllung. „Vielleicht erlebe ich es noch“, grinst Werner Weiß.

Franz Schoo

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